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“Modine”, erklärt Bandgründer Wade Shuman, ist ein großer Heizlüfter, der wie geschaffen ist für eine Band die für ihre Blasinstrumente – zwei Mundharmonikas, eine Tuba und gelegentlich ein Bariton-Saxophon - eine Menge heißer Luft benötigt. Hazmat ist ein Kunstwort, geschaffen aus „Hazardous Materials” – gefährliche Materialien. Im Zusammenhang mit dieser Musik ist der Begriff aber wohl als unbekanntes/fremdes Material zu interpretieren, denn Hazmat Modines Musik kommt recht befremdlich, besser noch ungewöhnlich daher. Und der Terminus Bahamut hört sich auch nicht an, als entspränge er dem afro-amerikanischen oder dem angelsächsischen Wortschatz.
Bahamut ist einer arabischen Legende nach ein wundersamer Fisch, der in grundlosen Gewässern schwimmt und das gesamte Gebäude der Welt auf sich trägt. In einer Überlieferung heißt es: Gott schuf die Erde, aber die Erde hatte keinen Halt, und so schuf er unter der Erde einen Engel. Aber der Engel hatte keinen Halt, und so schuf er unter den Füßen des Engels einen Felsen aus Rubin. Aber der Felsen hatte keinen Halt, und so schuf er unter dem Felsen einen Stier mit viertausend Augen, Ohren, Nasen, Mäulern, Zungen und Füßen. Aber der Stier hatte keinen Halt, und so schuf er unter dem Stier einen Fisch namens Bahamut und unter den Fisch tat er Wasser und unter das Wasser Finsternis, und die menschliche Wissenschaft weiß nicht, was sich jenseits dieses Punktes befindet. In Tausendundeine Nacht wird berichtet, dass Bahamut so riesig und strahlend sei, dass kein Mensch seinen Anblick ertragen könne. Alle Meere der Erde, in einem seiner Nasenlöcher untergebracht, wären wie ein Senfkorn inmitten einer Wüste. In der 496sten Nacht aus Tausendundeiner Nacht wird erzählt, dass es Isa (Jesus) auf seinen Wunsch hin erlaubt wurde, Bahamut zu sehen, mit dem Ergebnis, dass er bewusstlos zu Boden sank und erst nach drei Tagen wieder aus seiner Ohnmacht erwachte. Möglicherweise steht die Größe und Mächtigkeit des sagenhaften Fisches für den Kosmos. (http://www.wikipedia.de)
Soweit das, was ich zu diesem mystisch klingenden Bandnamen und Albentitel hab’ zusammentragen können. Das was die New Yorker Band Hazmat Modine mit ihrer Namensgebung begonnen hat, setzen sie in ihrer Musik fort – einfallsreich und ungewöhnlich. Was ist das eigentlich was uns da zu Gehör gebracht wird? Sicherlich kein lupenreiner Blues mehr, der Begriff Weltmusik passt hier wohl besser. Ich glaube das in keiner anderen Stadt als in New York diese Musik hätte entstehen können. Nirgendwo sonst sitzen derart viele Ethnien derart dicht aufeinander, und profitieren musikalisch voneinander. Das Album ist ein geniales Konglomerat der verschiedensten (Volks)Musiken - Kletzmer, Blues, Zigeunermusik (die Sinti und Roma mögen mir diesen Begriff verzeihen), alles da. In dem schon fast trunken machenden Titel „Everybody Loves You“ wird selbst die fernöstliche Musiktradition eingebunden. Eigentlich auf den Durchschnittsabendländer fremd wirkend, fügt sie sich hier nahtlos in den Melodienreigen ein. Selbst innerhalb der Titel kann man nie sicher sein was in den nächsten Augenblicken nun kommt. Da klingt das Intro von „Who Walks In When I Walk Out“ verdächtig nach einer ungarischen Weise auf dem Schlagbrett, um sich anschließend in eine Art Kletzmer zu verwandeln, in den dann, als wär’s die natürlichste Sache der Welt, die weinenden Töne einer Steel Guitar eingestreut werden, um sich dann fröhlich swingend zu verabschieden. „Yesterday Morning“ ist unzweifelhaft Blues, über dem Titel schwebt aber irgendwie der Geist von George Gershwin. Abgeschlossen und gekrönt wird das Album mit einem elfminütigen Stück für das ich einmal den Begriff Psychodelic-Ethno-Blues verwenden möchte. Obwohl eine ganz andere Musik drängen sich mir Assoziationen mit Tom Waits auf. Dem „normalen“ Blueskonsumenten wird beim Zuhören eine Menge abverlangt, aber er hört etwas wirklich Einmaliges.
Line Up: Wade Schuman - Diatonic Harmonica, Guitar, Banjitar, Lead Vocals Randy Weinstein - Diatonic Harmonica, Chromatic Harmonica, Sheng, Vocals Joseph Daley – Tuba Pamela Fleming - Trumpet, Flugelhorn Steve Elson - Baritone Saxophone, Tenor Saxophone, Clarinet, Duduk, Flute Richard Huntley - Drums, Percussion Pete Smith – Guitar Michael Gomez - Acoustic and Electric Guitars, Banjitar, Steel Guitar
Titel: 01. Yesterday Morning 02. It Calls Me 03. Bahamut 04. Fred Of Bellaroy 05. Broke My Baby’s Heart 06. Almost Gone 07. Steady Roll 08. Everybody Loves You 09. Lost Fox Train 10. Dry Spell 11. Ugly Rug 12. Who Walks In When I Walk Out 13. Grade-A Gray Day 14. Man Trouble
Laufzeit ca. 68:00
Homepage: http://www.hazmatmodine.com Hörproben: http://cdbaby.com/cd/hazmatmodine
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