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Dieses Thema hat 1 Antworten
und wurde 1.005 mal aufgerufen
 Jazz Corner
Volker (SR) ( gelöscht )
Beiträge:

23.01.2010 15:52
zum 100sten Geburtstag von Django Reinhardt antworten

Am 23. Januar 2010 wäre Django Reinhardt 100 Jahre alt geworden

Die Manouche-Familie, in die Django Reinhardt am 23. Januar 1910 geboren wurde, zählt zu einer Untergruppe der Sinti. Seine Eltern waren Komödianten, die jahrelang durch Belgien reisten, bis sie sich mit ihrem Wohnwagen in Paris niederließen. Schon früh spielte er Geige, Banjo und Gitarre. Doch ein jäher Schicksalsschlag sollte dem fast das Ende bereiten: Als der Wohnwagen seiner Familie 1928 ausbrannte, erlitt Django so schwere Verletzungen, dass er danach den Ringfinger und den kleinen Finger seiner linken Hand kaum mehr bewegen konnte. Akkorde konnte er nun nicht mehr greifen, daraufhin entwickelte er eine eigene Gitarrentechnik, die als „Single-Note-Spiel“ Geschichte machen sollte. Mit unglaublicher Schnelligkeit konnte er mit zwei Fingern über das gesamte Griffbrett verfügen – in einer Zeit, als die meisten amerikanischen Swing-Gitarristen noch für Rhythmen und Akkorde zuständig waren, nahm Reinhard die Rolle des Solisten ein und füllte sie aus.

Mit dem Geiger Stéphane Grappelli gründete er 1934 ein Quintett, das schon bald zur Hausband eines noch jungen Jazzclubs wurde und als Quintette Du Hot Club De France einen legendären Ruf erwerben sollte. Der Hot Club war einen Vereinigung von Jazz-Fans und -Musikern mit einer eigenen Zeitschrift und einer Band, die die Mission des Clubs musikalisch ausdrückte: Swing. Als nach dem 2. Weltkrieg der Bebop Paris erreichte, wollte der Hot Club nicht folgen. Man verteidigte nun die reinen Werte des Jazz gegen die jungen Wilden mit ihren abenteuerlich schnellen Improvisationen und immer höheren Tönen – und einer Musik, zu der immer weniger Leute tanzen konnten. Bis auf die Entdeckung der elektrischen Gitarre und den Bebop war Reinhardts New-York-Reise 1946 ein Misserfolg, er konnte sich kaum verständigen und fühlte sich von den Kritikern schlecht behandelt. Zurück in Paris versuchte er die modernen Klänge in sein Spiel zu integrieren. Doch mangelte es noch an kompetente Mitmusikern. 1948 verschwand Reinhardt weitgehend von der Szene, er verkaufte seine Pariser Wohnung und lebte wieder in einem Wohnwagen.
Um so größer war das Erstaunen, als er 1951 mit einer jungen Bebop-Gruppe im Pariser Jazz-Club St-Germai“ auftrat. Endlich hatte er die Band, von der er schon in New York geträumt hatte. Als Reinhardts Jazz-Karriere begann, hatte er die Trompeten-Soli eines Louis Armstrong auf die Gitarre übertragen. Jetzt spielte er im Stile Charlie Parkers. Reinhardt liebte Billard und das Glücksspiel und ging gerne mit Freunden aus seiner Manouche-Community fischen. Mit 43 Jahren starb er an den Folgen eines Schlaganfalls, kurz zuvor hatte er die Jazz-Moderne erreicht.

Anlässlich seines 100. Geburtstags gibt es auch eine große SWR2-Kulturnacht mit Konzerten, Lesungen, Diskussionen und Hörspiel. Sie wird am Freitag, 22. Januar, in Kooperation mit dem Karlstorbahnhof Heidelberg und dem Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma im Karlstorbahnhof vor Publikum aufgezeichnet und am 23. Januar gesendet (jeweils ab 20 Uhr).


CDs und Bücher
Er ist der einzige europäische Jazzkünstler, den die Amerikaner je am imaginären Tisch der großen Erfinder akzeptiert haben. Durch seinen einzigartigen Gitarren-Stil machte er den „Jazz Manouche“ weltweit bekannt. Auch an seinem 100. Geburtstag ist Django Reinhardt nicht vergessen: Gerade sind die 25-CD-Box „Manoir De Ses Reves“ (Le Chant Du Monde/Harmonia Mundi) und das 5-CD-Set „Rétrospective“ (Saga/Universal) erschienen, beide mit sorgsam kommentierten Büchern zu dem Protagonisten des Gipsy-Swing ausgestattet. Bei Trikont ist zudem die CD-Compilation „Django's Spirit - A Tribute To Django Reinhardt“ von Susie Reinhardt erschienen.

Das Buch „Jazz Et Société Sous L'Occupation“ von Gérard Régnier untersucht den Jazz im besetzten Frankreich, ein Kapitel ist dem „Fall Django Reinhardt" gewidmet. Darin geht es um die Problematik, dass die Nazis zwar die „Zigeuner“ in ihr Vernichtungs-Programm integrierten und Hunderttausende ermordeten, Django Reinhardt bei Wehrmachtsoffizieren jedoch beliebt gewesen sein soll. Einer Deutschlandtournee hatte sich Reinhardt aus guten Gründen verweigert. Die Flucht über die Schweizer Grenze gelang ihm 1943 jedoch nicht, weil er weder Jude war noch zu den politisch Verfolgten zählte. Das Buch (ISBN: 978-2-296-10134-0) ist im Verlag L'Harmattan erschienen und kostet 28 Euro. Auch an die Fans analytischer Spekulationen und Solotranskriptionen hat man gedacht: Die musikwissenschaftliche Dissertation von Benjamin Givan „The Music of Django Reinhardt“ (ISBN: 978-0-472-03408-6) von Be njamin Givan ist bei University Of Michigan Press erschienen und kostet 29,95 US-Dollar.


Quelle: JazzThing Newsletter vom 21. Januar 2010 ( http://www.jazzthing.de/ )

Volker (SR) ( gelöscht )
Beiträge:

03.02.2010 12:31
#2 RE: zum 100sten Geburtstag von Django Reinhardt antworten

... und hier noch ein Spiegel-Artikel zum Thema Django Reinhardt:

http://www.spiegel.de/kultur/musik/0,1518,673164,00.html

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