Gut, dass ich das Filmplakat vorher nicht gesehen habe, auf dem ein grimmiger Samuel L. Jackson, der hier Lazarus heißt, breitbeinig und im Unterhemd vor Christina Ricci, die sich hier Rae nennt, posiert, wobei letztere halbnackt und in dicke Ketten gelegt wie ein treuer Hund vor dem farbigen Mann kauert ( das DVD-Cover ist etwas "entschärft", wie unten zu sehen).
Das Motiv ist jedoch eine Finte, die wahrscheinlich Zuschauer ins Kino locken sollte. Allerdings passt es jedoch auf raffinierte Weise zur Dramaturgie des Films, der dann insgesamt so völlig anders ist als man es aufgrund dieses Plakates erwartet.
Regisseur und Drehbuchautor Craig Brewer hat hier einen absolut faszinierenden Film um eine außergewöhnliche Freundschaft und fantastische Blues-Musik geschaffen, der seinesgleichen sucht. "Black Snake Moan" ist intelligent, authentisch, spannend, traurig und bewegend, aber gleichzeitig auch voller Humor, Sarkasmus und Witz, und der Überlebenswille seiner Charaktere ist einfach einzigartig. Was sich in diesem Film zwischen Samuel L. Jackson und Christina Ricci entwickelt, ist einfach unglaublich. Beide spielen mit einer solch beängstigenden Intensität und Glaubhaftigkeit, dass die Gänsehaut trotz hitzigem Südstaatenflair nicht ausbleibt.
Lazarus ( Samuel L. Jackson) ist ein alter Mann, verbittert und pleite, seine Frau, für die er vor Jahren seine geliebte Blues-Musik aufgab, hat ihn verlassen und seine Ehe ist zerbrochen. Er ist eine verlorene Seele, denn seine Träume sind zerplatzt und nun holt er nach langen Jahren seine rote E-Gitarre wieder aus dem Koffer, streift seinen Ehering ab und versucht, seinen Schmerz mit dem Blues zu verarbeiten.
Rae ( Christina Ricci), eine Trailer-Park-Lolita, wird einfach nicht mit ihrer Vergangenheit fertig und kompensiert ihre seelischen Verletzungen mit Drogen und nymphomanischen Anfällen, die eher mit verlorener, als mit ausgelebter Liebe zu tun haben, wie man vielleicht zuerst fälschlicherweise denken mag. Als Kind wurde sie missbraucht, von ihrer Mutter verlassen, und dann von so vielen Männern benutzt, wie männliche Namen im Telefonbuch stehen.
Auch Justin Timberlake weiß in diesem Film zu überzeugen, indem er hier in einer kleinen Nebenrolle den verängstigen Twen Ronnie spielt, der versucht, seinen Panikattacken zu entkommen, indem er sich freiwillig zum Militär meldet.
Nie verliert der Film die Befindlichkeiten und Motive seiner Hauptdarsteller aus den Augen und genau das ist es, worum es hierbei geht. Auch die stets unterschwellig mitschwingende Rassismusproblematik drängt sich nicht in den Vordergrund. Vor allem schafft “Black Snake Moan” etwas, was meiner Meinung nach leider nur noch wenigen Filmen gelingt: Er hat Tiefe ohne zu langweilen, er ist fesselnd und spannend, ist frei von Klischees und voller Atmosphäre und vor allen Dingen hat man nicht das Gefühl, den x-ten Aufguss von irgend etwas anderem vor sich zu haben. „Black Snake Moan“ ist ein Film den man mehrmals sehen sollte (man entdeckt immer wieder Neues), um ihn richtig zu verstehen.
Und nicht zu vergessen: Ein weiterer Hauptdarsteller ist die Musik. Einfach großartig und immer stimmig.
P.S. Übrigens: Der Titel "Black Snake Moan" basiert auf dem gleichnamigen Song des blinden Bluesmusikers Blind Lemon Jefferson.
Blue Bayou - Rosie ______________________________________________________________ * Information is not knowledge. - Knowledge is not wisdom. Wisdom is not truth. - Truth is not beauty. Beauty is not Love. - Love is not Music. MUSIC IS THE BEST. (* Frank Zappa )
Ich habe mir die DVD letztens auch gekauft und nochmals angesehen…du hast recht, man entdeckt immer wieder etwas Neues, kleine Nuancen, wichtige Details…
Zu empfehlen ist auch, sich den Film einmal in der Originalfassung anzusehen. Und der Soundtrack ist eine Klasse für sich.
Viel Spaß und viele Einsichten in einen nicht zu leicht zu nehmenden Film wünscht:
Tony Joe Gardner __________________________________________________ „Ich möchte Leute hören, die sich für bestimmte Sachen interessieren, die sich die Mühe machen, Sachen zu finden, die ich vielleicht sonst nicht hören würde. Die Stücke spielen, weil sie meinen, daß andere Menschen sie einfach hören müssen.“ - Alan Bangs
"A balance between things that you know people will like and things that you think people will like." - John Peel
Tony Joe Gardner __________________________________________________ „Ich möchte Leute hören, die sich für bestimmte Sachen interessieren, die sich die Mühe machen, Sachen zu finden, die ich vielleicht sonst nicht hören würde. Die Stücke spielen, weil sie meinen, daß andere Menschen sie einfach hören müssen.“ - Alan Bangs
"A balance between things that you know people will like and things that you think people will like." - John Peel