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 JJBR im Gespräch mit...
HRVolker Offline




Beiträge: 727

29.11.2009 18:27
Klaus " Mojo " Kilian - Sänger, Harpspieler und Gitarrist der Matchbox Bluesband antworten

Tach zusammen,

gestern am 28.11.09 gab es die Gelegenheit, Klaus Kilian von der Matchbox Bluesband ein paar Fragen vor dem Konzert im Kulturzentrum Sinsteden zu stellen!

Hallo Klaus,
erzähl uns bitte was über die Matchbox Bluesband.


Vor zwei Jahren habe ich die Geschichte der Band noch mal aus Anlaß unseres 25 jährigen Bestehens, das wir schön gefeiert haben, recherchiert und die ganzen alten Besetzungen zusammengetrommelt, die Bandgründung geschah auf Initiative des Schlagzeugers Horst Kehrer, inzwischen leider verstorben, der mit der Barrelhouse Jazzband in Frankfurt zusammenspielte, er wollte auf Blues umsteigen und hat mich kontaktiert, der Name der Band sollte Hot Matches lauten und er hatte auch schon ein Bandplakat entworfen, ich sagte ihm dazu, der Name klingt zu sehr nach Nordic Jazz, das Wort Bluesband sollte schon im Namen enthalten sein, damit die Leute wissen, was sie stilistisch erwartet, ich schlug Matchbox Bluesband vor, das passte auch zum Plakatlayout mit der Gitarre, die in einer Streichholzschachtel lag, konnte wir also weiterverwenden und der Matchbox Blues, ein Klassiker des Blues von Blind Lemon Jefferson, das passte gut zusammen, das war im Herbst 1982!
Es ging bescheiden los und Mitte der 80er, so ab 1986,87 ging es dann bergauf, wir besaßen ein sehr gutes Line Up, es bestand aus einigen Musiker der ersten Frankfurt City Bluesband, diese Band war in Frankfurt sowas wie das Dritte Ohr im Norden, deutsches Bluesurgestein, ab Anfang der 70er Jahre, der Sänger der City Bluesband modernisierte die Musik der Band permanent und die Musiker, die das nicht mitmachten, kamen zur Matchbox Bluesband, u.a. der Gitarrist Manfred Häder, Bernhard Dill, der Harmonikaspieler, der bei uns ans Saxophon wechselte, Georg Viel, der Schlagzeuger, der Senior der Gruppe, der heute noch in unserer Band dabei ist, diese Besetzung hielt leider nur zwei Jahre, Manfred und unser Bassist wollten lieber was anderes machen, dafür kam der Gitarrist Bernd Simon in die Band, das hat sofort super geklappt mit uns beiden, das haut hin, das passt, wir zwei machen ja auch das Duo Downhome Percolators, seit 1991 also eine stabile Besetzung der Band mit mir, Bernd und Georg, nur die Bassisten wechselten, heute dabei Matthias Oberländer, der früher bei der Hoochie Coochie Blues Band aus Hanau die Saiten spielte, eine Institution in Sachen Blues in der Gegend, die Band gibts leider nicht mehr!
Matthias ist mehr als ein Aushilfsbassist, er teilt sich den Job mit Wolfgang Lieberwirth, der ist ein phantastischer Kontrabassist, aber er ist auch Kunstmaler, er begibt sich im Frühjahr und im Herbst in wärmere Gefilde und malt in Portugal und Mallorca Landschaften und ist eben ein paar Monate im Jahr nicht verfügbar, wir haben praktisch zwei Bassisten.

Auf eurer Webseite ist noch die Bassistin Heike Busche abgebildet und in der Band, spielt sie ab und zu auch noch mit euch?

Ganz selten, sie war zwei Jahre in der Band, zu der Zeit, als die Webseite gerade gemacht wurde, das haben wir im gegenseitigen Einvernehmen auch noch nicht geändert, weil die Veränderung der Webseite ein ziemlicher Aufwand ist, weil das grafisch aufeinander abgestimmt ist mit den Photos, hat viel Spaß gemacht, mit ihr zusammen in der Band, aber auf die Dauer dann sehr weit auseinander, sie wohnt in Hildesheim und Hildesheim – Frankfurt ist eine ganz schöne Entfernung, wir machen halt viel im Raum Frankfurt, auch Auftritte, die nicht so lukrativ sind, es ist eher aber ein Zeitproblem für sie.
Im letzten Jahr hat sie nochmal ausgeholfen, ich muß sie mal wieder anrufen!

Wie hast du den Blues bekommen?

Als ich anfing mich mit Musik zu beschäftigen durchs Radiohören, so mit 13/14 Jahren, da hab ich mich zuerst für 50er Jahre Rock`n Roll begeistert, bin quasi durch Chuck Berry zum Blues gekommen, immer noch einer meiner absoluten Favoriten, phantastischer Komponist und Musiker und Texter.
Interessant ist auch noch, wenn ich mir Kassetten anhöre, die ich in der Zeit mit dem Kassettenrecorder meiner älteren Schwester aufgenommen habe, da ist Country dabei, Hardrock dabei, aber mehr so bluesige Sachen, so wie Led Zeppelin oder Status Quo, deren erste Platte ja sehr bluesig ist, bluesiger als mancher Bluesrock, den man heutzutage hört, aber das Schlüsselerlebnis war der Kauf einer Platte von den Animals, Eric Burdon kannte ich, mochte ich, war billig die Platte, und da war Sonny Boy Williamson mit dabei, Sonny Boy Nummer Zwei, was in einem damaligen Ankündigungsartikel der FAZ wunderbar verwechselt wurde, der ist zum Kaputtlachen, da stand über mich, ich hätte mit Sonny Boy Williamson angefangen, der leider in den 40er Jahren ermordet wurde, die haben den verwechselt mit dem ersten Sonny Boy, John Lee " Sonny Boy " Williamson, die Animals haben ja nicht in den 40er Jahren mit Sonny Boy Aufnahmen gemacht, es ging um Rice Miller alias Sonny Boy Williamson II, das war wie der berühmte Holzhammerschlag für mich, auf dieser Platte sind zwei Soloharmonikastücke drauf, das ist es doch mal, ich hab mir also eine Mundharmonika gekauft und halt probiert und so kam es dann zum aktiven Musizieren, es war ein langer Prozess, es gab ja keine Lehrbücher, ich kannte auch niemanden, der mir das zeigte und irgendwann hatte ich den Bogen raus!
Und beim Harmonikakauf hab ich das Glück gehabt, ich ging in einen Musikladen in Frankfurt und sagte dem Verkäufer, ich hab hier eine Platte von Sonny Boy Williamson und so eine Mundharmonika möchte ich haben, und er gab mir die richtige, große Marinebandharmonika, die Sonny Boy spielte, das muss der gewusst haben, da hab ich schon mal Glück gehabt!

Du bist ein Sammler von Bluesplatten und hast etliches gesucht und gefunden…

Seit 1976 suche ich bewusst Sachen aus dem Blues, kaufe Platten, das ist eine Leidenschaft von mir, da bin ich mittlerweile im LP Bereich des schwarzen Blues ziemlich komplett, bei 78ern und 45ern ist das Feld zu groß, da wirst du nie komplett, da gibt’s soviel Zeug, es gibt da ein paar Megasammler in den USA, die haben fast alles zusammen, aber dazu fehlt mir natürlich auch das nötige Kleingeld, ich sammle aber auch sehr viel Jazz, Souljazz höre ich sehr gerne, was ich vorhin über den Blues gesagt habe, kann ich auch über den Jazz sagen, so eine Aufnahme von Art Blakey zum Beispiel kann mich unheimlich begeistern, wirste auch nachher hören, wir fangen mit einer Aufnahme von Kenny Burell, Chitlins Con Carnes, an, das ist so ein Bereich, der mich interessiert, wenn du dich z.B.mit dem Bluesgitarristen Rusty Zinn oder anderen unterhältst, die fahren da alle drauf ab, das ist so bluesig, vom Gefühl her so ähnlich, nur das die Jazzer ein bisschen elaborierter ( sorgfältig ausgeführt ) spielen, weil es mehr Akkorde sind.

Die Bluesszene in Deutschland….


Schön, dass es sie noch gibt!
Meine Erfahrung ist, ich mach jetzt seit dreißig Jahren Musik, das es die Szene immer gab, immer aktiv war, ich sehe das als eine Nischenmusik, das war auch immer so und wird’s auch bleiben, da gibt’s mal so ein paar Ausreisser wie B.B. & The Blues Shacks, die völlig zu recht populär sind und ihr Publikum haben, das ist klasse wie die das machen, sowohl musikalisch als auch organisatorisch und kommerziell, es gibt Bands wie die Blues Company, die immer auf hohem Niveau gearbeitet haben und wenn man ein gutes Konzept hat und das gut verkauft gibt’s dafür auch ein Publikum, das Problem ist halt wirklich, die Unterstützung von den Medien ist gleich Null, also was mich sehr sehr enttäuscht hat war, als wir vor zwei Jahren 25 jähriges Jubiläum mit der Band feierten, wir hatten für die Presse und für den Hessischen Rundfunk ein Pressepaket gemacht, es wurden alle angeschrieben und angemailt, alle drei Tageszeitungen in Frankfurt, es wurde völlig ignoriert, es hat sich überhaupt keiner gerührt, das mal einer gefragt hätte, ich bin ja beruflich in der Werbung tätig als Lektor, ich weiß ja ungefähr, was da gemacht wird, ein Call & Response Element war dabei, sie brauchten nur ein Fax zurückschicken, sie wären auf die Gästeliste erschienen, Interviews gegeben, Reaktion Null, völlig ignoriert.
Das ist ein gutes Beispiel dafür, als wir mit dem Duo Downhome Percolators den Vierteljahrespreis der deutschen Schallplattenkritik erhielten, ist ja ein Aufhänger, wieder das gleiche Schauspiel, nichts, null!
Das interessiert nicht!
Frankfurter Bluesband, völlig egal.
Auf der anderen Seite spielste, wenn mal eine Veranstaltung ist, z.B. einmal im Jahr ist im Frankfurter Palmgarten ein Bluesfest, das einzige im ganzen Jahr in Frankfurt, da ist die Hütte rammelvoll, die Leute sind begeistert, also, es ist schwierig, aber der Kollege von Blues Blend, Henning Eichler, arbeitet ja beim Hessischen Rundfunk und sagt, es ist halt so, es ist in den Medien fast nicht existent, deshalb wird das immer so eine Nischenmusik bleiben.
Und ich hab zum Glück nie versucht, davon zu leben, von der Musik, ich ziehe den Hut vor allen, die das machen und auch entsprechend ihren Lebensstandard herunterschrauben, es wäre aber auch wesentlich einfacher und auch besser, wenn mehr Unterstützung für die Szene da wäre. Die Blues News kann leider auch nicht viel tun um die Szene zu aktivieren, die Szene aktivieren können Kulturämter, so wie hier in Sinsteden, wo solche Veranstaltungen gesponsert werden, wo du eine Location hast, in der Blues gespielt wird, aber auch nur auf die Initiative des Ehepaars Weidenhaupt, die das hier machen und sich die Hacken ablaufen, das sie ein paar Mark dafür kriegen, genauso ist es in anderen Bereichen, in den Jazzinitiativen, wo wir schon mal spielen, wenn da was gemacht wird auf lokaler Basis dann passiert auch was, oder wie die Eutiner mit ihrem Bluesfestival, die es auch geschafft haben mit ihrer Blues Challenge, unterstützt vom Land Schleswig Holstein!

Ein paar Worte noch von dir zur German Blues Challenge Ende Oktober in Eutin

( Klaus mit einem lauten Lacher ) Schade, das wir nicht gewonnen haben, mit Marc Breitfelder und Georg Schroeter haben die größten Virtuosen gewonnen, das ist okay, die machen das wunderbar, die beiden, für uns war es sehr interessant zu hören, was am Samstagabend die Baltischen Staaten dahingeschickt haben, war zum Teil ganz große Klasse, diese junge Band aus Schweden, die Sharpnotes, und die Siegerband aus Lettland, die Latvian Blues Band, sehr, sehr gut, andere Sachen waren nicht so gut, ich kann nicht nachvollziehen, warum bei den Duos das schwedische Zweiter wurde, aber es ist so, wenn die Wertungskriterien der Jury so subjektiv strukturiert waren.
Es war ein Riesending, die ganzen Musiker zu treffen und zusammen zu quatschen, zum Beispiel Ferdi Peters, den früheren Schlagzeuger vom Dritten Ohr, den hatte ich bestimmt zwanzig Jahre nicht mehr gesehen, es war toll, mit ihm mal `ne Stunde zu erzählen.

Und ein Mundartblues aus deiner Feder?

Das hab ich probiert, das führt zu nichts, das ist nicht mein Ding, jetzt hab ich natürlich das Glück, das ich ein Jahr in den USA zur Schule gegangen bin und diese Sprache sehr intensiv gelernt habe, ich hab kein Sprachproblem, ich kann das nachvollziehen, ich kann Texte auf englisch schreiben, ich find das toll, wenn es gut gemacht ist, ich fand die Platten vom Dritten Ohr klasse, Udo Wolff hat tolle Texte gemacht, ich finds klasse, was Rainer Weisbecker macht, ein Frankfurter Mundartmusiker, es gibt noch andere hessische Mundartbluesbands, die finde ich nicht so doll, aber Rainer macht tolle Texte, singt gut, feine Gitarre dazu, wenn er da ist und wir sitzen zusammen, machen wir immer ne schöne Session, es passt bei ihm einfach, das Gesamtbild, ich bin aber erstaunt, das nicht mehr Leute das machen, Blues in deutsch, das es Toscho ( Blues Company ) z.B. kaum noch macht, der ja auch einzwei Platten mit deutschen Texten eingespielt hat, die Company Of Blues, die Blues mit den eingedeutschten Texten der Blues Company macht, aber es wundert mich trotzdem, das es nicht mehr Leute machen.
Wir waren neulich in Bayern auf kurzer Tournee, da haben wir mit Williams Wetsox gespielt, da sag ich dir, ich hab Null verstanden, da meinte Kollege Rainer, der Oberbayer, der versteht das aber der Franke hat da schon Probleme.

Danke für das Gespräch und ein feines Konzert wünsche ich euch!

Gruß

HRVolker

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