Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden Impressum 

zum Radio | JJBR bei MySpace |

Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 2 Antworten
und wurde 1.172 mal aufgerufen
 Blues Gitarristen
Bluesguitar Offline




Beiträge: 754

05.10.2009 00:08
J o h n L e e H o o k e r antworten

Master of the Blues !

John Lee Hooker erblickte das Licht der Welt am 22.08.1917 unweit der Kleinstadt Clarksdale/Mississippi. Vater William Hooker und Mutter Minnie Ramsey hatten 11 Kinder großzuziehen. Vater William verstarb 1923 und Mutter Minnie heiratete 1923 William Moore, der sich in seiner Freizeit als Blues Sänger und Gitarrist betätigte. Er ermutigte den jungen John Lee sich neben dem sonntäglichen Chorsingen in der Kirche auch mit Musik anderer Art zu beschäftigen.

Da es von William Moore keine Aufnahmen gibt, weiß man nicht, wie groß sein Einfluss auf John Lee letztendlich war, aber die charakteristischen Bestandteile des Blues hat er sicherlich übernommen, und daraus seinen eigenen - unverwechselbaren Stil kreiert. Der hypnotische Beat, die stets präsente, die fast schon insistierende wirkende Gitarre, die sich mitunter stoisch gegen die übliche Abfolge von Akkorden zu stemmen scheint (und zumeist zu überhaupt keinem Akkordwechsel bereit ist), die grellen Töne, die die Rhythmen aufbrechen und das Tempo oft unter rasantem Spannungsabfall zum Stillstand zu bringen - um dann urplötzlich wieder mit full power loszulegen.
Wahrscheinlich wollte John Lee dem tristen Dasein als Feldarbeiter so schnell wie möglich entfliehen und so machte er sich bereits als Teenager im Alter von 14 Jahren, per pedes und als Hobo queer durch die amerikanischen Südstaaten auf, immer auf der Suche nach einem Gig in einem ländlichen JukeJoint, was ihm anfänglich wegen seines jugendlichen Aussehens zumeist verwehrt blieb. Straßenmusik war damals seine Erwerbsquelle. In seinem viele Jahre später erschienenen House Rent Boogie beschreibt er das noch einmal. "Some gave me a nickel - some gave me a dime."

Das Mekka für angehende Blues Künstler war damals die Stadt Memphis, genauer gesagt die Beale Street mit ihren Clubs und Cabarets. Um Abends eventell einen der begehrten Gig´s in einem dieser Clubs zu ergattern wetteiferten die Straßenmusiker täglich in der Beale Street, sodass man quasi alle paar Meter über ein hoffnungsvolles Talent stolperte. Bis auf die Tatsache, dass John Lee in Memphis Robert Nighthawk kennenlernte war das Abenteur für ihn jedoch enüchternd und er zog weiter nach Norden. In Cincinetti/Ohio schlug er sich 1933 mit Gelegenheitsarbeiten durch. Nach seiner Heirat im Jahre 1943 zog er in´s Zentrum der amerikanischen Automobilindustrie nach Detroit/Michigan wo er als Fließbandarbeiter bei Mr. Ford arbeitete aber wann immer es ging in den lokalen Clubs auftrat und sich hier als Blues Sänger und Gitarrist seine Sporen verdiente. Seinen Durchbruch erzielte "Hook" wie er von Freunden genannt wurde dann letztendlich 1948 mit dem Song "Boogie Chillun". Dieser ansteckende Beat, der neuartige Mix aus Sprache und Gesang war bei den schwarzen Plattenkäufern total angesagt und er erklomm erstmals die Rhythm & Blues Charts, wie seine 1949 erschienenen Songs "Hobo Blues" und "Crawling King Snake". 1951 folgte "I´m in the Mood", was ebenfalls ein beachtlicher Erfolg war. Obwohl es auch später für "Hook" zumeist harte Zeiten gab, hat er jedoch nie wieder in einer Fabrik garbeitet und seinen Lebensunterhalt für sich und seine Familie zumeist als schlecht bezahlter Musiker erwirtschaftet, denn das große Geld machten die Plattenfirmen. Das heißt die großen Plattenfirmen, denn während Modern Records bei denen "Hook" seinerzeit unter Vertrag war Erfolge mit "Boogie Chillun" und den Folgetiteln hatte durfte er nur dort unter seinem richtigen Namen veröffentlichen. Hook störte das wenig, denn er war gezwungen zu essen, also nahm er kurzerhand Songs unter Pseudonym auf und veröffentlichte diese dann bei kleinen loklen Labeln. So z.B. "Late Last Night" von Texas Slim alias JLH, oder "Low Down Midnight Boogie" von Birmingham Sam and his Magic Guitar alias JLH, ebenso "Do The Boogie" von The Boogie Man alias JLH, oder auch "Grievin Blues" von Little Pork Chops alias JLH.

Diesen ersten Populariätsschub beim Publikum verdankt Hooker vor allem seiner elektrisch verstärkten Gitarre. Mit ihr kreierte er für die damalige Zeit völlig neuartige - zukunftsweisende Klänge. Ebenfalls ein Novum war, daß er zumeist allein auftrat und den Takt zu seiner Musik mit den Füßen stampfte. Er legte sich ein Holzbrett unter die Füße, befestigte Kronkorken von Coca Cola Flaschen unter seinen Schuhsohlen, stampfte wie eine Dampfmachine den Takt. Hypnotisierender "One Chord" LoFi Blues und absolut irre Verzerrungseffekte, die aus seinm Verstärker kamen. Das Ergebnis war einfach umwerfend: Musik, wie es sie noch nie gegeben hatte! Hielt er es oder sein Produzent für ratsam Begleitmusiker hinzuzuziehen, nahm man lokale Größen wie den Pianisten Boogie Woogie Red oder den Gitarristen Eddie Kirkland, der übrigens noch heute im Alter von mitte 80 auf den internationalen Bühnen zu finden ist.

In den folgenden Jahren festigte Hooker seine Popularität durch Tourneen und eine Vielzahl von Plattenaufnahmen.

Die kommenden Jahre waren für Hook ein stetiges auf- und ab zumal neue Blueskünstler in Erscheinung traten die filigraner spielten wie z.B. B.B.King, Muddy Waters etc. und den wechselnden Publikumsgeschmack bedienten.

Ende der 50er Anfang der 60er Jahre entdeckte auch das weiße Publikum angeführt von den College Studenten den Blues. Zunächst galt das Interesse dem sog. Country Blues, einer rudimentären Spielart mit akustischen Instrumenten und "folkoristschem Touch", an die Hooker und Kollegen sich kaum noch erinnern konnten. Nicht wenige Musiker waren bereit, alles bislang
erarbeitete fallenzulassen und sich zurück zu Ihrem musikalischem Ausgangspunkt zu bewegen.
Hooker bildete da keine Ausnahme.
Er arbeitete wieder mit akustischer Gitarre und ohne Begleitband auf der Bühne nahm Titel auf, deren Namen allein schon seinem neuen Publikum entgegen kam - wie etwa "The Folk Blues of John Lee Hooker (1959) oder auch "The Folklore of John Lee Hooker" (1961).

1961 landete "Hook" dann mit "Boom Boom" einen Volltreffer in den R&B Charts und auf dem Höhepunkt des britischen Rhyhm & Blues Booms schaffte er mit "Dimples" drei Jahre später sogar den Sprung in die Pop-Hitparade.
In den 60ern wollte "Hook" sich dann endgültig als Album Künstler profilieren und weg von den Single Scheiben. Auf den Bluesway Label von ABC legte er 1968 mit bewährten Mitstreitern aus den guten alten Tagen - etwa dem Gitarristen Eddie Taylor die LP "Urban Blues" oder mit New Yorker Session Musikern das Album "Simply The Truth" auf. Selbst im Rockgeschäft wurder er jetzt aktiv. Van Morrison oder Bands wie Canned Heat oder MC5 waren ganz wild darauf mit ihm aufzutreten - war er doch für die meisten ein großes Vobild.

Still wurde es um den schwarzen Musiker Ende der 70er sowie in den80er Jahren.
Nach und nach verlor ihn selbst sein treues Schallplattenpublikum gänzlich aus den Augen.
Carlos Santana hatte dann die großartige Idee "Hook" zu reaktivieren und zusammen mit ihm ein Album zu produzieren. Das Album hieß "The Healer" erschien 1989 und wurde das erfolgreichste Comeback Album in der gesamten Geschichte des Blues. Seite an Seite mit musikalischen Berühmtheiten wie Carlos Santana und Bonie Raitt zeigte der Boogie Man noch einmal aller Welt, daß er noch immer Tonträger in Größenordnungen verkaufte, von denen andere Blues Musiker ihr Leben lang nur träumen konnten.

Im Jahr darauf endstand unter Beteiligung von Van Morrison und Robert Cray das ebenso erfolgreiche Album Mr. Lucky.

Im Alter von 72 Jahren hatte "Hook" nun endlich nach einer wechselhaften Karriere den Erfolg der ihm leztendlich gebührte. Einem Freund gestand er einmal unter Tränen "Warum jetzt? Warum nicht da, wo ich es so dringend gebraucht hätte" ??

1992 kehrte er nocheinmal zurück zu seinen Roots und nahm mit den Begleimusikern: Robert Cray, Charlie Musselwhite, den Fabolous Thunderbirds, Jimmie Vaughan und John Hammond das Album "Boom Boom" dessen Titelsong ebenfalls in einem Werbespot für Jeans zu hören war - auf.

John Lee Hooker "The Boogieman" starb am 21. Juni 2001 im Schlaf. 5 Tage zuvor hatte er letztmalig auf der Bühne gestanden.

Selbst wenn mein Name eines Tages vergessen sein sollte, meine Musik wird immer leben sagte er kurz vor seinem Tod.

Rest in peace brother....You can´t kill the Boogieman !

H o w - H o w - H o w !

Mit Gruß & Blues,

P e t e r

Quellverzeichnis: The Blues Collection/Orbis Publishing 1994
Wikipedia

´cause I´m a Bluesman - but a good man -
understand ?

pavelk Offline



Beiträge: 52

27.01.2010 09:36
#2 RE: J o h n L e e H o o k e r antworten

Ich möchte zu dem Thema ein Buch empfehlen, nämlich "Boogie Man: The Adventures of John Lee Hooker in the American Twentieth Century" von Charles Shaar Murray. Ein sehr interessantes Taschenbuch über John Lee.
Greetz aus Kölle
Pavel

Blue Bayou Offline



Beiträge: 1.115

20.05.2010 16:00
#3 RE: J o h n L e e H o o k e r antworten

Und wer sich jetzt gern mal John Lee Hooker mit seinem großartigen Song "Tupelo" ansehen und anhören möchte, der kann dann mal zu unserer Rubrik "Der Blues über Blues" klicken:

Bitte hier:

John Lee Hooker

Blue Bayou
Rosie

Rosie`s website:
http://www.roswithageisler.wordpress.com

______________________________________________________________
Information is not knowledge. - Knowledge is not wisdom. - Wisdom is not truth. - Truth is not beauty. - Beauty is not Love. - Love is not Music. - MUSIC IS THE BEST.
(* Frank Zappa )

 Sprung  
Xobor Forum Software von Xobor
Einfach ein eigenes Forum erstellen