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Dieses Thema hat 3 Antworten
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 Konzertberichte
Gardner Offline




Beiträge: 2.321

23.03.2008 19:07
8. Eifel-Blues-Festival auf Burg Satzvey am 20.03.2008 antworten
Auf dem Programm stehen für heute 5 Bands. Um Mitternacht muss leider Schluss sein, denn dann beginnt der Karfreitag, ein so genannter „Stiller Feiertag“. Und still wirds hier nun mal nicht zugehen.

Als erstes spielt die «Somebody Wrong Bluesband » aus Aachen. Punkt 19Uhr ist Beginn. Der Bourbonen- Saal ist trotz der für den Blues sehr frühen Stunde schon recht gut gefüllt.

Es ist schön, alte Weggefährten gemeinsamer Bluestage wieder zu sehen und zu hören. Seit 1983 gibt es die Band. In Aachen gelten sie als Urgestein in Richtung Blues.
Die lange Bühnenpräsenz spiegelt sich auch heute in dem routinierten Auftritt wieder. Präzises Gitarrenspiel, Solo- wie Rhythmusarbeit, aber auch die Gitarrenduette von Alex Wilde und Albrecht Peltzer sind ein Ohrenschmaus. Feine Keyboardeinlagen von Martin Peltzer setzen die passenden akustischen Gegentupfer zu den Gitarrentönen. Christine Isensee’s Stimme hat den nötigen Druck und das ebenfalls nötige Durchsetzungsvermögen. Jochen Stark am Bass und Chris Andrä an den Drums bieten das stabile Bass- und Rhythmusfundament.



Nach einer Dreiviertelstunde verlassen sie unter dem verdienten und kräftigen Beifall des zahlenmäßig angewachsenen Publikums die Bühne.


Dann sind «Maitre Sardou and The Bluesbarbers» aus Köln an der Reihe. Der Name lässt schon ahnen, was Programm ist. Vom Outfit der Musiker bis zu den Titeln ist alles auf die legendären Blues Brothers getrimmt. Ein dreiköpfiger Bläsersatz darf auch nicht fehlen. Die Texte, die der Maitre zu Gehör bringt, sind auf Kölsch. Das Ganze präsentiert sich als geballte Einheit, zeitweise sogar gewürzt durch einige Hip Hop- Einlagen.



Dieser Kapelle zuzuhören und zuzusehen macht richtig Spaß. Ich denke, diese Leute sind im Stande, in Nullkommanix auch größere Säle zum Kochen zu bringen.


Der Dritte im Bunde an diesem Konzertabend ist Henrik Freischlader und Band.

Er tritt heute mit einer Telecaster an, die über einen Realtone-Amp und über eienen VOX AC-30 verstärkt wird. Mit Oliver Schmellenkamp am Bass und Dirk Sengotta am Schlagzeug bildet er ein Powertrio, das seinen Namen auch verdient. Schnörkellos und gradlinig, wie man es von ihm kennt, nutzt er die für meinen Geschmack sehr, sehr kurze, ja, zu kurze Auftrittszeit. «She’s Back (For Another Try)» so ewig lang und endlos schön - «She Ain’ t Got The Blues» und als letzten kleinen Zugabetupfer «Foxy Lady». Alles in allem eine tolle Performance der drei Musiker, da gibt es nichts zu meckern außer der zu kleinen Zeitscheibe. Aber so ist das nun mal mit dem Genuss, wenn im Hintergrund eine gnadenlose Uhr tickt, um ihn in die Schranken zu weisen.




Als Vierter betritt ein Mann aus dem US- Bundesstaat Mississippi auf die Bühne. Omar Kent Dykes. Auch er und seine «Howlers» spielen in Trioform. Ich erlebe Omar heute zum ersten Mal live. Er ist eine wahrlich imposante Erscheinung. Seine weiße Stratocaster wirkt etwas klein und verloren im Vergleich zu ihrem Meister, der sie ohne Riesengimmicks zu bedienen weiß, alles präzise. Ich schaue Omar auf die Finger der linken Hand. Da ist nichts mit Flitzefingern, hauptsächlich spielt er Akkorde und, das ist das Geheimnis seiner Technik, wirft immer wieder kleine, kaum sichtbare Licks dazwischen, die es aber in sich haben. Einen Tremoloarm hat die Strat nicht, den sonst hiermit hergestellten Effekt erzielt Omar durch Muskelkraft, indem er den Gitarrenbody mit seinem rechten Unterarm traktiert und mit der linken Hand den Gitarrenhals hin und her biegt. Er spielt Titel wie «Mississippi Hoodoo Man», « Monkey Land», aber auch John Fogerty’s Creedence Clearwater Rivival Hit «Green River». Wenn man Omar auf der Bühne sieht, vergisst man glatt seine beiden Begleitmusiker an Bass und Schlagzeug. Diese liefern aber das tragfähige Fundament für das ganze Unterfangen.



Noch ein paar Worte zu Omar’s Stimme: Gewaltig, ja, und sie erinnert immer wieder an den legendären DJ Wolfman Jack.


Es ist schon spät, als Mark Selby als Letzter die Bühne betritt, der Umbau hat etwas länger gedauert, und gleich zu Beginn reißt eine Saite an Mark’s Telecaster. Aber kein Problem, hinten am Türpfosten lehnt Henrik Freischlader, der sofort seine Tele aus dem Gigbag schält und sie Mark reicht, während fieberhaft nach einer Ersatzsaite gesucht wird.
Mark Selby. Ich liebe seine akustischen Titel, wie «Deep Pockets» oder «You». Heute zeigt er sich von der anderen Seite. Als Bluesman mit teils rockigen Einschlägen. Er präsentiert einige Titel aus seinem neuen Album «Nine Pound Hammer». «I Stole Your Love», «Leveler, Reveler» und die beiden Gänsehautstücke «Baby, I Do» und «Guitar In The Rain», Letzter hat das Zeug zum Ohrwurm, aber auch ältere Titel wie «She’s Like Mercury» «Unforgiven» kommen zum Einsatz. Ein wirklich gelungenes Set, das jedoch noch mit einem absoluten Höhepunkt aufwartet: Mark kündigt den Willie Dixon Titel «7th Son» an und bittet dazu Henrik Freischlader auf die Bühne. Im Laufe dieses Titels entwickelt sich ein Gitarrendialog zwischen Mark und Henrik, das das wahre Sahnehäubchen auf einen gelungenen Festivalabend setzt. Klasse. Klasse. Klasse.
Begleitet wird Mark Selby neben einem Bassisten aus Düsseldorf und einem Drummer aus Köln (deren Namen, oh Schande, ich mir nicht gemerkt habe) von seiner Frau Tia Sillers, die einige Titel mit ihm zusammen singt.




Der Auftritt von Mark Selby ist der krönende Abschluss eines durch und durch erlebenswerten Konzert(e)abend. Danke an alle Beteiligten auf der Bühne und vor der Bühne. Und allen, die im Hintergrund tätig waren. Es ist nicht leicht, ein solch hochkarätiges Programm so straff durchzuziehen.

Dann noch derartig hochrangige Blueser in der ansonsten Struktur schwachen Eifel…ich bin froh, dabei gewesen zu sein…und kann das Festival uneingeschränkt weiter empfehlen.

Nächstes Mal unbedingt nicht verpassen…

Frohe Bluestern, noch mal nachträglich….

Weitere Fotos demnächst auf meiner Homepage…
Text und Fotos (c) Tony Mentzel

Tony Joe Gardner
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„Ich möchte Leute hören, die sich für bestimmte Sachen interessieren, die sich die Mühe machen, Sachen zu finden, die ich vielleicht sonst nicht hören würde. Die Stücke spielen, weil sie meinen, daß andere Menschen sie einfach hören müssen.“ - Alan Bangs

"A balance between things that you know people will like and things that you think people will like." - John Peel

BlackCatBone Offline



Beiträge: 14

24.03.2008 10:20
#2 RE: 8. Eifel-Blues-Festival auf Burg Satzvey am 20.03.2008 antworten

Danke für den Klasse Bericht Tony

Kann ich alles unterschreiben, hat echt Spass gemacht der Abend.

Zur Band von Mark..
Der Schlagzeuger wurde von Mark als Josef "Catfish" Kirschgen vorgestellt *grins*,
der klasse Bediener des 5-String!! Basses war Bernd Renn.

Gruss, Werner

BlackCatBone Offline



Beiträge: 14

24.03.2008 10:55
#3 RE: 8. Eifel-Blues-Festival auf Burg Satzvey am 20.03.2008 antworten

Zitat von BlackCatBone

Der Schlagzeuger wurde von Mark als Josef "Catfish" Kirschgen vorgestellt *grins*,
der klasse Bediener des 5-String!! Basses war Bernd Renn.



Mehr über die Beiden gibts hier --->

Gardner Offline




Beiträge: 2.321

24.03.2008 17:26
#4 RE: 8. Eifel-Blues-Festival auf Burg Satzvey am 20.03.2008 antworten

Tony Joe Gardner
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