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Dieses Thema hat 5 Antworten
und wurde 1.313 mal aufgerufen
 Konzertberichte
Gardner Offline




Beiträge: 2.321

25.05.2008 15:19
John Campbelljohn am 23.05.2008 auf Burg Satzvey antworten
«Are there any sensitive lovers here tonight?»

Zwei Hände werden aus dem Publikum in die Höhe gestreckt. John Campbelljohn wundert sich, dass es nicht mehr sind. Die anderen seien wohl zu schüchtern. Lachend stimmt er sein «Heart Like A Stone» an. Umgehängt hat er das, was er später seine «Boogie Woogie Blechbüchse» bezeichnen wird: Eine Dobro aus dem Hause Johnson. Angesagt ist Slide- Spiel auf Gitarren im Open Tuning, was bis auf eine Ausnahme den ganzen Abend musikalisch bestimmen wird. Es gibt Boogie, Blues, Blues Reggae (!) («Slow Down»), Rock’ n ’Roll, Gospel («You Got To Move» von Mississippi Fred McDowell), Heavy Metal (zumindest für ca. 20 Sekunden), Irish- Celtic Music oder World Music («Tanz des Siebenschläfers» - „Wenn du die Kategorie eines Musikstils nicht kennst, nenn ihn einfach Weltmusik.”, Originalzitat von Mr. Campbelljohn.).

Das mit dem Reggae hat ja seinerzeit ein anderer Slider, nämlich David Lindley, schon vorgemacht. Für mich eine der wenigen Möglichkeiten, mir diese Musikart verdaulich zu präsentieren. Das mit dem Heavy Metal ist auch nicht so ernst gemeint, hört sich aber sehr authentisch an. Immer wieder blitzt des Meisters Augenzwinkern durch in seinen musikalischen Darbietungen: «Heart Like A Stone» beendet er mit einem Zitat aus «Smoke On The Water», der Stones Titel «You Can’t Always Get What You Want» geht auf einmal mittels der Bassfigur in Lou Reed's «Walk On The Wild Side» über. And all the girls sing....

«Are there any hippies here tonight?»

Erstaunlicherweise gehen dieses Mal mehr Hände in die Höhe. Die Eifel birgt so die eine oder andere Überraschung.

Auf der Pedal Steel Guitar , einem mit zweimal zehn Saiten bestückten doppelhalsigen Instrument, das seine hauptsächliche Verwendung in der Countrymusic findet, erklingen die ersten Töne von Jimi Hendrix’ «Little Wing». Das jagt dann so manchem Althippie ehrfürchtige Schauer über die Haut. Zu Recht, denn das, was und wie es hier erklingt, hat was Eigenständiges, aber äußerst Respektvolles, eine tiefe Verbeugung vor dem Original und ist nebenbei wahrlich meisterlich gespielt.



Begleitet wird John vom Bassisten Detlef Blanke aus Delmenhorst, der unter anderem auch schon mit Richie Arndt & the Bluenatics gespielt hat und Johns langjährigem Begleiter, dem kanadischen Drummer Neil Robertson. Sie liefern das bodenständige, rhythmische Fundament für Johns Saitenarbeit.

Und es macht Spaß, John Campbelljohn auf die Finger zu schauen. An der rechten Hand hat er drei Finger mit Picks bestückt: Daumen, Zeige- und Mittelfinger. Das Picking beherrscht er glänzend. Auch seine Saitendämpftechnik ist beachtenswert. Klasse auch sein Spiel mit der linken Hand, das Bottleneck über den kleinen Finger gestülpt lässt ihm genügend Freiraum für Zwischenlicks mit den anderen Fingern. Die Pedal Steel und auch die Lap Steel bedient er mit einem Slide Bar. Bei so vielen geslideten Tönen muss ich sagen, es wird keinen Augenblick langweilig. John versteht es, durch die Stil- und Spielarten der Slidegetiarre(n) zu wandern und das mit traumwandlerischer Sicherheit.

Der Sound kommt über einen kleinen Mesa Boogie Combo- Amp. Effekte sind ein paar Bodentreter. Neben den schon erwähnten Gitarrenmodellen spielt John noch eine weiße Fender Stratocaster und eine «ToneHound» Stratkopie in Standardstimmung, die er nur einmal einsetzt bei einem Instrumental nach der Pause.

Detlef Blanke spielt einen fünfsaitigen Phantom- Bass, den er über einen Little Mark II von Markbass verstärkt, die Boxen sind von Ashdown. Neil Robertson bedient ein Yamaha Drumset.

Die durch eine Pause von ca. zwanzig Minuten unterbrochenen gut zwei Stunden Konzert verfliegen wie nichts.

John ist ein Mensch mit einer gehörigen Portion Humor. In seine Zwischenansagen. streut er auf eine charmante Weise Sätze auf Deutsch ein. Dann Titel wie «Autobahn John» über einen Kanadier, der sich plötzlich mit deutscher Autobahnrealität konfrontiert sieht und erst einmal Gas gibt. «But it’s only a song.., just a song» kündigt er den Titel an. Zum Schluss gibt es dann noch einen Song auf Deutsch. «Gute Nacht liebe Freunde», hier verabschiedet er sch vom Publikum und den beiden Mitmusikern voll in der Tradition der «Waltons». „Gute Nacht John Boy“, möchte man auch ihm zurufen.

Die 70- 80 Zuschauer bedanken sich für diese guten Nachtwünsche mit heiterem Mitsingen.

Nach der Show treffe ich John an der Theke. Er begrüßt mich sofort mit: „Ah, the photo man.“, und fragt mich gleich, ob ich ihm nicht ein paar von meinen soeben geschossenen Bildern zuschicken möchte, ihn würde immer interessieren, wie er bei einem Auftritt ausschaut. Ich verspreche ihm das und bitte ihn, ein paar Worte an die Hörer von Juke Joint Bluesradio zu richten. Das tut er sehr gerne. Wir reden noch kurz über die Show, die Tour und die Musik. John fliegt am kommenden Montag zurück nach Kanada. Wir verabschieden uns per Handschlag auf das nächste Mal. Und bei eben dem werde ich sicher wieder dabei sein.

Denn ich kann nur in meinem Fazit sagen: Selten habe ich eine so kurzweilige, interessante, äußerst gut gemachte Show erlebt. Und das auf höchstem musikalischem Niveau.

Deshalb: Unbedingt nicht verpassen, wenn es wieder heißt: Autobahn John ist wieder unterwegs…

Text & Fotos © T. Mentzel

Die beiden Fotos unten: Links John an der Pedal Steel Guitar und rechts mit der Lap Steel Guitar

Tony Joe Gardner
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„Ich möchte Leute hören, die sich für bestimmte Sachen interessieren, die sich die Mühe machen, Sachen zu finden, die ich vielleicht sonst nicht hören würde. Die Stücke spielen, weil sie meinen, daß andere Menschen sie einfach hören müssen.“ - Alan Bangs

"A balance between things that you know people will like and things that you think people will like." - John Peel

Angefügte Bilder:
John_04_33.jpg   John_05_33.jpg  
eifelblues Offline




Beiträge: 113

26.05.2008 13:34
#2 RE: John Campbelljohn am 23.05.2008 auf Burg Satzvey antworten

Hallo Tony,

selten so eine feine und sachlich fundierte Kritik gelesen.

Gratulation!

Zur Abrundung des Ganzen hier noch die Kritik des Kölner Stadt-Anzeigers vom 26. Mai 2008.

eifelblues

Angefügte Bilder:
campbelljohnkstaweb.jpg  
Gardner Offline




Beiträge: 2.321

26.05.2008 21:42
#3 RE: John Campbelljohn am 23.05.2008 auf Burg Satzvey antworten
Tja der Stadtanzeiger....
ob dieser Bericht hier irgendwas abrundet, möchte ich mal dahin gestellt lassen. Nun denn, es lebe die Pressefreiheit.
Aber dass der werte Journalist Herr Thomas Schmitz von der Materie keine Ahnung hat und sich, statt wirklich auf das Konzert einzugehen, sich lieber auf den fotografierenden Herrn Gardner in seinem Holfällerhemd konzentriert, nur um seine Zeilen gefüllt zu bekommen, macht mich mehr als stutzig.
So habe ich es nicht versäumt, dem Stadtanzeiger folgende Mail zu schicken:

Subject: Kanadier mit Blues im Blut - Montag 26.05.2008 von Thomas Schmitz - Leserbrief

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich möchte mich bei Thomas Schmitz herzlichst bedanken, dass er der Beschreibung und dem Tun meiner Person fast genau so viele Zeilen in seinem Bericht widmet wie dem Konzert selbst. Zu viel der Ehre.
Da Herr Schmitz schon so selbstkritisch bemerkt, dass nicht mir, sondern John Campbelljohn „die eigentliche Aufmerksamkeit gelten sollte“, möchte ich anmerken, dass es keineswegs in meiner Absicht lag, Herrn Schmitz von seiner eigentlichen Aufgabe abzulenken, die wohl darin bestanden haben dürfte, einen Konzertbericht zu verfassen.
So geht das wohl jetzt auf meine Kappe, dass außer einer ganze Menge biografischer Daten zum Künstler, die man sicherlich jeder Pressemitteilung bzw. einschlägiger Internetseiten entnehmen kann, nicht viel von einem Konzertbericht zu sehen ist. Sorry for that.

Presse vor Ort, gut und schön. Aber dann sollte man sich wirklich mit der Materie auseinandersetzen, sich sachkundig machen.
Zum Beispiel sollte man wissen, dass man Plektren sich wohl schlecht auf die Finger stecken kann.

Naja. Der mit dem Holzfällerhemd über dem rundlichen Bauch, den leicht ungeflegten, grauen Haaren und der Kamera in der Hand und am Auge hat einen ebenfalls Konzertbericht geschrieben. Zwar nur aus Hobby, aber dafür etwas ausführlicher und fundierter. Nachzulesen unter http://www.jukejointbluesradio.de/t986f1...rg-Satzvey.html oder http://www.tonyjoegardner.com , unter letzterer Adresse finden Sie dann auch die Fotostrecke zum Konzert so wie weitere meiner Berichte zu anderen Konzerten.

Ich würde mich freuen, wenn Sie diese Links den Lesern des von mir ansonsten sehr geschätzten Kölner Stadtanzeigers weitergeben könnten.

Am kommenden Donnerstag bin ich wieder auf Burg Satzvey beim Konzert von Mem Shannon. Vielleicht ist Herr Schmitz ja auch da, wenn er noch ein paar Tipps braucht, mag er mich getrost ansprechen, bei einem Bier wird sich das sicher machen lassen. Im Falle seiner Verhinderung biete ich mich gerne als freier Mitarbeiter an.

Übrigens: John Campbelljohn hat sich im Gespräch nach dem Konzert bei mir bedankt fürs Fotografieren und mich gebeten, ihm einige Bilder zuzusenden, was ich soeben getan habe. So ist er halt der John. Der Kanadier. Und eben nicht wie der Deutsche, der sich aus welchem Grund auch immer über seine Mitmenschen mokiert.


Der mit dem Holzfällerhemd….und mit freundlichen Grüßen
Tony Mentzel

PS
Ich freue mich auf Antwort....

Tony Joe Gardner
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behindthelegend Offline




Beiträge: 57

04.06.2008 09:14
#4 RE: John Campbelljohn am 23.05.2008 auf Burg Satzvey antworten
Ddas ist ein interesanter KOnzertBericht gefällt mir mehr als der von der Zeitung.
Gardner Offline




Beiträge: 2.321

05.06.2008 15:21
#5 RE: John Campbelljohn am 23.05.2008 auf Burg Satzvey antworten
Liebe Freunde von JJBR,

mich erreichte gestern eine Mail von John Campbelljohn, die ich euch nicht vorenthalten möchte.
Sollte Herr Schmitz vom KSTA diese lesen, von dem leider bisher jegliche Reaktion fehlt, würde mich das freuen...

Hi Tony,

Thank you very much for the photos. It was a pleasure to meet you. The photos look great. You certainly know what you're doing.

I look forward to seeing you again some time & thank you kindly for including me in your broadcast.

Ciao for now,
John

Tony Joe Gardner
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Blue Bayou Offline



Beiträge: 1.115

06.06.2008 10:56
#6 RE: John Campbelljohn am 23.05.2008 auf Burg Satzvey antworten

Klasse, Tony!

Ja, das freut dann natürlich auch, wenn du ganz persönlich solch eine positive und nette Resonanz von einem hervorragenden Musiker bekommst.
Schön !!

Blue Bayou
Rosie

Blue Bayou - Rosie
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(* Frank Zappa )

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