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Dieses Thema hat 5 Antworten
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 Konzertberichte
Gardner Offline




Beiträge: 2.321

28.02.2008 00:29
Danny Bryant, Köln im Yard Club in der Kantine am 26.02.2008 antworten
Vor ziemlich genau einem Jahr hatte ich ja schon das Vergnügen, Danny Bryant's Red Eye Band live zu erleben. Damals war ich voll des Lobes und der Begeisterung. Und nun? Was soll ich jetzt nur schreiben?

Ich erwähne erst einmal kurz, dass ich heute zusammen mit dem Sendekollegen vom Juke Joint Bluesradio Rainer das Privileg habe, ein etwa halbstündiges Gespräch mit Danny und seiner Crew, die hauptsächlich aus seiner Familie besteht, zu führen. Das noch vor dem Soundcheck, den wir dann auch gleich miterleben können.
Und da macht sich schon so ein Gefühl breit, dass dieser Abend noch etwas ganz Besonders werden könnte. Danny war bei unserem Gespräch schon gut aufgelegt.

Als er dann zusammen mit seinem Daddy Ken am Bass und dem Drummer Trevor Barr um 20:30Uhr den ersten Titel anspielt, wird es klar, nein, alles ist klar nach ein paar Takten: Jetzt ist er noch besser aufgelegt und zudem noch voll in seinem Element. Denn was der Junge seiner Custom Shop Fender Strat entlockt, mal laut, mal schmerzlich leise, ist mit Worten nicht zu beschreiben. Das muss man hören, aber auch sehen. Wie beiläufig flitzen die Finger der linken Hand über die sechs Saiten, während die Rechte mit dem Plektrum die Saiten anreißt. Danny ist treffsicher und schaut für keinen Moment hinunter auf das, was seine Hände da tun.
Ich stehe direkt an der Bühne, neben dem aus Zuschauersicht linken PA- Turm, schon zwischen den Monitorboxen, die vor der Bühne platziert sind, und genieße den feinen Bühnenmix. Von hieraus habe ich zudem beste Fotoposition und kann Danny direkt auf die Finger schauen. Wenn er es schon nicht tut!

Auf dem Bühnenboden direkt vor mir liegt sein karges Effektequipment bestehend aus einem Vox Wah- Pedal, einem Bodenstimmgerät und einer Di- Box für die Akustikgitarre, die nur einmal zum Zuge kommt. Die Stratocaster wird durch einen Marshall- Amp laut gemacht. Mehr braucht der wahre Profi nicht. Und: Der Sound ist erste Sahne.

Danny spielt den Blues, so wie man es von vielen modernen Guitarheros her kennt: Laut, aber mit sehr viel Gefühl und Virtuosität. Hier zeigt sich, dass genau das kein Widerspruch sein muss. Wie man es leider einigen hoch gejubelten Gitarristen nachsagen muss. Sein Gesichtsausdruck verrät, dass er förmlich mit leidet, wenn seine Gitarre aufheult und den gesungenen Schmerz über eine im Blues viel zitierte verlorene Liebe mitfühlend unterstreicht. Danny geht völlig auf in der Musik, er ist voll konzentriert. Gitarre und er sind ein Ganzes.

Ich bin völlig fasziniert von seinem Spiel, seinem Auftreten, da ist nichts aufgesetzt oder nur auf Show aus, der Mann ist echt und damit authentisch. Vater Ken zupft seinen Precision Bass in einer unspektakulären Weise, dass man ihn kaum wahrnehmen könnte. Doch er bildet mit Trevor Barr, der ebenso unauffällig wie präzise an seinen Drums in Erscheinung tritt, das adäquate Fundament für Danny’s Spiel.

Er ist auf Promotion- Tour für seine neue CD «Black and White». Hiervon spielt er natürlich einige Titel. «Love Remains», «Tell Me» oder «Last Goodbye» zum Beispiel, aber auch „Klassiker“ wie «Heartbreaker», «Always with me», «Hideaway», «Slow Blues/Sweet Little Angel». Wer denkt, das ist alles nicht zu toppen, wird eines anderen belehrt: «Voodoo Chile» mit über dem Rücken spielen und die Saiten mit den Zähnen anreißen, ganz in Hendrix’scher Manier überzeugt aber allein schon durch seine Interpretation, die so nah am Original liegt, wie ich es selten gehört habe.

Dann gibt es noch einen Bob Dylan Titel in einem wirklich neuen Gewand, nämlich «I shall be released», der für das heute nicht gespielte «Girl of the north country» mehr als entschädigt.

Danny hat vorher verraten, dass er auf Tour keine feste Setlist hat, einzig der Opener und das letzte Stück sind festgelegt. Was dazwischen passiere, wisse man nie so genau, sagt er, aber das würde eine solche Tour auch für die Musiker interessant und spannend halten, denn es gäbe wohl nichts Schlimmeres für ein Publikum, das sich einer ausgelaugten, gelangweilten Band gegenüber sähen.

Nach ca. zwei Stunden und fünfzehn Minuten Nettospielzeit geht ein grandioses Konzert zu Ende. Der Saal war leider nur zur Hälte gefüllt, ich glaube nicht, dass es mehr als hundert Zuschauer waren heute Abend, was ich schade finde. Dieses Vergnügen hätte ich weitaus mehr Leuten gegönnt. Jetzt leert der Raum sich nur zögerlich, am Merchandisingtisch bildet sich eine Schlange. Heather, Danny’s Mom verkauft eifrig CDs ihres Sprösslings, Danny signiert fleißig, während sich Kirby, Danny’s Frau, auf der Bühne daran macht, die ersten Kabel aufzurollen, den Bass und die Gitarren einzupacken. Ich mache meine Runde, um mich bei allen noch mal einzeln für den herzlichen Empfang und die gelungene Show zu bedanken: „Great show, thank you, see you next time.“

In meinem Kopf mischen sich die nachschwingenden Töne allmählich mit den ersten Gedanken, wie ich das gerade Erlebte wohl in Worte fassen könnte. Da fällt mir mein letztjähriger Bericht wieder ein, und ich denke schon nicht mehr an den aktuell zu schreibenden, sondern suche schon nach Worten für den Nächsten, denn sollte ich Danny und & Co in einem Jahr wiedersehen und sollte er sich weiter in diesem Tempo entwickeln, muss ich unbedingt noch ein paar Superlative aufbewahren, um mich dann nicht zu wiederholen. Aber heute war er klasse, besser denn je und so wird es auch dann wieder sein. Beim nächsten Mal. Davon bin ich überzeugt. Schon jetzt.

Es gibt nur einige wenige Möglichkeiten, Lebenszeit schöner zu verbringen.

Darum meine Empfehlung: Unbedingt nicht verpassen!

Text und Bilder (c) Tony Mentzel

Tony Joe Gardner
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„Ich möchte Leute hören, die sich für bestimmte Sachen interessieren, die sich die Mühe machen, Sachen zu finden, die ich vielleicht sonst nicht hören würde. Die Stücke spielen, weil sie meinen, daß andere Menschen sie einfach hören müssen.“ - Alan Bangs

"A balance between things that you know people will like and things that you think people will like." - John Peel

Angefügte Bilder:
Danny04_33.jpg   Danny03_33.jpg   Trevor01_33.jpg   Danny01_33.jpg  
Strato Offline




Beiträge: 274

28.02.2008 09:24
#2 RE: Danny Bryant, Köln im Yard Club in der Kantine am 26.02.2008 antworten

Hi Tony,
danke für den guten , ausführlichen Bericht. Am Besten hat mir diese Formulierung gefallen: "Es gibt nur einige wenige Möglichkeiten, Lebenszeit schöner zu verbringen."

Gruß
Hans

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Blues .... more than a feeling.

Blue Bayou Offline



Beiträge: 1.115

01.03.2008 13:04
#3 RE: Danny Bryant, Köln im Yard Club in der Kantine am 26.02.2008 antworten
Ein toller Bericht Tony!
Und schöne, stimmungsvolle Fotos!
Klar, jetzt bin ich natürlich riesig gespannt ( und ich bin sicher, der ein oder andere Hörer/Leser hier auch ) auf das Interview mit Danny, welches Rainer und du an diesem Abend hattet.
Ich freue mich schon jetzt auf das Danny-Bryant-Special demnächst hier im Radio und natürlich darauf, dieses Interview zu hören.

Blue Bayou
Rosie

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Wisdom is not truth. - Truth is not beauty.
Beauty is not Love. - Love is not Music.
MUSIC IS THE BEST.
(* Frank Zappa )

route61 Offline



Beiträge: 20

03.03.2008 23:48
#4 RE: Danny Bryant, Köln im Yard Club in der Kantine am 26.02.2008 antworten

Danke für den Super Bericht, Tony!

Ein paar Fotos hätte ich noch beizusteuern. Tony hat im Prinzip alles gesagt.



Lange habe ich mich auf dieses Konzert gefreut.



Und ich musste feststellen: Danny ist noch besser geworden seit letztem Jahr, als ich ihn in Kreuzweingarten erleben durfte.

Seine Frau kümmert sich um die Stimmung



der Gitarren



und Danny ist so souverän auf der Bühne, daß einem beihnahe schwindlig wird.



Die Zuhörer genießen es.



Der Bassist macht nicht immer so ein freundliches Gesicht, was er spielt ist eher unauffällig aber astrein. Offenbar dreht sich alles um Danny.



Auch der Drummer verhält sich eher unauffällig, man merkt aber den Profi, wenn man hinhört und zusieht. Spielt sich nie in den Vordergrund aber macht seine Sache ordentlich.



Und der Mann hat eine Stimme, es ist der Wahnsinn. Man könnte meinen, der ist für den Blues geboren.



Und wenn er bei seinen Soli auch noch das Wah-Wah-Pedal einsetzt, dann geht jedem Bluesrocker das Herz auf. Und das kam oft vor an diesem Abend.



Ohne Worte





Und wenn er mal sein Röhrchen nicht griffbereit hat, nimmt er einfach eine Bierflasche und slidet vom Feinsten.



Sorry Tony, manchmal sieht er doch auf die Saiten. Allerdings nicht, wenn er über dem Kopf spielt. Da habe ich leider nur gebannt zugeschaut, und das Fotografieren vergessen.



Das war ein Abend, ganz nach meinem Geschmack. Dass so wenige Leute da waren (ca. 80), war vielleicht gut für die Sicht. Langfristig kann aber diese Art von Livekultur nur überleben, wenn die Leute wieder bereit sind, Konzerte zu besuchen. Ein Organist bzw. Keyboarder wäre zum Beispiel eine echte Bereicherung gewesen. Bei 80 Zuschauern kommt aber nicht viel herum an Erlös. Da ist jeder zusätzliche Musiker ein echter Kostenfaktor.



Und eines weiß ich: Das war bestimmt nicht mein letztes Danny Bryant Konzert.

Übrigens: Ende März spielen die in Süddeutschland (z. B. Gaildorf, 30 km nördl. von Schwäbisch Gmünd).
Meine Empfehlung: Hingehen!

denn ...

man lebt nur einmal

Gardner Offline




Beiträge: 2.321

24.03.2008 17:11
#5 RE: Danny Bryant, Köln im Yard Club in der Kantine am 26.02.2008 antworten
Wer sie sehen möchte: Weitere Fotos von diesem Konzert hier:
http://www.tonyjoegardner.com/Danny_Bryant/index.html

Tony Joe Gardner
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route61 Offline



Beiträge: 20

24.03.2008 23:39
#6 RE: Danny Bryant, Köln im Yard Club in der Kantine am 26.02.2008 antworten

Sehr stimmungsvolle Bilder Tony. Könnten glatt von mir sein. Ich stand allerdings auf der anderen seite der Bühne. Der verzückt schauende Glatzkopf auf Bild 4 rechts unten, das müßte ich sein :D

Freu mich schon auf's nächste Mal.

man lebt nur einmal

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