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Dieses Thema hat 1 Antworten
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 Konzertberichte
Blue Bayou Offline



Beiträge: 1.115

12.09.2009 10:28
26. Bluesrock- Festival in Tegelen am 05.09.2009 antworten

Little Tony & Greyhound Levi, David Gogo, Th`Legendary Shack*Shakers, James Hunter, Julian Sas, Cuby & The Blizzards, Hank III & Assjack

Der Sommer verweht seine letzten warmen Lüftchen und knappe Tops, tätowierte Waden und Treckingsandalen schmücken das Festivalgelände im Openluchttheater De Doolhof, während des 26. Bluesrockfestivals in Tegelen 2009.

Eine außergewöhnlich schöne Location ist das, ein bisschen wie ein überdachtes Amphitheater, auf dessen roten Schalensitzen man es sich bequem machen kann, dazu gibt es allenthalben eine entspannte Atmosphäre, glücklich lächelnde Leute, die auf dem Gelände zwischen den diversen Ständen bummeln und Sate Spiesse essen oder mit einem Bier in der Hand auf der Treppe in der Sonne sitzen....ja, was will man eigentlich mehr an einem lauen Septembertag?

Und dann, am Sounds-Pavillon, sehe ich David Gogo aus Kanada vor den Regalen stehen, konzentriert mit Suchen und Gucken beschäftigt, die Hände voller CDs und DVDs, und ich erinnere mich, dass er, vor etwas mehr als einem Jahr in ungefähr gleicher Position in der unteren Etage im Sounds in Venlo stand und lachend zu uns sagte: „ Das wird ein teurer Gig für mich...“
Das ist natürlich nur logisch und konsequent, klar, denn so ist es immer im Sounds.

45 Minuten hat David Gogo heute auf der Bühne zur Verfügung, schade, denn ihn hätte ich gern wieder mal abendfüllend erlebt.
Im bestickten Hemd kommt er seiner Aufwärmpflicht ganz wunderbar und zur allseitigen Zufriedenheit nach.
Er präsentiert eine Reihe Songs von seiner neuen CD, so zum Beispiel "Gunslinger"und dann noch "Lies" , und die Herren auf, und die Zuhörer vor der Bühne haben ihren Spaß dabei.
Ja, man mag sich, gern sogar, sehr gern, es passt auf jeden Fall schon alles so.

Der Nachmittag lockt dann mit einem Bandnamen, den ich zumindest schon mal gehört habe: James Hunter.
Zunächst gilt es aber das Konzert einer Band namens Th`Legendary Shack*Shakers zu überstehen. Heftig!
Ein sympathisches Quartett, das alles dem Erdboden gleich macht. Wennschondennschon.
Bluegrass, Polka, Blues, Ska, Punk, Rock und alles, was sich musikalisch irgendwie umsetzen lässt von kerligen Jungs aus Amerika, die ordentliche Frisuren tragen und schwarze Shirts.
Das Publikum zeigt sich euphorisch, kollektivklatschend und hopsend.
Wie gesagt, ich hab keine Ahnung.

Aber dann....immer wieder gern gesehen... treten Julian Sas, Tenny Tahamata und Rob Heijne auf die Bühne, tight, laut, energetisch und voll von dieser einen Art Live-Wahnsinn, die eine Band nur durch ausdauerndes und routiniertes Touren bekommt.
Und dann hauen sie rein. Und wie sie das tun.
Das geht ununterbrochen so weiter, "I Take What I Want" gibt es zu Ehren für Rory Gallagher zu hören und dann aber auch zum Beispiel "The Devil Got My Number", bis sich dieser treibende Rhythmus unweigerlich und unaufhaltsam in wirklich jedermanns und jederfraus Gehörwindungen geschoben hat.
Auch diese Band hätte ich gerne abendfüllend erlebt.
Ja, er ist ein wirklicher Glücksfall für dieses Festival, dieser Mann aus Leeuwen, denn fast sämtliche Besucher des Konzerts hängen und drängen jetzt vorne an der Bühne, ein großes Fest allenthalben, auch die Band selbst freut es sichtlich, emsig wird aus allen Richtungen, in alle Richtungen, gefilmt und fotografiert.
Ja, das scheint er zu mögen, der Julian.

Anschließend spielt dann der große Harry "Cuby" Muskee mit seinen Blizzards zum Tanz auf.
Diesem Mann bringe ich größten Respekt entgegen, für seine Arbeit, seine Songs, fürs Überleben.
Denn seit den 60er Jahren ist dieser Herr, der auch einmal Hermann Brood in seine Band holte, musikalisch unterwegs.
Mit großer Würde und ungebrochener Energie bringen Cuby und seine Kollegen hier in Tegelen ein Live-Konzert der hohen Klasse dar.
Obwohl, diese sieben engagierten Herren sind nicht ausgelassen, zwar lässig, aber gleichzeitig auch konzentriert; es ist eher ein Arbeiter-Gig, so scheint mir, von einer gediegenen Elektrik und Bläsersätzen durchzogen, bemüht „to make the magic happen“, und trotzdem ist dieser Auftritt für mich äußerst spannend und frisch, ganz besonders "Appleknocker`s Flophouse" ist mir in allerbester Erinnerung geblieben.

Hach, die Zeit vergeht so schnell an diesem Tag, und schon bald steht die Endgruppe an, der Schlußact, sie kommen mit Geige, Kontrabaß, Banjo, Gitarre, Key und Schlagwerk auf die Bühne und dann plötzlich brüllt, scheppert, kreischt, dröhnt es, unglaublich laut, die ersten Sekunden denke ich, ich bin im falschen Film, was ist das, Metal? Country? Punk?
Die Jungs von Hank III & Assjack tragen Westernhüte und Caps, aber diese Musikkategorie kann ich nicht.
Und dann, dann rocken sie los, krawallig, schräg, keine Ahnung, Noiserock, Dub, Interpunkbluesrock oder so, woaha.

Ja, und dann ist es für uns wieder mal vorbei, das Bluesrockfestival in Tegelen, wir gehen die Treppe hinunter und hinüber zum Parkplatz, wo die Leute auf der Wiese vor ihren Zelten sitzen. Schön war es, spannend und entspannend.

Ich habe sogar entgegen aller Vorsätze ein Glas holländisches Bier getrunken, mir endlich die „Hard Again“ im Sounds-Pavillion gekauft, mich über das Wollen und Nichtwollen unterhalten und darüber, dass ich im vorletzten Jahr hier Danny Bryant kennengelernt habe, und dass es manchmal nur ein einziger Gedanke oder eine einzige Begegnung ist, die dem Leben eine neue Richtung gibt, ja, darüber haben wir auch sinniert.
Noch später dann, wieder zuhause, lege ich, aus Nostalgie, ob der guten alten Zeiten, noch eine Vinylplatte auf, „Am I Here“ von Johnny Winter Live, ja das passt irgendwie und alles ist schön und gut, und ich bin zufrieden mit der Welt und mit allem.
Danke dafür.



Blue Bayou
Rosie

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(* Frank Zappa )

HRVolker Offline




Beiträge: 727

12.09.2009 12:41
#2 RE: 26. Bluesrock- Festival in Tegelen am 05.09.2009 antworten

Ein paar Worte von mir zu dem von Rosie vorzüglich geschriebenen, so war`s.

Eine rundum feine Sache war das hier in Tegelen, es ging mir nicht ausschließlich um die Musik, die war für mich in manchen Programmabschnitten des Festivals vernachlässigbar, es ging auch um Freunde und Bekannte, die man/frau traf, um den Austausch von Informationen zu unserer Musik und den Ab - und Hintergründen davon.

Metallröhrchenblues der deftigeren Art öffnete um Punkt 13 Uhr die Ohren des schon zahlreich zuhörenden Publikums, die beiden Gitarristen Little Tony und Greyhound Levy und ihre Rhythmustruppe schroteten eine Melange aus Hound Dog Taylor, J.B.Hutto und Lil` Ed ins Openluchttheater, das sorgte in meinen und vielen anderen Beinen für Bewegung, das ging ab, ohne Gnade, Little Tony riverdancte teilweise zu seinen Gitarrenexkursionen und auch auf den Knien riss er die Saiten in den Boogie.

Zu David Gogo, dem wohl besten Kunden heute nachmittag des in Venlo beheimateten Soundstands, und seiner holländischen Band siehe oben!

Die Shackers shakten nach vier Stücken dann ohne meine Anwesenheit weiter, also nach fünf Minuten, das war mir zu Einheitsbreiig im Sinne von jedes folgende Stück klang für mich wie das vorherige, Zeit zum Klönen mit Wil und Hans vom Bluesbreeker, mit Jetty und Dieter und Miek ( Bluesert ).

James Hunter lud mich dazu ein, mich den Verkaufsständen auf dem Festivalgelände zu widmen, sein Soul - und Ska getränkter R & B war nix für mich, vielen Leuten gefiel es aber, sie tanzten und schunkelten zu dem Gehörten.

Ich erstand die Wandering Between Worlds DVD von Rory Nachfolger Julians Sas, die ist über jeden Zweifel erhaben und eine unglaublich grandiose Cd der Lester Butler Tribute Band, ein Meisterwerk des Harpers Big Pete van der Pluym, den Gitarristen Matt Schofield und Enrico Crivellaro, am Bass Rick Reed und Drums Eddie Clark.

Ich machte während des Festivals mal wieder die Erfahrung, das keine geringe Anzahl der hier einheimischen Raucher den " normalen, braunen " Tabak nur als Beiwerk pafft, fast überall glückliche und entspannte Gesichter.

Zu Julian Sas, Rob Heijne und Tenny Tahamata fällt mir nix mehr ein, die haben für mich keine Konkurrenz im Bluesrockbusiness, das ist wohl nicht zu toppen.

Sehr erfreulich die 70 Minuten von Cuby und seinen Blizzards, fine, fine, fine!

Zu Hank und seinen Assjacks hab ich die gleiche Meinung wie Rosie, das war.....oha.

Bis zum nächsten Mal in Tegelen,

Gruß

HRVolker



http://volkerfroehmer.wordpress.com/

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