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 Konzertberichte
Gardner Offline




Beiträge: 2.321

07.10.2010 21:12
Thorbjørn Risager am 04.10.2010 im Spirit of 66, Verviers (B) antworten

Power Trios mag ich sehr. Schon wegen der Transparenz im Sound. Doch schon beim Blick auf die noch musikerlose Bühne des Spirit of 66 fällt durch intensives Zählen und Umrechnen auf, dass wir es am heutigen Montagabend mit 2 1/3 Power Trio zu tun haben werden.

Ein veritables Septett also. So bin ich gespannt auf den Sound, denn sieben Instrumentalisten plus Gesang, die muss man klangtechnisch erst einmal bändigen.

Aber am Mischpult steht wie immer Francis Geron, der Inhaber des Spirit of 66, ein Garant für den besten Klang im Saal. Ums gleich vorweg zu nehmen: Auch eine sieben Mann starke Combo bereitet ihm keinerlei Probleme. Nichts klingt vermatscht. Alle Instrumente sind klar erkennbar.

Die Besetzung der heutigen Band: Thorbjørn Risager - voc, gtr, Emil Balsgaard – keyb, Svein Erik Martinsen – gtr, Kasper Wagner – Sax, Peter Kehl – Trompete, Søren Bøjgaard – Bass und Martin Seidelin – drums.

Gleich der erste Titel «Movin‘ On» ist richtungweisend. Das geht ab, wie die berühmte Katze von Herrn oder Frau Schmitz. Ich stehe vor einer in sich gefestigten Schallmauer, aus der bei gut dosierter Lautstärke feinster Blues an und in meine Ohren klingt.

Für mich ist es die erste persönliche Begegnung mit Thorbjørn Risager und seinen Mannen. Auch hier frage ich mich immer wieder, warum es so lange gedauert hat, diese Band einmal live zu erleben. Doch lieber spät als gar nicht. Heute haben wir zusammengefunden. Und ich spüre schon nach den ersten Akkorden des Openers, dass es wieder einmal gut war, den inneren Schweinehund mit dem Namen „Eigentlich bräuchte ich jetzt Ruhe!“, zu überwinden, mich ins Auto zu setzen und die 40km nach Verviers zu fahren.

Schlagzeuger sitzen meist im Hintergrund einer Bühne und fallen nicht besonders auf, aber eine filigrane Dampfmaschine wie Martin Seidelin ist die treibende Kraft in dieser Formation. Aber neben der Kraft, die Martin auszeichnet, hat er auch ein Feingefühl fürs Timing. Seine Fill- Ins sind bisweilen etwas überraschend, aber immer auf den Punkt.

Weniger auffällig, aber nicht minder präzise und variantenreich zupft Søren Bøjgaard seinen Harmony Bass. Mit den Beiden ist das Fundament geschaffen, auf dem die anderen fünf Musiker ihr Tun aufbauen können.

Ein Bläsersatz gibt einem Bandgefüge immer eine besondere Würze. So auch hier: Ob im rhythmischen Stakkatoeinsatz, in flächiger Untermalung oder im Solospiel, Kasper Wagner und Peter Kehl geben mit Saxofon und Trompete dem Gesamtsoundbild eigene „Kupfer-“ Färbung.



Der Keyboarder Emil Balsgaard, „From the dark side of Copenhagen…“, wie Thorbjørn Risager ihn ankündigt, spielt viel Begleitung und hat ab und zu eine Soloeinlage, die von allerbesten Spiel zeugt.

Lange habe ich keine Band mehr gesehen, die mit gleich zwei Gitarristen aufwartet. Dass dann auch noch beide „Saitenquäler“ sich in nichts nachstehen, ist mehr als lobenswert. Klar, Thorbjørn Risager ist der Chef und hat mit seiner Stimme und mit seinem Gibson ES335 Nachbau jederzeit das Heft in der Hand.

Doch es ist schön zu sehen, wie gitarristische Freiräume entstehen, die neben Thorbjørn auch von dem aus Norwegen stammenden Svein Erik Martinsen, mit seinem sehr gut klingenden Telecasternachbau für das Standardspiel und einer Gibson SG für das Slide- Spiel, genutzt werden.

Die beiden Sechssaitenspieler kommen sich weder soundmäßig noch spielerisch in die Quere – im Gegenteil, sie harmonieren perfekt. und es macht Laune, den Beiden bei ihrem Tun zuzuschauen.

Unerwähnt lassen sollte ich auch nicht das Stimmpotenzial von Thorbjørn Risager, seine kräftige, dunkle, durchsetzungsfähige Stimme passt hervorragend zu seinen Songs. Hier stehen unter anderem auf der Liste: «Burning Up», «Go Down», «Stand Beside Me» oder «Same Old Blues»

Gleich welchen Titel die Band präsentiert: Es groovt bis in die kleinen Zehen.

Das Saal ist gut, aber nicht gerade übermäßig gefüllt, doch alle hier sind gepackt von der Musik und von einer Band, die ihr Handwerk versteht.

Fazit: Wieder einmal ein Act, den man unbedingt nicht verpassen sollte. Gelegenheit dazu wird es reichlich geben, den Thorbjørn Risager und seine Truppe haben sich vorgenommen, demnächst auch vermehrt in der Bundesdeutschenrepublik zu spielen. Nix wie hin in die Konzerte!

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„Ich möchte Leute hören, die sich für bestimmte Sachen interessieren, die sich die Mühe machen, Sachen zu finden, die ich vielleicht sonst nicht hören würde. Die Stücke spielen, weil sie meinen, daß andere Menschen sie einfach hören müssen.“ - Alan Bangs
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