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Dieses Thema hat 3 Antworten
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 Blues Gitarristen
Bluesguitar Offline




Beiträge: 754

13.12.2009 20:24
B. B. K i n g antworten

B.B. King – King of The Blues !

Um des Phänomens B. B. King gerecht zu werden müßte man Bücher schreiben, und das würde den Rahmen dieser Rubrik bei weitem sprengen. Dennoch wage ich mich an dieses komplexe Thema heran um zumindest die wichtigsten Eigenschaften dieses Ausnahmekünstlers etwas zu beleuchten, wobei ich selbstverständlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebe und auch Literatur aus der u.g. Quellenangabe verwende.

B.B. King ist einer der bedeutendsten kreativen Interpreten des modernen Blues – wenn nicht der größte (für mich schon) überhaupt. Mit seinem unerschöpflichen musikalischen Talent hat er die Welt des traditionellen Blues weit hinter sich gelassen und sich den Herausforderungen des Rock, Soul und Jazz gestellt. Auch hier glänzt er durch beispielloses Können und absolute Souveränität. Er ist der unbestrittene König der Bluesgitarre, und seinem Einfluß konnte und kann sich kaum ein Gitarrist nach ihm entziehen.

Im Blues gibt es nur wenige Erfolgsstorys. Natürlich wurden manche fast abgöttisch geliebt und verehrt wie etwa Muddy Waters, Howlin Wolf oder John Lee Hooker. Sie alle hatten Erfolg, aber der war zumeist zeitlich sowie geographisch und finanziell begrenzt.

Wenn wir die Laufbahn B.B. Kings betrachten, haben wir es mit einer völlig anderen Art von Erfolgsstory zu tun. Riley B. Kings Leben begann auf der untersten Sprosse der Leiter. Er wurden am 16ten September 1925 in Itta Bena/Mississippi geboren und wuchs in der Zeit der Wirtschaftskrise „Great Depression“ der 30er Jahre auf. Von dort unten hat er größere Höhen erklommen als jeder andere Blueskünstler, ja praktisch als jeder andere schwarze Künstler im Bereich der Musik. Ohne die Musik hätte er sein Leben wohl wie viele seiner Altersgenossen als Landarbeiter verbracht, in einem sozialen System, das Armen keine Chancen gab, der Armut zu entkommen. Kings Mischung aus Talent, Sturheit und Persönlichkeit und vor allem seine Fähigkeit, fremde Einflüsse aufzunehmen und zu verarbeiten, brachten ihn letztendlich an die Spitze.

Mit sieben oder acht Jahren begegnete er seinem Schicksal. Der Gitarre !
Ein ortsansässiger Prediger, Archie Fair, der mit Riley´s Onkel verwandt war, kam öfter zu Besuch. „Dann legte er seine Gitarre auf´s Bett“, erinnerte sich King viele Jahre später, „und ich habe mich hingeschlichen und darauf gespielt“. Einmal hat er mich erwischt und statt zu schimpfen hat er mir ein paar Akkorde beigebracht. C, F und G. So fings an.

Kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zog er nach Memphis, wo er zunächst bei seinem Cousin – dem Bluessänger und Gitarristen „Bukka White“ unterkam. Mit der Hilfe von Sonny Boy Williamson II. gelang es ihm, als Gitarrist in einem Cafe´ unterzukommen. Dazu kam ein täglicher zehnminütiger Spot bei WDIA, einem der ersten schwarzen Radiosender. Schon bald spielte er nicht nur seine eigene Musik, sondern auch die anderer, nämlich als „DJ“ im Sepia Swing Club. Dieser Job war ihm wie auf den Leib geschrieben. Etwa zu dieser Zeit legte er sich auch den Namen „The Beale Street Blues Boy“ zu, was bald zu „Blues Boy“ King wurde und kurze Zeit später zu B.B.

1950 begann Kings langjährige Zusammenarbeit mit den Brüdern Bihari, und 1952 landete er seinen ersten Hit auf ihrem Label RPM mit dem dramatischen Titel „Three O´Clock Blues“, der 15 Wochen lang auf Platz Eins der nationalen R&B Charts blieb. Im gleichen Jahr gelangte auch „You didn´t Want Me“, „Darling, You Know I Love You“, in R&B Top Ten, ebenso „Woke up this Morning“, und „Please Love Me“, (beide 1953) “You Upset Me Baby”, 1954 “Sweet little Angel”, 1956, “Please Accept My Love”, 1958 und “Sweet Sixteen” 1960. Im Laufe dieser zehn Jahre entwickelte er seinen Gesangs- und einzigartigen Gitarrenstil, der viele Einflüsse aufwies und doch eine durch sein unnachahmliches Vibrato höchst persönliche Ausdrucksform darstellte.

B.B. got a Vibrato – You could die for….so Eric Clapton.

Doch eine Aufzählung von Hits gibt keinen Einblick in den Alltag eines Musikers. Dafür muß man schon andere Statistiken heranziehen – etwa die erstaunliche Tatsache, dass King 1956 sage und schreibe 342 !!! „One Night Stands spielte. Einen bis heute ungebrochenen Weltrekord.
Bei einer der langen Autofahrten von Gig zu Gig verlor er bei einem Unfall fast einen Arm. „Eine Zeitlang dachte ich, ich würde der erste einarmige Bluesgitarrist werden witzelte er später. „Aber sie haben ihn mir mit 156 Stichen genäht, und am Abend bin ich aufgestanden, aus dem Krankenhaus spaziert und habe mein Gastspiel gegeben. Die ganzen fünfziger Jahre hindurch war er ständig unterwegs, verbrachte die Tage im Bus und die Nächte auf der Bühne.
Der Wechsel zu ABC Records 1962 brachte zunächst keine große Veränderung mit.
Im November des Jahres 1964 kam das Album „Live at the Regal“ heraus, das im gleichnamigen Chicagoer Blues Club eingespielt wurde und vermutlich immer noch die mitreißendste Live-LP ist, die ein Bluesmusiker je gemacht hat. Zu dieser Zeit (1969) lief in B.B.´s Karriere alles wie am Schnürchen. Er erschien in TV-Werbespots und machte Film – Soundtracks, und er hatte einen Management-Vertrag mit dem New Yorker Showbiz-Finanzberater – Sidney A. Seidenberg unterzeichnet. Seidenberg sollte in den siebziger- und achtziger Jahren einen außergewöhnlich starken Einfluß´auf die Karriere Kings ausüben.

Am wichtigsten war, dass das neu erwachte Interesse des weißen Amerika am Blues den Musiker King auf völlig neue Bühnen katapultierte – zum Beispiel auf die des Fillmore East in New York oder des Fillmore West in San Francisco. Dort trat B.B. mit Größen wie Johnny Winter oder Mike Bloomfield auf, die ihn dem Publikum als „den größten lebenden Bluesgitarristen“ vorstellten. Auf sein Song Repertoire war beachtlich. Neben alten Publikumsrennern wie „Sweet little Angel“ und „Sweet Sixteen“ kamen als Gegengewicht auch starke neue Songs zum Zug etwa „Paying the Cost to bet he Boss“, „Dont Answer the Door“ und Why I sing the Blues. Die meisten davon hatte King selbst geschrieben oder zumindest seine Hand dabei im Spiel gehabt. Aber der Song, der zum Wendepunkt werden sollte, stammte von einem anderen.

„The Thrill Is Gone“ aus dem Album Completely Well war ein Slow Blues in H-Moll, der fast 20 Jahre zuvor von einem damals unbekannten Sänger der West Coast, Roy Hawkins eingespielt worden war. B.B. brachte keine Neuauflage dieses Songs heraus, sondern gab ihm durch sein gefühlvolles Gitarrespiel und seinem ausdrucksstarken Gesang ein völlig anderes Gewand. In der R&B Chart kletterte er auf die oberen Plätze, und dann wurde ihm ein Erfolg zuteil, den seit Jahren kein Bluessänger geschafft hatte. „The Thrill Is Gone“ landete tatsächlich in den Top 20 der Pop – Charts.
Anfang der siebziger Jahre hatte es B.B. zweifellos geschafft. Kühn wagte er sich auf Blues – Neuland und trat im Mekka des Showbiz, im Ceasars Palace in Las Vegas auf, wo er ein begeistertes Publikum von den Sitzen riß.

BB´s Ziel, so sein Manager Seidenberg, „war schon immer, ein amerikanischer Botschafter des Blues zu sein, so wie es Louis Armstrong und Frank Sinatra für den Jazz waren. Aber auch für seine Heimat hatte B.B. eine Botschaft, nämlich die, dass auch Schwarze es im Musik-Establishment zu etwas bringen können.

Die Faszination von Lucille

Es klingt wie eine Filmszene aus den Tagen des Wilden Westens: Eine Bar in Arkansas, eine Frau mit Namen Lucille, eine Schlägerei – und Bluesman B.B. King übernimmt die Rolle von John Wayne. Seither, seit knapp sechzig Jahren nennt B.B. jede seiner Gitarren „Lucille“ – zur Erinnerung an eine Auseinandersetzung, die ihm beinahe das Leben gekostet hätte.

B.B. hat diese Geschichte schon oft erzählt. Die folgende berichtete er 1969 dem Journalisten vom Londoner Evening Standard: „Ich spielte damals in einem Juke Joint in Arkansas. Twist hieß der Ort und es war etwa 1949. Zwei Männer gerieten sich in die Haare, der eine von ihnen stieß dabei eine Blechtonne mit Kerosin um, und in kürzester Zeit brannte der ganze Schuppen lichterloh. Natürlich stürzten alle sofort in´s Freie, und ich auch, aber kaum war ich draußen, da fiel mir ein, dass ich meine Gitarre dringelassen hatte. Also rannte ich wieder rein um sie zu holen, und kaum war ich wieder draußen in Sicherheit, da stürzte das ganze Dach ein.
Am nächsten Tag wurde bekannt, dass bei dem Brand zwei Männer um´s Leben gekommen waren, und das der Grund für den Streit eine Frau namens Lucille gewesen war. Deshalb habe ich meine Gitarre Lucille genannt – um mich immer daran zu erinnern, dass ich nie mehr eine solche Dummheit begehe wie damals“. Aber es ranken sich noch mehr Geschichten um „Lucille“. Hat mir praktisch zwei- oder dreimal das Leben gerettet, erinnerte sich B.B. während einer Aufnahmesession 1967 – z.B., als sie ihn bei einem Autounfall davor bewahrte, erdrückt zu werden.

B.B. Kings zahlreiche Ehrungen, sein eigenes Museum, seine Blues Clubs sind Ergebnis seiner unvergleichlichen Karriere. Ihm ist sehr wohl bewusst, w0 seine Wurzeln liegen, und wie er es geschafft hat ganz nach oben zu kommen. Dieser Weg ist von Meilensteinen des Blues gesäumt. An B.B. ist alles echt: Ob Freude oder Trauer, Liebe oder Liebeskummer – er hat alles am eigenen Leib erfahren. Wenn er in seiner Musik davon erzählt, dann geht es einfach unter die Haut.

Long live the King of Blues – Riley B. King, Beale Street Blues Boy oder ganz einfach B.B. King.

Mit Gruß & Blues,

P e t e r




Quellverzeichnis: The Blues Collection – Orbis Publishing, Wikipedia

´cause I´m a Bluesman - but a good man -
understand ?

Blue Bayou Offline



Beiträge: 1.115

19.01.2010 17:44
#2 RE: B. B. K i n g antworten

B.B. King trat 1973 in mein musikalisches Leben.
Und zwar mittels einer Langspielplatte, betitelt „Just Blues“, herausgegeben von der Zeitschrift „HÖR ZU“, die ich mir für damals taschengeldkompatible 10 Mark zulegte.
Jimmy Reed ist darauf zu hören, Otis Spann, John Lee Hooker, die Dirty Blues Band und eben B.B. King.
Drei famose Tracks gibt es hier vom großartigen B.B. King.
Gleich zu Beginn auf Seite 1 „Blind Love“, dann noch „Paying the Cost To Be The Boss“ und auf Seite 2 „Don`t Answer The Door“.
B.B. King fand damit ohne Umschweife den direkten Weg in mein Herz.
Und dort befindet er sich bis heute.

Blue Bayou
Rosie

Rosie`s website:
http://www.roswithageisler.wordpress.com

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(* Frank Zappa )

Angefügte Bilder:
IMG_3753.JPG   IMG_3754.JPG  
Blue Bayou Offline



Beiträge: 1.115

20.05.2010 15:56
#3 RE: B. B. K i n g antworten

Und wer sich jetzt gern mal B.B. King mit seinem großartigen Song "Blues Boys Tune" ansehen und anhören möchte, der kann dann mal zu unserer Rubrik "Blues über Blues" klicken:

Bitte hier:

B. B. King

Blue Bayou
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(* Frank Zappa )

pavelk Offline



Beiträge: 52

16.06.2010 09:52
#4 RE: B. B. K i n g antworten

Von dem kürzlich erstandenen Buch "Ein Leben mit dem Blues: Die Autobiographie" von B.B. King war ich leider enttäuscht. B.B. King als einer der Größten hätte eine stilistisch bessere, nicht so voyeuristische, biedere Auto verdient. Schade. Hier wurde eine Möglichkeit verschenkt.
Greetz aus Kölle
von Pavel K.

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