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Dieses Thema hat 2 Antworten
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 Konzertberichte
Gardner Offline




Beiträge: 2.321

03.05.2008 15:43
Randy Hansen, 02.05.2008 Dortmund, Fritz Henßler Haus antworten
Randy Hansen, 02.05.2008 Dortmund, Fritz Henßler Haus

Kurz nach 19 Uhr betreten Peter und ich das Fritz Henßler Haus, wir stellen uns kurz an der Kasse vor und werden gleich zum vereinbarten Interviewtermin mit Randy Hansen in den Backstage- Bereich weiter geleitet.

Randy Hansen ist ein netter, nicht gerade hünenhafter, man möchte sagen, fast unscheinbarer Typ, ein interessanter, redeseliger Gesprächspartner, der einmal angetippt, los sprudelt. Sein Nähkästchen scheint ungeahnte Tiefen zu besitzen, aber davon an anderer Stelle.

Auf der Bühne steht da plötzlich ein ganz anderer Typ, der voll in seiner Rolle aufgeht, ohne jedoch aufgesetzt zu wirken. Obwohl das Wort „steht“ ist hier eigentlich so was von unangebracht, denn er steht kaum eine Sekunde, er ist in immerwährender Bewegung. Er wirbelt um die eigene Achse, springt von der Bühne, und wieder dorthin zurück mit einer Rolle rückwärts, schleudert Plektren ins Publikum, rennt über die Bühne und zieht ein ewig langes Gitarrenkabel hinter sich her. Funkübertragung? Fehlanzeige!

Braucht die Welt wirklich einen Jimi Hendrix Klon? Die Antwort ist eindeutig: Nein. Jimi ist Jimi und bleibt Jimi. Daran wird sich nun mal nichts ändern.
Randy Hansen wird oft als Jimi Hendrix Klon bezeichnet. Gewisse Ähnlichkeiten in Aussehen, Stimme, Gitarrenspiel, Habitus, Gestik, Mimik sind nicht zu verleugnen. Wenn man in dann noch in seinem Bühnenoutfit sieht, scheint die Illusion perfekt.



Aber Randy ist meilenweit davon entfernt, ein simpler Klon zu sein. Man sieht und hört ihm an, dass er in dem, was er da tut völlig aufgeht. Da ist nichts gekünstelt, der Mann ist mit Leib und Seele bei der Sache. Und die „Sache“ ist das Hendirx’sche musikalische Testament.

Was da von der Bühne tönt, könnte man als ein „Best of..“ von Titeln bezeichnen, die auch Jimi gespielt hat: „Izabella“, „Hey Joe“, „Gypsy Eyes“, Wild Thing“, „All Along The Watchtower“ und, und, und…

Noch mal: Der Derwisch da oben auf der Bühne versucht nicht wie Jimi Hendrix zu sein. Er spielt halt dessen Titel, aber er bleibt sich selbst. Authentisch bis in den kleinen Finger. Ich hatte leider nie das Glück Hendrix selbst zu erleben. Und ich denke, die meisten der Zuschauer in Dortmund ebenfalls nicht. Randy schafft eine augenscheinlich perfekte Illusion.

Aber wenn man das Spektakel einmal nüchtern betrachtet, bleibt die Bewunderung für einen Musiker, der wiederum einen anderen Musiker bewundert. Randy’s Show ist eine Hommage an den wahren Meister aller Gitarristen, mit tiefer Verbeugung und Ehrfurcht.

Er ist nicht jemand, der Jimi’s Musik Note für Note einfach (!) nachspielt. Er gibt ihr auch einen eigenen Touch, einen eigenen Witz, ein eigenes Feeling. Das ist das, was ihn heraushebt aus der Masse der Hendrix- Klons.

Ein paar Bodentreter, ein Wah-Wah- Pedal, ein Digital Reverb und ein Marshall JCM 800- Stack sind Randy’s Soundzubereiter, die meiste Zeit spielt er eine umgedrehte Linkshänderstrat in Weiß (so wie es sich gehört). Der Sound ist so perfekt wie sein Spiel.

Mein Dank für diesen gelungenen Konzertabend geht nicht minder an die beiden deutschen Begleitmusiker: Ufo Walter am Bass und Manni von Bohr an den Drums. Ein eingespieltes Team, nicht zuletzt bekannt durch ihre Zusammenarbeit mit Alex Wiska bei Alex Oriental Experience. Perfekt in Timing und Spiel geben sie Randy das nötige Fundament für sine gitarristischen Eskapaden.

Manni von Bohr hat sich hinter einem gigantischen Drumset von DW verschanzt, außerdem baumelt eine Unzahl diverser Becken Marke „Anatolian“ um sein Haupt, so dass man ihn kaum sehen kann, aber durch sein druckvolles und präzises Spiel gerät er keine Sekunde in Vergessenheit.

Ufo Walter bedient seinen Bass, so wie ich ihn gern höre: Als Bass, der etwas „zu sagen“ hat, und nicht nur als Tieftongeber. Kräftige Läufe auch mal in die höheren Regionen, bieten gekonnte Variationen auf den nur vier Saiten. Verstärkt wird das Ganze über ein EBS- System.

Einziger negativer Kritikpunkt und der geht an den Veranstalter: Wie kann man ein Konzert von diesem Ausmaß in einem Saal mit fest stehender Bestuhlung durchführen? Das Publikum in Kinoklappsessel zwängen? Und dies, wo man nach den ersten Akkorden schon nicht mehr ruhig sitzen bleiben kann?

Während der Zugabe winkt Randy Hansen das Publikum in den Vorbühnenbereich, der sich rasch füllt. Ihm fehlt offensichtlich der direkte Kontakt zu seinen Fans.

Hier wäre das FZW in Dortmund sicher die bessere Alternative gewesen.

Mit einer wunderschönen Interpretation von „Red House“ verabschiedet sich das amerikanisch- deutsche Powertrio in den noch lang anhaltenden Applaus.

Fazit: Wer das Original Jimi Hendrix hören will, sollte auch das Original hören. Wer eine gekonnte Interpretation seiner Werke erleben will, optisch und akustisch, der sollte Randy Hansen unbedingt nicht verpassen.

Text & Fotos © T. Mentzel

Tony Joe Gardner
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„Ich möchte Leute hören, die sich für bestimmte Sachen interessieren, die sich die Mühe machen, Sachen zu finden, die ich vielleicht sonst nicht hören würde. Die Stücke spielen, weil sie meinen, daß andere Menschen sie einfach hören müssen.“ - Alan Bangs

"A balance between things that you know people will like and things that you think people will like." - John Peel

Gardner Offline




Beiträge: 2.321

04.05.2008 14:08
#2 RE: Randy Hansen, 02.05.2008 Dortmund, Fritz Henßler Haus antworten

Tony Joe Gardner
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„Ich möchte Leute hören, die sich für bestimmte Sachen interessieren, die sich die Mühe machen, Sachen zu finden, die ich vielleicht sonst nicht hören würde. Die Stücke spielen, weil sie meinen, daß andere Menschen sie einfach hören müssen.“ - Alan Bangs

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Strato Offline




Beiträge: 274

04.05.2008 19:23
#3 RE: Randy Hansen, 02.05.2008 Dortmund, Fritz Henßler Haus antworten

Hi Tony,

vielen Dank für Deinen ausführlichen Bericht und für das Backstage-Interview. Kann Dir nur zustimmen. Habe Randy Hanson jetzt auch schon mehrere Male gesehen, solo oder auch mit Band. Es war immer eine grandiose Show, die Randy abzog, aber auf hohem musikalischen Niveau und mit viel Power !!! Er covert auch nicht einfach die Songs von Jimi - ich erinnere mich z.B. an "Voodoo Chile", in der eine längere Passage von Eleonor Rigby zu hören war. Er variert auch oft - so z.B. ein ganz anderes Intro bei Purple Haze.

Auch Manni van Bohr an den drums versteht sein Handwerk - war übrigens auch mal eine Zeitlang bei Birth Control.

Ach so, da fällt mir noch ein: Wer den Film "Apocalypse now" gesehen hat, im Soundtrack sind die Riffs von Randy Hansen ...

Wer Randy Hansen noch nie live gesehen hat, sollte dies unbedingt tun, wenn er Gelegenheit hat . Es lohnt sich.

Gruß
Hans

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Blues .... more than a feeling.

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