Der Abend wird eröffnet von «The Nervous Fellas», Sugar Ray’s niederländischer Begleitband. Das sind Johan de Roos an Saxofon, Gitarre, Harp und Gesang, André Prins am Bass, René Klein an den Drums und Arie Verhoef an der Gitarre.
Für einige Gigs haben sie ihn in den letzen Tagen begleitet. Gestern waren sie noch auf dem Festival in Kwadedamme auf einer großen Bühne. Heute zwängen sich die vier Musiker mit ihren Instrumenten in eine Ecke des Café de Weegbrug in Roermond.
Aber es ist noch Platz für den fünften Mann, den Harpspieler und Sänger Sugar Ray Norcia. Ein Mann, der mit seiner eigentlichen Band «The Bluetones» Musikgeschichte schreibt und zum Beispiel mit «Roomful Of Blues» bereits welche geschrieben hat.
Und dieser in diesem Jahr für drei Blues Awards nominierte Mann nimmt dann eben diesen Platz ein. Der Auftrittssong ist «Rockin’ Sugar». Es folgen Titel wie «Keep Your Promises», «Walking by Myself», «Say You Love Me», «Need My Baby» am Ende werden es um die 25 Titel gewesen sein. Spätestens bei «Talk To Me Baby» singen die meisten im Lokal mit.
Vom ersten Moment und Ton an lässt Sugar Ray keinen Zweifel daran, wer der Chef im Ring ist. Sein druckvolles, facetten- und ausdrucksreiches Spiel auf der diatonischen wie auf der chromatischen Harp ist ebenbürtig zu dem, womit er als Sänger aufzuwarten weiß. Zumal er am heutigen Abend, dem letzten seiner kleinen Europatour, besonders gut aufgelegt zu sein scheint. Die riesige Spielfreude ist ihm anzumerken. Der Funke fliegt auch sofort auf die Band über.
Sugar Ray ist Vollprofi, daran sind keine Zweifel. Wenn man bedenkt, mit welchen Größen er bereits zusammengespielt hat, kann einem schwindelig werden. Walter Horton, Hubert Sumlin, J. B. Hutto, Roosevelt Sykes, Big Joe Turner, Ronnie Earl, Duke Robillard….Dieser Mann steht jetzt keinen Meter von mir entfernt und spielt und singt, dass es eine Freude ist, ihm dabei zuzuhören und zuzusehen.
Die Harpduelle mit Johan de Roos machen so richtig Laune und zwar richtig Gute. Ebenso Johans Saxofoneinlagen. Arie Verhoef an der Fender Stratocaster ist ein ebenso gewandter wie Stil sicherer Gitarrist. Der zumeist cleane Sound kommt über einen Bogner Amp. Das Fundament aus Schlagzeug und Bass trägt das Ganze beinahe unauffällig, aber äußerst präzise.
Ja, gute Laune. Es ist ein richtiger Gute-Laune-Abend mit klasse Musikern, mitgehendem Publikum (gerade einmal 22, hier inklusive das Personal des Cafés) und das alles in einer netten Location. Die (leider) wenigen Zuschauer sparen nicht an Applaus, dessen Dezibelanzeige weitaus höher ausschlagen dürfte, als die Menge der Verursacher es vermuten lässt. Hier pulst das Leben. Diese Musikmaschine reißt einfach mit. Es ist eine Party, ein Fest, auf dem kaum noch jemand ruhig sitzen oder stehen kann.
Einige freundliche Gespräche mit Leuten aus dem Publikum entwickeln sich nach dem Konzert, ebenso wie Gespräche mit den Musikern, vor allem das mit Sugar Ray, davon mehr an anderer Stelle…
Fazit: Wahrlich, ich sage euch und damit sage ich nichts Falsches: Alle, die Gelegenheit hatten, diese US- NL- Koproduktion zu erleben, haben in der Tat etwas e. r. l. e. b. t. und alle anderen, nun ja, die haben eben mal wieder was verpasst.
Damit dies nicht noch mal passiert, daher mein dringlicher Appell:
Tony Joe Gardner __________________________________________________ „Ich möchte Leute hören, die sich für bestimmte Sachen interessieren, die sich die Mühe machen, Sachen zu finden, die ich vielleicht sonst nicht hören würde. Die Stücke spielen, weil sie meinen, daß andere Menschen sie einfach hören müssen.“ - Alan Bangs
"A balance between things that you know people will like and things that you think people will like." - John Peel
Warum fuhren mein Twingo und ich nach diesem Konzert so bes(ch)wingt nach Hause? Siehe den Bericht von Tony. Vor anderthalb Jahren sah ich Sugar Ray mit seinen Bluetones ( Michael " Mudcat " Ward am Bass, Neil Gouvin am Schlagzeug, Troy Gonyea an der Fender und Little Antony Geraci am Piano ) in der Manege in Ratingen, und beide Konzerte waren eine Offenbarung, Punkt! Bis hoffentlich bald wieder in unseren Breitengraden, Sugar Ray.