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Dieses Thema hat 1 Antworten
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 Konzertberichte
Gardner Offline




Beiträge: 2.321

26.10.2009 20:06
Deborah Coleman am 24.10.2009 auf der Bluesparty in Schmallenberg antworten

„Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass ich, zumindest was mich angeht, ein wirkliches Bedürfnis habe, es lebendig und spontan zu halten. Das ist, was mir wichtig ist und ich denke das ist es auch bei den meisten in meinem Publikum."

Diesem in einer Pressemitteilung geäußerten Lippenbekenntnis lässt Deborah Coleman Taten folgen, an diesem Samstagabend im Oktober im sauerländischen Schmallenberg.

Und diese Taten haben es in sich, soviel sei schon verraten, wobei die Mittäter das Ihrige und das zum Besten tun: Roger Inniss am sechssaitigen Bass, Denis Palatin (oft und gerne gesehen als Trommler des Blues Caravan) an den Drums und ein weiterer Gitarrist, dessen Name zwar mehrfach genannt wurde, ich aber im beigeisterten Publikumstumult leider nicht verstehen kann.

Was vom ersten Titel an von der Bühne auf uns Zuhörer niedergeht, ist eine geballte Bandleistung. Klar, Deborah Coleman ist die Frontfrau. Aber die von ihr gewünschte Forderung nach Lebendigkeit und Spontaneität erfüllen ihre drei Mitmusiker bis in die Haarspitzen.

Es findet sich nicht ein Song, der einfach nur herunter gespielt, im 08-15 Gewand daher käme. Dass Musik Gefühle zum Ausdruck bringt, ist hinlänglich bekannt, hier ist es mehr, weitaus mehr, hier ist wahre Leidenschaft im Spiel.

Kaum einer der Titel kommt unter zehn Minuten Spieldauer. Sie sind gespickt mit Spannungsbögen, die immer wieder von neuen Ideen aller Beteiligten gestaltet werden. Die Bass und Rhythmusmaschinerie, genial besetzt durch Roger Inniss und Denis Palatin, beide nach meinem Dafürhalten Weltklassemusiker, die zudem so was von gut aufeinander eingespielt sind, treibt unerbittlich nach vorne. Deborah spielt ihre Soli auf ihrer Telecaster in sich versunken mit geschlossenen Augen. Und das alles sauber auf den Punkt, hier gibt es keinerlei Ausfälle.



Songs wie «I’m A Woman» oder «Them Changes» gehen einem in Mark und Bein, letzteres will dann auch gar nicht mehr still stehen. Der Sound ist optimal, vor der Bühne wird getanzt, das Publikum ist bestens drauf. Was will man mehr?

Doch es gibt diesen Wunsch nach Mehr, der wird öffentlich durch nicht anhaltende Zugaberufe. Lange lassen sich die Vier auch nicht bitten. Sie kommen diesem Wunsch in reichlich bemessener Form nach.

Die musikalische Darbietung ist natürlich modern, doch die Art der Interpretation erinnert mich an Konzerte aus den frühen Siebzigern. Auch hier wurde den Bandmitgliedern genügend Raum und Zeit geboten, ihre Qualitäten solistisch unter Beweis zu stellen. Damals wurde auch improvisiert, was das Zeug hält. So auch heute und bei dieser Band.

Man feuert sich gegenseitig an zu interessanten Läufen und Wendungen, nimmt sich gegenseitig mit auf Tonreisen und -eskapaden, die jedoch niemals im Nirvana verlaufen, sondern auch immer zielsicher wieder zum eigentlichen Song zurückführen.

Diese Darbietung beschert uns, den Zuhörenden und Zuschauenden, eine atmosphärische Dichte von nicht erahntem Ausmaß. Selbst mir, der diese Band erst zuletzt vor einem halben Jahr gesehen hat, bleibt nur enthusiastisches Staunen ob dieser Steigerung zum Konzert vom April.

Fazit: Zumindest muss ich nicht meckern, was die Publikumsgröße angeht. Es tut gut zu sehen, dass Blues auch immer wieder so viele Menschen in seinen Bann ziehen kann. Dafür danke ich den Veranstaltern und auch den Musikern an diesem Abend. Und was Deborah Coleman und ihre Band anbelangt, spreche ich ein „Unbedingtnichtverpassen“ mit Auszeichnung aus.

Text & Fotos © 2009 Tony Mentzel

Tony Joe Gardner

„Ich möchte Leute hören, die sich für bestimmte Sachen interessieren, die sich die Mühe machen, Sachen zu finden, die ich vielleicht sonst nicht hören würde. Die Stücke spielen, weil sie meinen, daß andere Menschen sie einfach hören müssen.“ - Alan Bangs

"A balance between things that you know people will like and things that you think people will like." - John Peel

Blue Bayou Offline



Beiträge: 1.115

29.10.2009 20:00
#2 RE: Deborah Coleman am 24.10.2009 auf der Bluesparty in Schmallenberg antworten

Deborah! Coleman! und Band in Schmallenberg.

Das kann nur gut werden, das muss es, denn immerhin hab ich ja schon seit einigen Tagen die Live-CD von Deborah Coleman „Soul Be It“ in meinem Player liegen.

Ich schau mich um, mittlerweile ist es ziemlich voll in der Halle, sogar unerwartet voll, aber nicht unangenehm drängelig, und in der Lounge sitzt jetzt auch fast niemand mehr.

Um zwanzig vor zehn endlich wird es dunkel auf der Bühne, bisschen blaues Licht nur, und die Herren Innis und Palatin und der Andere, dessen Namen ich nicht weiß, treten nach vorn, und sie nehmen jeder sein Instrument in die Hand, bzw. nehmen hinter ihm Platz, ein kurzes sattes Intro, ein kleines musikalisches Geplänkel, ein Hey! ins erwartungsvolle Publikum und dann kommt Deborah Coleman. Deborah. DEBBIE!

Sie trägt ein Leoparden-Shirt, hohe Absätze und ihre glänzenden Haare zu tausend Zöpfen geflochten und sie hängt sich ihre Gitarre um und fängt an zu spielen und dann zu singen und der Zug nimmt augenblicklich Fahrt auf und ich bin hin und weg, weil ich kaum glauben kann, dass das jetzt alles echt ist.
„What comes around“, singt sie, schickt fliegende Gitarrenriffs ins begeisterte Publikum und der brillante Herr Palatin, im dunklen Muscle-Shirt hinter dem donnernden Schlagwerk kocht pausenlos die Trommelschläge höher, um die Funken überspringen zu lassen und zum lodernden Feuer zu entfachen.
Was nicht schwer fällt. Nein, absolut nicht.
Der mächtige sechssaitige Bass setzt dann ein, rechts von mir, bedient vom eindrucksvollen Roger Inniss, breitschultrig, muskulös, stiernackig, glatzköpfig, mit Reihen von blitzend weißen Zähnen und minimalistischen Bewegungen, was seiner coolen Lässigkeit eine gewisse Beiläufigkeit hinzufügt. Phantastisch!

Ja, es geht unaufhaltsam los und als dann der laute Teil vom 10-minütigen „I am A Woman“ ( erinnert mich an ein ironisches Gegenstück zu der Muddy-Waters-Hymne "I'm a Man") kommt, da geht es noch mal richtig los, frenetischer „Szenenapplaus“, 200% Aufmerksamkeit, das Publikum explodiert und was immer jetzt da angefangen hat, es hört die nächsten eineinhalb Stunden nicht mehr auf.
Satt und saftig, virtuos und nur Armeslänge von mir entfernt, beschallen die Bandmitglieder das Publikum und die Herren Palatin und Innis bekommen ihre „five to ten minutes of fame“ in Form von emsig beklatschten gänsehauterzeugenden Soli, es ist alles da, großartig, es gibt viel zu sehen auf und vor der Bühne und obendrauf noch dick was aufs Ohr.
Welch schönes Leben, welch schöne Welt!
Oh ja, und auch die etwas leiseren Sachen verzaubern live, sind seelenreich und intensiv gespielt. Beeindruckend!

Ich kann kaum beschreiben, welche Atmosphäre diese Band entwickelt, kann kaum beschreiben, wie charismatisch Debbie Coleman ist, wenn sie so voller Seele ihrer Gitarre Töne entlockt und das Auf und Ab von Herzensangelegenheiten besingt, meilenweit entfernt und doch ganz nah, und dabei Roger Innis Blicke zuwirft - ja, keine Frage, da ist chemistry zwischen den beiden, und die kann man sehen.

Insgesamt waren das 90 starke, intensive und lebendige Minuten auf den Punkt, mit einem meiner Meinung nach besonders hellen Stern am weiblichen Blues-Firmament, aber dann ist das Publikum erst mal kaputtgespielt, Hitze und Erschöpfung allenthalben und ein durstiger Treck zu der langen Theke hin.

Liebe Debbie, liebe Band, das war sensationell, vielen Dank.

Rosie`s website:
http://www.roswithageisler.wordpress.com

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Information is not knowledge. - Knowledge is not wisdom. - Wisdom is not truth. - Truth is not beauty. - Beauty is not Love. - Love is not Music. - MUSIC IS THE BEST.
(* Frank Zappa )

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