|
Während die Sängerinnen den Blues im zweiten Weltkrieg weitgehend aufgegeben hatten – oder der Blues hatte sie verjagt -, ist man jetzt sehr um eine Wiederkehr der weiblichen Stimmen bemüht. Queen Sylvia war eine der interessantesten dieser Blueswoman: kreativ – sie komponierte einen guten Teil der Blues, die sie interpretierte, selber -, eigenwillig, auch eine ausgezeichnete Bassistin, dabei eine Sängerin mit zwar nicht sehr großer, aber kraftvoller Stimme. Hörbar vom Gospel geprägt mit eigenartig absteigenden Modulationen bis hin zum Ersterben, die sehr an Lucille Spann erinnern, die Anfang der 70er eine Karriere im Blues versuchte. Von Arkansas über Memphis nach Chicago, von Kirchenhymnen ihres Heimatdorfes zu den Idolen ihrer Jugend wie Chuck Berry oder Lloyd Price – Sylvia Embry wäre warscheinlich nie professionelle Musikerin geworden, wäre Sie nicht John Embry begegnet, einem bemerkenswerten Gitarristen à la Buddy Guy, aber leider völlig unbekannt. Johnny heiratete Sylvia und nahm sie als Sängerin und Bassistin in die Combo, die er leitete. In dieser Eigenschaft präsentierte sich Sylvia Ende der Siebziger in den Clubs der Chicagoer West Side und nahm an Johnnys Seite das ausgezeichnete After Work (auf Razor) auf, das die Experten auf sie aufmerksam machte. Sie trennte sich – privat und auf dem Podium – von Johnny Embry und spielte Bass bei dem Gitarristen Lefty Dizz, bevor sie ihre eigenen Gruppe aufstellte, mit der sie dann regelmäßig in Chicago spielte. Sie hat vier Titel aufgenommen, die in der Anthologie Living Chicago Blues Vol. 6 (auf Alligator) enthalten sind, und die Bandbreite ihrere Möglichkeiten demonstrieren. Gerade als sie begann internationale Anerkennung zu finden, entschloss sie sich abrupt die Musik aufzugeben.
Soweit Gérard Herzhaft in seiner Enzyklopädie des Blues (Hannibal Verlag).
Nachzutragen bleibt noch, das Queen Sylvia 1992, im Alter von nur 51 Jahren, diesen Planeten verließ.
Das Queen Sylvia nur vier Titel aufgenommen hat stimmt nicht so ganz, denn im Jahr 1983 produziert Horst Lippmann (zusammen mit Fritz Rau Initiator des American Folk Blues Festivals) mit ihr das Album Midnight Baby.
Queen Sylvia – Midnight Baby (1983)
Das Album (CD) enthält zusätzlich zu den 8 Aufnahmen, die seinerzeit auf die LP gepresst wurden 3 Bonustitel. Allen Titeln hört man an, wo sich Queen Sylvia in den 70ern „herumgetrieben“ hat. Jeder einzelne ist lupenreiner originärer Chicago Blues. In allen Titeln, mit Ausnahme der Slowblues und des leicht funkigen fünften Titels, bedient sich Queen Silvia der bewährten 12 Takte. Experementierfreudig war sie nicht, was sicherlich auch im Sinne des Produzenten war. Midnight Baby ist sicherlich nicht der hellste Stern am Blues CD Himmel, aber für jeden der diese Variante des Blues liebt sicherlich eine Bereicherung seiner CD Sammlung – nicht nur weil die Musik handwerklich sauber ist und vor allem unterhält, sondern auch weil hier mal wieder eine Frau den Herren der Schöpfung zeigt, dass es zwar stiller geworden ist in der femininen Ecke, aber der Blues immer noch trefflich interpretiert wird.
Line up: Blues Queen Sylvia – Vocals, Bass Jimmy Dawkins – Lead Guitar, Vocals Phillip Meeks – Rhythm Guitar Tyrone Centuray – Drums
Titel: 01. I’m hurtin’ 02. Life And Troubles 03. New York Bound 04. Baby What Do I Do 05. Midnight Baby 06. Party 07. Can’t Get Along 08. Why Wonder 09. You Treet Me So Mean 10. I Love I Love ou 11. Baby, What Do I Do
Laufzeit: 53:49
http://www.alligator.com/index.cfm?secti...&playState=play
Hörproben: http://www.jpc.de/jpcng/poprock/detail/-...ome/rsk/hitlist oder http://www.3deers.com/
| |