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Dieses Thema hat 2 Antworten
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 Konzertberichte
Gardner Offline




Beiträge: 2.321

27.04.2008 14:43
Johnny Mastro & Mama’s Boys am 26.04.2008 in Kelpen- Oler(NL) im Café de Smeed antworten
Johnny Mastro & Mama’s Boys

Kelpen- Oler? Noch nie gehört? Und schon gar nicht schon jemals da gewesen?
So ging es mir bis gestern Abend auch. Der mysteriöse Ort liegt circa 12 km von Roermond entfernt in Limburg, Niederlande, eine Autostunde und etwas mehr als 100 km von meinem Domizil entfernt.

Der Grund der Reise ist natürlich mal wieder ein Musikalischer. Im«Café de Smeed», eben in Kelpen- Oler, steht auf dem Progamm für heute Johnny Mastro & Mama’s Boys.

Auf seiner «Spring Euro Tour 2008» kommt er lediglich für einen Gig nach Deutschland (Hannover am 17.05.2008) spielt aber Diverse in den Niederlanden und ebenfalls nur einen in Belgien.

Für 21Uhr ist der Beginn des Konzerts plakatiert. Pünktlich um 22:36 Uhr ertönt der erste Akkord.

Und der hat es gleich in sich. Das Startsignal für einen rasanten, knalligen, wuchtig wummenden Bluesabend, dessen Gleichen ich in der Vergangenheit vergeblich suche.

Ich fange mal beim Sound an: Es ist nichts für zarte Gemüter: Laut, dreckig, druckvoll, ehrlich. Er fährt direkt in Bauch und Beine, schüttelt den ganzen Körper, das Verstehen dessen, was da gerade passiert, hinkt zunächst etwas hinterher und erweist sich mit der Zeit sowieso als überflüssig. Was da von der Bühne kommt, hat das Zeug zum Soundtrack für eine handfeste Gute- Laune- Party. Und genau solche Laune schwappt auch gleich aufs Publikum über. Da spielen keine Selbstdarsteller, da spielen Musiker, die der verehrten Zuhörerschaft etwas, nein nicht etwas, sondern alles geben wollen. Es ist nichts Kopflastiges dabei, kein „sophisticated“ Gefummel, à la «Schaut-mal-was-ich-alles-so-kann», die fünf Protagonisten legen sich ins Zeug als gäbe es kein Morgen. Und dabei können sie etwas. Alle. Uneingeschränkt:

Johnny Mastro an Stimme und Harp, Jimmy Goodall mit Lippenstift geröteten Lippen und Perlenkette an den Drums, Paul Loranger am Bass, Ean "Top of the Mountain" Brown an der einen Gitarre und an der anderen Gitarre Gino "Bobo" Matteo, der vom Äußeren durchaus Popa Chubby’s Sohn sein könnte. Und vom Spielen sowieso. Oder auch wieder nicht. Er ist eine eigene Klasse. Wie jeder andere auf der Bühne, die eher einem Podest gleich kommt, auch.



Immer wieder schleicht sich die Frage bei mir ein, was diese amerikanischen Bands von den Europäischen unterscheidet. Ist es diese andere Art der Professionalität? Ein anderes Selbstverständnis? Ein anderer Teamgeist? Ein anderes Feeling? Eins ist es sicher nicht, eine Frage der Spieltechnik, die beherrschen viele. Auch hier in Good Old Europe. Aber bei den fünf Leuten spüre ich vom ersten Moment an eine Kraft, die mich mitreißt und der ich mich nicht entziehen kann. Magic? Voodoo? Egal.

Dann doch noch etwas für die technisch Interessierten:
Gino "Bobo" Matteo spielt den ganzen Abend über eine Gibson ES-335, Sunburst, zwischen ihr und dem Fender Super Reverb Amp sind zwei Ibanez- Tube Screamer, ein MXR M-88 Bass- Octave, ein RC- Booster von Xotic , und ein Dunlop Cry Baby Bass geschaltet.

Johnny Mastro’s Gesang geht über ein Shure SM 58 und seine Harp über die legendäre (klar) «Fahrradlampe» ebenfalls aus dem Hause Shure. Einen besonderen Gesangseffekt erzielt Johnny, wenn er gleichzeitig über beide Mikros singt. Die Harpverstärkung kommt über einen Fender Bassman. Seine Harps stammen aus der «Marine Band»- Reihe aus dem Hause Hohner.

Ean Brown spielt hauptsächlich eine Les Paul- Kopie von Stagg. Für die Slide- Einlagen verwendet er eine DeArmond Guild Starfire in schwarz. Einige Bodentreter verbinden zum Fender Blues Deluxse Amp.

Paul Loranger spielt einen 5- Saiter Bass aus dem Hause Carvin. Verstärkt wird er über einen Ampeg mit einer Box von EBS.

Jimmy Goodall’s Drumset ist nicht zu definieren, egal, der Klang stimmt.

Gespielt werden Titel aus dem aktuellen Album «Take Me To Your Maker» z. B.«Down in No» « 8Ball» oder «Take Your Time». Aber ältere Titel finden ihren Platz in der Setlist: «Slave» oder «Middle of The Night» von «The Black Album» aus 2006.

Für einen Titel holt Johnny eine Lady aus dem Publikum auf die Bühne, die dann eine zweite Harp spielt. Schöne Geste.

Für zwei Titel verlässt Johnny Mastro die Bühne und überlässt sie den Mama’s Boys. Beim Zweiten greift Gino "Bobo" Matteo auch zum Mikro. Ein klasse Slowblues mit herrlichen Soloeinlagen der beiden Gitarristen entwickelt sich.

Apropos „Bühne verlassen“: Gegen Ende der Show springt Johnny mitsamt Harp und Fahrradlampe eben von derselben und kniet sich in Mitten des Publikums, dort intoniert er «Glory, Glory Hallelujah», was dem begeisterten Publikum nur eine Wahl lässt: Mitzugrölen. Dann entwickelt sich ein ziemlich langes Instrumental, wohlgemerkt mit der Band auf der Bühne und Johnny kniend im Publikum.

Ach, ja. Das war mal wieder was. Für meine Ohren. Für mein Gefühl. Für meine Seele. Für mein (Er)Leben. Ein Abend, der sicher nicht so leicht verrauscht, das können meine Ohren jetzt noch bezeugen.

Das Ganze in einer tollen Location und für 10€ Entree. Nix zu meckern. Alles zu loben.

Die etwa 100 Zuhörer hatten wie ich ihren Spaß. Und das ist die Hauptsache. Genauso wie die Musiker. Einige Gespräche bestätigen dies. Ein rundum schöner Abend mit tollen Leuten auf und vor der Bühne.

Darum meine uneingeschränkte Empfehlung: Wenn in der Nähe, Johnny Mastro & The Mama’s Boys unbedingt nicht verpassen.

]

Text & Fotos © T. Mentzel

Tony Joe Gardner
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„Ich möchte Leute hören, die sich für bestimmte Sachen interessieren, die sich die Mühe machen, Sachen zu finden, die ich vielleicht sonst nicht hören würde. Die Stücke spielen, weil sie meinen, daß andere Menschen sie einfach hören müssen.“ - Alan Bangs

"A balance between things that you know people will like and things that you think people will like." - John Peel

HRVolker Offline




Beiträge: 727

27.04.2008 19:32
#2 RE: Johnny Mastro & Mama’s Boys am 26.04.2008 in Kelpen- Oler(NL) im Café de Smeed antworten
Hallo zusammen,

auch ich suchte dieses Konzert heim und nach der ersten Minute des Auftritts dieses Fünfers fiel mir ein Satz aus dem Film " Uhrwerk Orange " ein, der das hier stattgefundene treffend wiedergibt, als Alex und seine Droogs meinten, sie hätten Lust " auf ein bißchen Ultrabrutale " . Ultrabrutal war die Soundwand, die auf ca. 98 Zuhörer fiel. Wir standen alle in einem an das Cafe angebauten Musikzelt, draußen war es sternenklar und trotzdem zog ein Gewitter auf, das mich und etliche andere in den Bann zog, so ein " schmutzigbrutalrohes " Bluesgewitter im positiven Sinne hab ich lange nicht mehr gehört.
Die Jungs guck ich mir im Mai nochmal an.

Gruß

HRVolker
Blue Bayou Offline



Beiträge: 1.115

29.04.2008 11:09
#3 RE: Johnny Mastro & Mama’s Boys am 26.04.2008 in Kelpen- Oler(NL) im Café de Smeed antworten
Super Berichte!

Ja, lieber Tony und lieber Volker,
das war wohl eine tolle Sache!
Und zusätzlich zu euren Texten vermittelt mir die großartige Fotostrecke auf Tony`s website einen Eindruck davon, dass ich etwas verpasst habe!

Liebe Leser, klickt mal hier:
http://www.tonyjoegardner.com/Johnny_Mastro/index.html

Blue Bayou
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