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 Blues Gitarristen
Bluesguitar Offline




Beiträge: 754

12.04.2010 16:59
H o w l i n´ W o l f antworten

H o w l i n´ W o l f

Bluesgitarrist – das Gitarre spielen lehrte ihn Charlie Patton.
Bluesharpspieler – diese Kunst lehrte ihn Sonny Boy Williamson II (Rice Miller)
Komponist, Bandleader, Sänger.

Howlin’ Wolf ( * 10. Juni 1910 in White Station in der Nähe von West Point, Mississippi als Chester Arthur Burnett; † 10. Januar 1976 in Chicago, Illinois) war ein US-amerikanischer Blues-Musiker.

So weit die nüchternen Fakten, aber was für ein Mann…welche Stimme…


B i g M a n, B i g V o i c e

Das Heulen des “Wolfs” war unverkennbar, es war sein Markenzeichen. Über 50 Jahre lang war es an den unterschiedlichsten Orten zu hören: Zuerst in den „Juke-Joints“ in Mississippi und Tennessee; dann drang es in die Blues-Clubs der South Side von Chicago vor, stürmte die Bühnen des American Folk Blues Festival und hallte schließlich in den Londoner Tonstudios. Die klassischen Titel „Smokestack Lightnin´“, „Killing Floor“ und Little Red Rooster hoben Howlin Wolf auf eine Ebene mit Muddy Waters. Und wie dieser sollte auch er von den 60er Jahren an einen bleibenden Einfluß auf den Rock ´n Roll ausüben.

1971 nahm Howlin´ Wolf in einem Londoner Tonstudio ein Album mit britischen Rock- und Bluesgrößen wie Eric Clapton, Stevie Winwood, Charlie Watts, Bill Wyman, Ringo Starr auf. Im Nachhinein müssen diese Sessions als das wichtigste musikalische Ereignis der damaligen Zeit angesehen werden. Das lag nicht nur daran, dass sie die authentische Chicagoer Atmosphäre der 50er Jahre rekreierten und dem Publikum einen echten Blues-Geschmack vermittelten, sondern auch daran, dass diesem Londoner Treffen eine gewisse Symbolik anhaftete.
Howlin´ Wolf war damals 61 Jahre alt. Er hatte bewiesen, dass er einer der wichtigsten Blues-Interpreten jener Generation ist, die dem legendären Delta Blues von Charley Patton und Robert Johnson eine neue Dimension gegeben hatten. Die Musiker im Londoner Studio waren fast 40 Jahre jünger und zählten zur Avantgarde der britischen Rock-Szene: Voran Eirc Clapton, Stevie Winwood als eigenständige Interpreten; Bill Wyman und Charlie Watts als die Rhythmus Power der Rolling Stones. Sie wollten den Fans, die noch in den Windeln lagen, als Muddy Waters 1948 „I Can´t Be Satisfied“ aufgenommen hatte, zeigen, dass Blues die wichtigste aller Stilrichtungen der populären Musik des 20. Jahrhunderts war und die Basis für alles bildete was sie selbst bis zu jenem Zeitpunkt zur Popmusik beigetragen hatten.
Aufnahmen wie „Wang Dang Doodle“ und „Little Red Rooster“ , die bei jener Londoner Session entstanden, sind ein Tribut dieser jungen britischen Rockmusiker: Sie standen moralisch schwer in der Schuld der schwarzen Bluesmusiker. Ohne einen Howlin´Wolf z.B., dem Veteranen des Chicago Blues, hätte es sehr wahrscheinlich keine Bands wie die Rolling Stones, Yardbirds, Animals, Pretty Things und vielleicht sogar den Beatles gegeben.

In dieser Hinsicht sind die Londoner Sessions Teil der oft diskutierten Frage der letzten 40 Jahre inwieweit Blues den Rock ´n Roll beeinflußt hat. Die einen sind der Meinung, die Rockmusiker hätten den Blues kolonialisiert, d.h. sie nutzten ihn als Quelle der Inspiration und ernteten den Ruhm für eine Musik, die nicht zu ihrem kulturellen Erbe gehörte. Die anderen wehren sich gegen diese „Verleumdung“ und führen an, dass man Rockmusikern wie Eric Clapton eher dankbar sein sollte, denn erst durch sie fand der Blues weltweite Anerkennung.

Manche Zeitgenossen sind sogar der Ansicht, dass die vornehmlich weissen britischen Bluesmusiker das kulturelle Erbe der Schwarzen ausbeuteten - und sich zu Nutzen machten.
Beispiele dafür finden wir z.b. bei Led Zeppelin die den Originalen einen neuen Anstrich verpassten, es aber nicht für nötig befanden den Komponisten beim Namen zu nennen.
Aus Willie Dixons „You need love“ wurde „Whole lotta love“ von Led Zepelin.

You need coolin', baby, I'm not foolin'
I'm gonna send ya back to schoolin'
Way down inside, honey, you need it
I'm gonna give you my love (2x) … Led Zeppelin

I ain't foolin' you need schoolin'
Baby you know you need coolin'
Baby, way down inside, woman you need love …Willie Dixon

You've been learnin' and baby, I been learnin'
All them good times, baby, baby, I've been discernin'
way, way down inside, honey, you need
I'm gonna give you my love (2x)… Led Zeppelin

You've got yearnin' and I got burnin'
Baby you look so sweet and cunning
Baby way down inside, woman you need love
Woman you need love, you've got to have some love
I'm gonna give you some love, I know you need love… Willie Dixon

Im Großen und Ganzen nutzten diese “Adaptionen” aber den schwarzen Bluesmusikern. Muddy Waters hat dieses Argument einmal auf bissige Weise entkräftet. „Ehe es die Rolling Stones gab, kannte mich niemand, und es interessierte sich auch keiner für mich. Ich spielte Platten ein, die als „Race Records“ („Rassen-Schallplatten“) d.h. Aufnahmen (für Schwarze) bezeichnet wurden. Wissen Sie, was die Eltern der weissen Kids gesagt hätten, die meine Platten kauften“. „Was ist das? Stell sofort diese Negermusik aus!“ Und dann kamen die Stones und all die anderen britischen Rockgruppen und spielten „meine“ Musik. Und jetzt kaufen die Kids tatsächlich meine Platten – und spielen sie auch.

Zurück…zu Howlin Wolf 

Die Bürger von Chicago, die schon von Muddy Waters Blues unangenehm berührt waren, hätten sich unter den Klängen von Wolfs Musik vor Verlegenheit gewunden. Denn mehr noch als Waters hielt Wolf die Erinnerung an die dunkle Seite der Stadt lebendig: an die South Side, das Ghetto der Schwarzen, die mit dem Blues des Südens aufgewachsen waren. Howlin Wolf, der selbst aus Mississippi nach Chicago gekommen war, behielt Zeit seines Lebens den Südstaaten-Akzent und – wortschatz bei. Auch in seinen Songs benutzte er häufig Themen, manchmal den genauen Wortlaut des Blues einer Zeit, die 20 – 30 Jahre zurücklag.

Doch man darf ihn keineswegs als Puristen sehen, der ausschließlich an Tradition und Vergangenheit festhielt. Zuweilen war er ausgesprochen progressiv: Über Einen Zeitraum von fünf Jahren hinweg ebnete er Wege, die selbst Muddy Waters nicht beschritt. Er verband die Elemente des Blues mit dem stampfenden Rock ´n Roll, und das in einem Alter, in dem jeder „normale“ Mensch an den Ruhestand denkt! Aber für Bluesmusiker gelten andere Maßstäbe!

Um jedoch die letzten kreativen Höhepunkte Howlin´ Wolfs zu verstehen, muß man zurück zu seinen Wurzeln….back to the Roots gehen.

Chester Arthur Burnett, wie sein Taufname lautet, kam am 10 Juni 1910 in West Point, südlich von Tupelo / Mississippi, zur Welt.
Als er 13 war, zog die Familie Richtung Westen nach Ruleville, im Mississippi Delta. Mit knapp 18 Jahren war er bereits mit Gitarre und Mundharmonika in diesem Teil des Landes unterwegs und spielte auf den Straßen oder auf Veranstaltungen in den Städten und Dörfern des Südens. Ein paar Jahre später verdient er seinen Lebensunterhalt als Landarbeiter in Arkansas, macht aber weiterhin Musik. In den 30er Jahren begegnete er den „fahrenden Musikern“ aus der Welt des Blues – wie Sonny Boy Williamson II und Robert Johnson – und gesellte sich gelegentlich zu ihnen.
Bluesman Johnny Shines hörte Wolf in jenen Tagen zum ersten Mal: „Ich verehrte ihn. Sein Stil war ganz erstaunlich. Ich konnte ihn nicht einordnen. Ich hörte ihm zu, wann immer ich konnte, bis ich endlich begriff, was Wolf mit, und aus dem Blues machte….
Ich hatte fast Angst vor ihm, d.h. ich hätte mich nie getraut, ihn anzusprechen oder ihm auf die Schulter zu klopfen. Er war mein absolutes Idol….und der Sound, den er kreiierte, der war einfach einmalig.

Wolf diente als Soldat im zweiten Weltkrieg und kehrte nach Ende des Krieges zu seinem „Landleben“ in Arkansas zurück. Doch 1948 hatte er seine eigene Band gegründet und Verbindungen zum Sender KWEM in West Memphis geknüpft. Er trat dort nicht nur als Musiker auf, sondern sprang auch als Diskjockey ein und machte Werbung. Schließlich wurde Sam Phillips von Sun Records (der Sam Phillips der u.a. auch Elvis entdeckte) auf ihn aufmerksam, mit dem Ergebnis, dass Wolf im Mai 1951 im Sun Studio seine ersten zwei Titel einspielte: „Moanin´ at Midnight“ und „How Many More Years“.

Big Chester

Phillips war total begeistert von Wolf. „Als ich ihn das erste Mal hörte, wusste ich, dass er genau die Musik machte, die ich wollte. Es war als spräche die Seele der Menschheit zu mir. Chester war etwa 1.90 Meter groß und hatte Riesenfüße, die größten, die ich je an einem Menschen gesehen hatte. Einer seiner Spitznamen war deshalb auch „Big Foot Chester“. Er saß gewöhnlich mit weit aufgespreizten Beinen da und spielte nichts als seine Mundharmonika…. Sam Phillips merkte damals an… „Auch heute noch wäre Chester Burnett in meinem Studio die größte Show überhaupt“. „Was gäbe ich darum, noch einmal diese Leidenschaft zu sehen und zu spüren, wenn er sang!“ „Seine Augen glänzten und am Hals pulsierten die Adern“. „ Chester ging völlig in seiner Musik auf“. „Er sang mit seiner Seele“.

Diese Leidenschaft bekam auch Eric Clapton während der London-Sessions zu spüren.
„Da stand er nun dieser riesenhafte Mann und riss an meinem linken Arm als ich „Little Red Rooster“ ….nicht zu Wolf´s Zufriedenheit spielte.“ „Er war wütend…richtig wütend“.

Die Begleitmusiker bei Wolfs Memphis Aufnahmen 1951 und 1952 setzten sich normalerweise aus der Stammbesetzung der Band zusammen: Willie Johnson (Gitarre), Albert Williamson (Klavier) und Willie Steel (Drums). Wenn Ike Turner die Aufnahmen leitete, spielte er fast immer auch Klavier. Die schnell eingespielten Aufnahmen strotzen nur so vor Energie. Wolfs Mundharmonika schneidet messerscharf in die Melodien ein, und Johnsons Gitarre ist nicht minder markant.

In den 50er Jahren waren Howlin´ Wolf und Muddy Waters wohl die gefragtesten Bluesmusiker in den Clubs und bei Chess Records, obwohl sie ganz verschiedenen Blues spielten. Wolf hielt seinen Wurzeln – dem Südstaaten Blues – die Treue, Waters war „progressiver“ und flexibler.

Willie Dixon, der auf die Aufnahmesessions von beiden großen Einfluß hatte, sah anfangs in Waters den geeigneteren Interpreten für seine neuen Nummern wie „Hoochie Coochie Man“ und „I Just Wanna Make Love To You“. „Muddy“, sagte Dixon, „kannst du jeden Songtext geben, er lernt schnell. Dem „Wolf“ darf man nicht zu viel Text geben, der bringt die Wörter durcheinander. Und wenn er sie in der richtigen Reihenfolge singt, dann hat er die Bedeutung verdreht“. Wolf erhielt also das Image des konventionellen Bluesman aus dem Süden, der sich am besten in der Provinz auskennt. So wie es für Waters ein Ding der Unmöglichkeit gewesen wäre, war es für Wolf das Natürlichste der Welt, eine Neuauflage von „The Natchez Burning“ zu machen, der Story einer 15 Jahre zurückliegenden Tragödie in Mississippi; oder einen Song einzuspielen wie „Smokestack Lightnin´“ der tief mit dem traditionellen Blues verwurzelt war.

„Smokestack Lightnin´“ wurde 1956 mit Begleitmusikern aufgenommen, die zumindest im Studio, mehrere Jahre lang Wolfs Stammband bildeten: Hosea Lee Kennard (Piano), Willie Johnson und Hubert Sumlin (Guit), Willie Dixon (Bass), und Earl Phillips (drums). Johnson verließ die Band Ende des Jahres, und S.P. Leary löste manchmal Phillips am Schlagzeug ab. Hauptsächlich Kennard und Sumlin trugen zu dem eigenständigen Charakter der Aufnahmen Wolfs aus den 50er Jahren bei: ausdrucksstark, manchmal fast schwerfällig, untermalt von Sumlins Gitarre, die sich perfekt den Heultönen der rauen und leidenschaftlichen Stimme Howlin´ Wolf´s anpasste.

Während der 50er und 60er Jahre gehörte Wolf zu den meistgefragten Künstlern der Chicagoer Clubs – wie z.B. dem 708 Club oder Sylvio´s Lounge. Im Chess Studio war er ein regelmäßiger Gast. Wolf´s Platten waren immer schon von rasanter Geschwindigkeit, doch sie drehten sich ab etwa 1959 noch schneller, als er Titel einspielte – teils eigene – teils Willie Dixon´s – die sich an das Tempo des Rock ´n Roll hielten: „Howlin For My Baby“ , „Wang Dang Doodle“, oder „Shake für Me“. Die Begleitmusiker, darunter erstklassige Pianisten wie Otis Spann und Johnny Jones, legten schiere Power an den Tag.

Endlich erhielt Wolf auch die Anerkennung in den restlichen USA sowie in Europa. In den 60er und Anfang der 70er Jahre verließ er das heimatliche Chicago häufig, um auf Folk Festivals oder College-Veranstaltungen aufzutreten. Wie Muddy Waters und andere Musiker unter Vertrag bei Chess, bekam auch Wolf die sinkenden Verkaufszahlen zu spüren, und im Gegensatz zu Waters wurden ihm seine Alben nicht wirklich gerecht.
Zu den Ausnahmen gehören, The London Sessions 1970, und Live and Cookin´at Alice´s Revisted 1972, eine Clubaufnahme aus Chicago. The Back Door Wolf 1973, war seine letzte LP – und ein ehrenhafter Abschied.

Krankheit

1975 war Howlin´ Wolf ausgelaugt und krank. Anfang der 70er Jahre hatte er mehrere Herzinfarkte erlitten, und jetzt hatte der Krebs zugeschlagen. In seinem Club spielte meist nur noch die Begleitband. Zum Jahresende verschlimmerte sich sein Zustand und er wurde ins Krankenhaus eingeliefert. Er starb am 10 Januar 1976.

Fünf Jahre zuvor hatte der Journalist Peter Guralnick geschrieben: „Howlin´ Wolf passt kaum noch in unsere heutige Welt. Er hat eine zu große Persönlichkeit, um die Gunst des Publikums zu halten, und er war anscheinend nicht flexibel genug, um sich zu ändern“.
Guralnick kommentierte auch Wolfs Bühnengehabe.: „Er sprang in die Luft, kugelte sich auf dem Boden, klemmte sich das Mikrophon zwischen die Beine…Der Wolf ist immer er selbst – vulgär, jedoch überzeugend, so wie James Brown.

Weg von der Bühne war Howlin´ Wolf ein stiller, ja manchmal sogar schwermütiger Mensch. Aber auf der Bühne war er wie verwandelt. Rampenlicht und Publikum machten ihn überschwänglich, wie er es selbst bestätigte: „Gäbe es die Zuschauer nicht, gäbe es auch keinen Wolf“ !

Sein „heulen“ wird nie verstummen… Howlin´ Wolf …. A GREAT BLUESMAN !


Mit Gruß & Blues,

P e t e r


Quellverzeichnis: The Blues Collection / Orbis Publishing / Wikipedia

´cause I´m a Bluesman - but a good man -
understand ?

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