Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden Impressum 

zum Radio | JJBR bei MySpace |

Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 0 Antworten
und wurde 807 mal aufgerufen
 Konzertberichte
Gardner Offline




Beiträge: 2.321

15.11.2009 23:53
Richard Bargel & Dr. Will beim Mississippi Beat, Part III am 13.11.2009, Altes Pfandhaus in Köln antworten

Für Freitag, den 13. (!) hat Richard Bargel zur 3. Ausgabe von Mississippi Beat eingeladen. Dieser Einladung folgen an diesem Abend etwa 60 Menschen.
Sie werden ein Programm erleben, das sich in zwei Teile gliedert und noch einen abrundenden Nachschlag bekommt.
Doch der Reihe nach.

Richard Bargel eröffnet den Abend mit einem Auszug aus seinem aktuellen Programm. Dazu hat er sich Unterstützung geholt. Die zweite Gitarre – im Wechsel eine Stratocaster und eine Les Paul – bedient Klaus „Major“ Heuser, vielen noch bekannt aus seiner Zeit als Gitarrist bei der auch über Kölner Grenzen hinaus bekannt gewordenen Rockband «Bap».

Doch diese Zeiten sind längst passé. Der „Major“ hat sich mittlerweile dem Blues zugewandt. Lobenswert, wie ich finde, und darüber hinaus effizient. Sein Spiel ist eine passende Ergänzung zu den Bargel’schen Songs. Egal, ob es „Klassiker“ wie «Hurry, Hurry», «Any time you want» oder Son House’s «Empire State Express» sind. Gerade Letzterer bekommt durch die zweite Gitarre so richtig Dampf. Oder bei dem ganz frischen Titel von Richard Bargel «Doing Time». Diesen wunderbaren Song hat Richard geschrieben, weil er ganz Johnny Cash- like in einem Gefängnis nächstes Jahr eine Live- CD einspielen will. «Doing Time» bedeutet so viel wie „Die Zeit absitzen“.



Der Auftritt der Beiden macht wirklich Appetit auf das Konzert «Christmas in Blues» am 12.12.2009. Hier werden zusätzlich noch Manfred Kern (Vocal, Acoustic Guitar, Dobro) und “The United Blues Experience“: bestehend aus Wolfgang Bernreuther (Vocal, Guitars), Rudi Bayer (Upright Bass) und Beata Kossowska (Vocal, Harmonicas) auftreten.

Der Vorverkauf ist bereits (gut) angelaufen. Wer also noch Karten zu diesem bestimmt klasse Event haben möchte, sollte sich sputen.
Von der Isar und aus München, also nicht vom Mississippi und aus New Orleans kommen Dr. Will & The Wizards. Das sind Dr. Will: Lead Vocals, Drums, Noises, Anja Morell: Vocals, Melodica, Accordion, Percussion, Piano, Titus Waldenfels: Guitar, Violin, Lap Steel Guitar, Uli Kümpel: Banjo, Guitar und Dominik Schindlbeck: Double Bass.



Musikalisch ist diese Formation allerdings wirklich am Mississippi einzuordnen. «I Put A Spell On You», der Song von Screamin‘ Jay Hawkins ist Programm. Schnell ziehen Dr. Will und seine Zauberer ihre Zuhörer in ihren Bann. Schließlich gilt der heimlich unheimliche Doktor als Master Of Voodoo Ceremony. Seine bisweilen äußerst tief schürfende Stimme erinnert bisweilen an die eines Tom Waits. Auch das eingesetzte Instrumentarium spricht hier gewisse Bände. Das geht von einem Minipiano, Melodica, zum Hammer traktierten T-Eisenträgerstück. Ein durch verschiedene Effekt- Algorithmen gescheuchtes 5-String Banjo, das manchmal dennoch nach eben solchem klingt, eine Geige mit einer Art Grammophontrichter, Ukulele, Lapsteel- Gitarre, ein Cajòn, ein Telefonhörer als Mikrofon.

Es ist nicht ein Konzert im üblichen Sinne, wir erleben eine Performance, wobei auch ein Voodoo- Schrumpfkopf mit einbezogen wird.
Alles ist griffig und authentisch inszeniert, hier stimmt einfach alles, Musik und Darbietung greifen nahtlos ineinander.
Titel wie «Steam Machine», «Shuffle With My Heart», «Women Be Wise» oder «Y' never stop (Do Ya)» nehmen einen mit auf eine musikalische Reise fern ab von Isar oder Rhein.

Alles kommt jedoch mit der nötigen Prise Humor herüber. Es macht einfach Spaß, dieser etwas angeschrägten Combo zuzusehen und zuzuhören. Es ist halt ein Erlebnis der besonderen Art.

Es wird bald ein neues Album der Band geben. «Speak Of The Devil» wird es heißen. Man darf gespannt sein.

Zum guten Schluss gibt es dann noch eine Jam Session mit allen musikalisch Beteiligten des Abends, Richard und der „Major“ reihen sich in das Geschehen ein, man improvisiert auf Voodoo- Zauber- komm-raus etwas um «Mellow Down Easy», was sich nach anfänglichen Orientierungsschwierigkeiten zu einem dauerbrennenden Laune machenden und spannenden Miteinander entwickelt.

Fazit: Mississippi Beat, Part III ist ein lohnenswertes Unterfangen, dem ich ein paar (ganz viele) Gäste mehr gegönnt hätte. Für beide „Einzelacts“ gilt meine uneingeschränkte Weiterempfehlung: Unbedingt bloß nicht verpassen.

Text & Fotos 2009 Tony Mentzel

Tony Joe Gardner
_________________________________________________
...zu meinem Blog...
_________________________________________________

„Ich möchte Leute hören, die sich für bestimmte Sachen interessieren, die sich die Mühe machen, Sachen zu finden, die ich vielleicht sonst nicht hören würde. Die Stücke spielen, weil sie meinen, daß andere Menschen sie einfach hören müssen.“ - Alan Bangs
__________________________________________________

"A balance between things that you know people will like and things that you think people will like." - John Peel

 Sprung  
Xobor Forum Software von Xobor
Einfach ein eigenes Forum erstellen