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Dieses Thema hat 7 Antworten
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 Konzertberichte
Gardner Offline




Beiträge: 2.321

26.08.2009 18:58
Blues au Château vom 19. -23.08.2009 in La Chèze (F) antworten

Das Festival war ein tolles Erlebnis, mehr davon später.

Zunächst ein kleiner Gruß von Maurizio Pugno, Mauro Ferrarese und Marco Pandolfi.

Klar, und auch von mir...

Tony Joe Gardner

„Ich möchte Leute hören, die sich für bestimmte Sachen interessieren, die sich die Mühe machen, Sachen zu finden, die ich vielleicht sonst nicht hören würde. Die Stücke spielen, weil sie meinen, daß andere Menschen sie einfach hören müssen.“ - Alan Bangs

"A balance between things that you know people will like and things that you think people will like." - John Peel

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Blue Bayou Offline



Beiträge: 1.115

01.09.2009 08:58
#2 RE: Blues au Château vom 19. -23.08.2009 in La Chèze (F) antworten

Hallo Tony!
Ein tolles und stimmungsvolles Foto!
Ich bin schon sehr gespannt auf deinen Erlebnisbericht....

Blue Bayou
Rosie

Rosie`s website:
http://www.roswithageisler.wordpress.com

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Information is not knowledge. - Knowledge is not wisdom. - Wisdom is not truth. - Truth is not beauty. - Beauty is not Love. - Love is not Music. - MUSIC IS THE BEST.
(* Frank Zappa )

Gardner Offline




Beiträge: 2.321

12.09.2009 19:16
#3 RE: Blues au Château vom 19. -23.08.2009 in La Chèze (F) antworten

Durch einen glücklichen Zufall habe ich von diesem Festival erfahren und bin mit erheblicher Freude der Einladung dorthin gefolgt.

Dieses Festival zu beschreiben, ist eine nicht allzu einfache Aufgabe. 19 Konzerte gibt es offiziell, doch zählt man all die Sessions noch dazu, wächst die Zahl der musikalischen Darbietungen gleich wieder um einige einzigartige Erlebnisse.

Am Start der Ausgabe 2009 von «Blues au Château», das 2006 ins Leben gerufen wurde, sind Künstler aus Frankreich: Matthieu Pesqué & Roll Pignault so wie Texaroma, aus Spanien Tonky de la Peña, aus Italien Maurizio Pugno, Mauro Ferrarese, Marco Pandolfi, Mike Sponza, J. Sintoni & Mr. Banana, Enrico Crivellaro, aus Österreich Raphael Wressing, aus Schottland Dik Banovich, aus den Niederlanden Little Louis, aus Kanada Mike Deway und aus den USA Doug MacLeod.

Eine ebenso bunte wie international besetzte Liste an Topmusikern also.

Diese Acts verteilen sich über die fünf Festivaltage, hier wird in verschiedenen Zusammensetzungen gespielt, akustisch wie elektrisch. Auf die Art hat man das seltene Glück, all diese Künstler innerhalb kurzer Zeit mehrfach zu erleben. Die meisten der Musiker bleiben für die gesamte Dauer des Festivals vor Ort, sie sind auf mehrere Gastgeber verteilt privat untergebracht.
Man trifft sich dann zentral zum gemeinsamen Mittag- bzw. Abendessen, das bietet reichlich Gelegenheit zum Kennenlernen und zu angeregten Gesprächen. Auch die Konzerte der Kollegen verfolgt man gemeinsam.

Überhaupt liegt über diesem Festival eine äußerst familiäre Atmosphäre. Die Hälfte der Einwohner des 600 Seelen- Städtchens La Chèze scheint irgendwie mit in der Organisation und in der Umsetzung involviert zu sein, vom Soundmix bis zum Getränke- und Speisenverkauf passiert alles auf Initiative der freiwilligen Helfer. Es gibt sogar ein gut funktionierendes Jugendprojekt, das sich mit der Durchführung dieser Veranstaltung befasst. Die Jugendlichen werden mit bestimmten Verantwortungen und Aufgaben (wie zum Beispiel Licht oder Bühnenauf- und -umbau) in die Abläufe eingebunden.
Apropos Speisen: Galette wird aus Buchweizen hergestellt und ist die herzhafte Variante der bretonischen Crêpe. Sie wird hier angeboten – und das ist der Renner – als Galette Saucisse, einer groben Bratwurst vom Grill, eingerollt in eben einer Galette. Irgendwer, ich glaube, es war Tonky, hat dieses Gericht scherzhaft als „bretonischen Hot Dog“ bezeichnet.

Die meisten Konzerte finden unter freiem Himmel statt, der bretonische Wettergott, beim Teutates, ist Bluesfan und so haben wir bis auf einen halben bewölkten Tag immer feinsten Sonnenschein. Diese open air Veranstaltungen sind für die Besucher kostenfrei. Lediglich für die beiden Abendveranstaltungen am Freitag und Samstag wird ein Eintritt von je 10 Euro erhoben, Kombipreis für beide Konzerte 17 Euro.

Das ist äußerst bescheiden und nur möglich, da das Festival neben den freiwilligen Helfern auf eine stabile Zahl von Sponsoren zurückgreifen kann. Darüber hinaus fließt der Reinerlös in die Kasse zur Instandhaltung des historischen Herrenhauses des Schlosses. Ein von Begeisterung für den Blues getragenes Non- Profit Unterfangen also.

Mittwoch, 19.08.2009

Der musikalische Auftakt wird durch Dik Banovich gestaltet. Ein langjähriger Fahrensmann im Folk- und Bluesgeschäft. Er kommt gebürtig aus Schottland und hat sich vor einigen Jahren in der Bretagne niedergelassen. Neben eigenen Songs bietet er Titel z.B. von Wizz Jones, Bob Dylan oder Woody und Arlo Guthry.



Bild 1 & 2 Dik Banovich Bild 3: Maurizio Pugno im Gespräch mit Philippe Le Guennec, der das Proigramm zusammen gestellt hat.

Nach Dik Banovich’s Solo- Auftritt, der eine gelungene Einstimmung auf die folgenden Bluestage geboten hat, folgt als Open- Air Kino der Film: «The Road To Memphis» aus der Martin Scorcese- Reihe «The Blues».

Donnerstag, 20.08.2009

Kurzer Soundceck. Ronan, der Hauptorganisator ist wird mit seiner Band unter Tonky’s Unterstützung den heutigen Abend musikalisch einläuten. Der nun folgende Song ist Chantal gewidmet, die im März verstorben ist. Sie war Mitglied in der Organisationséquipe. Ronan’s Stimme zittert hörbar, als er den selbst geschriebenen Song ansagt.

Nach dem Titel bleibt Tonky alleine auf der Bühne zurück und spielt ein, zwei Titel solo, dann hat er Mirco und Giuliano von Maurizio Pugno’s Band entdeckt, die er spontan auf die Bühne winkt.
Zwei Schluck Bier und zwei Bisse in die bretonischen Hot Dogs weiter, befinden sich der Bassist und der Schlagzeuger auf der Bühne.

Die Zuschauerreihen im Hof des alten Herrenhauses füllen sich immer mehr. Es macht Spaß, Vollprofis zuzuhören, die so was von gekonnt improvisieren.

Mike Deway, der als nächster mit seiner Band auftreten soll, wird sich reichlich verspäten, er reist direkt aus Kanada an und sein Flugzeug hat zwei Stunden Verspätung. Das macht aber gar nichts, denn es sind ja genug Musiker vor Ort, die diese Zeit überbrücken können.

Tonky holt sich nacheinander J. Sintoni und Mr. Banana auf die Bühne, mit denen er wahre Gitarrenfeuerwerke entzündet. Keinen Augenblick kommt Langeweile auf, es ist ein warmer Augustsommerdonnerstagabend auf einem schönen Fleckchen Erde, dazu Musik vom Feinsten. Galette Saucisse, Bier, nette Leute. Was will man mehr?



Bild 1: J.Sintoni und Tonky de la Peña - Bild 2: Mr. Banana, Guiliano, Tonky & Mirco - Bild 3: Mike Deway

Mike Deway macht von Anfang an klar, was für ihn Sache ist. Quasi direkt aus dem Auto auf die Bühne spielt er seinen Blues auf eine derart bestechende Art, dass von Anfang an die Begeisterung beim Publikum riesig ist.

Er ist ein äußerst präziser, aber immer noch gefühlvoller Gitarrist. Auch kleinere Showeinlagen liegen ihm. So verwundert es niemanden, als er seine Stratocaster spielend durch die Zuschauerreihen wandelt. Mike kommt aus Québec, hier spricht man eine für meine Ohren härtere Variante des Französischen, die sich aber auch singen lässt. Das beweist Mike Deway mit seinem Gesang, die meisten Texte sind auf Französisch. Ein Saxofonist rundet neben Bass, Schlagzeug und Mike’s Gesang und Gitarrenspiel die Besetzung der Band und somit den Sound ab.

«Une Gang De Fous», eine Bande Verrückter, das ist einer seiner Titel und augenscheinlich auch das Motto dieser Band. «Faire Le Trottoir» ist Mike’s Adaption von «Walking The Dog».

So gegen 00:45 Uhr ist der gelungene musikalische Spuk aus Kanada zu Ende. Für mich wird es noch eine etwas längere Nacht mit einem eben so langen, begeisterten Gespräch mit Tonky über gemeinsame musikalische Vorlieben und Helden. Wobei wir ab und zu mal zu den Gitarren greifen und ein paar Titel anspielen.

Freitag, 21.08.2009

Für den Nachmittag sind die Konzerte auf eine kleine Insel verlegt worden, die inmitten des kleinen Flüsschens liegt, das durch La Chèze fließt.

Gegen 15 Uhr postieren sich Mathieu Pesqué und sein Kumpel Roll Pignault auf der Bühne. Die Beiden kommen aus Pau im südwestlichen Frankreich. Mathieu ist ein feinfühliger Songwriter und präziser Gitarrenspieler, egal, ob beim Picking oder Slidespiel. Über allem thront seine Stimme, sie trifft über die Ohren direkt ins Herz, sie nimmt einen mit durch die poetischen Texte, die er übrigens auf Englisch verfasst. Roll begleitet ihn auf der Harp und mit zweiter Stimme. «When the Day Is Through» ist ein Titel, den Mathieu auf einer Lapsteelgitarre, einer gelungenen Weißenborn Kopie, spielt. Ein Song zum Wegträumen an diesem Freitagnachmittag. Klar, dass er auch Bluestitel im Gepäck hat: «Catfish Blues» oder «I Can’t Be Satisfied» zum Beispiel.



Bild 1: Matthieu Pesqué - Bild 2: Roll Pignault & Matthieu Pesqué - Bild 2: Little Louis & Aart van der Wulp

Danach folgt ein weiterer Auftritt von Dik Banovich, der vor zwei Tagen das Festival eröffnete.

Nach den doch eher ruhigen, da akustisch geprägten ersten beiden Konzerten wird es nun reichlich laut auf der Flussinsel, Little Louis ist an der Reihe. Er stammt aus dem niederländischen Eindhoven. Normalerweise spielt er mit einer ganzen Band, doch hierhin hat er nur seinen Harpspieler Aart van der Wulp mitgebracht. Das musikalische Spektrum reicht von «John, The Revelator», über «John Henry» und «Parchman Farm» bis hin zu «Burning Hell» Louis singt, spielt Gitarre und bedient eine Art Stompbox mit dem Fuß. Das ganze lässt sich ohne weiteres in die Kategorie low-fi Blues einordnen und macht so richtig gute Laune.

In der der „Salle des Fêtes“ eröffnet Tonky de la Peña zunächst wieder solo den Abend. Es ist das erste Konzert im Saal, der sich sehr rasch sehr gefüllt hat. Für einige Titel gesellt sich erneut J. Sintoni dazu. Am Nachmittag ist Mike Sponza mit seinen beiden Begleitmusikern eingetroffen: Den Brüdern Roby Maffioli (Bass) und Ale Maffioli (Drums). Mit den beiden Letzteren verstärkt sich Tonky zu einer gelungen Session. Als später dann noch Mike Sponza dazu kommt, kocht der Saal zum ersten Mal. Feurige Gitarrenduelle der des spanisch-italienischen Art prasseln auf unsere Ohren nieder, ich vergesse für weite Strecken das Fotografieren, meine Güte, was für ein genialer musikalischer Dialog, der sich da entwickelt. «Rock Me Baby» in einer niemals wiederholbaren Version. Wow. Da schlägt das alte Bluesherz im Takt der Musik.



Bild 1: Tonky de la Peña - Bild 2: Marco Pandolfi & Mauro Ferrarese - Bild 3: Maurizio Pugno & Marco Pandolfi

Das ist beileibe noch nicht alles an diesem Abend. Die Bühne wird nach diesem Furioso vorbereitet für die weitere italienische Crew, den so angekündigten „Italian Bus“: Mauro de Ferrarese beginnt das Set solo, eine Stimme, tief und rau, seine in offenem E gestimmte Dobro traktiert er in äußerst gekonnter Manier. „Ich bin kein Gitarrist, für mich ist das Wichtigste die Stimme. Sie alleine kann Gefühle wahrhaftig zum Ausdruck bringen. Eine Gitarre ist nur Beiwerk. Eigentlich kann ich gar nicht Gitarre spielen.“ Das verrät er mir zutiefst ernst dreinblickend später in einem unserer vielen Gespräche. Dass er nicht Gitarre spielen kann, widerlegt er jedoch in allen seinen Titeln. Aber seine Stimme…ja, er hat recht, seine Stimme ist wirklich in der Lage, Gefühle auszudrücken und sie zu transportieren. Ergänzt an der Harmonika - und dies kongenial - wird sein Spiel durch das von Marco Pandolfi, den Mauro für den einzig wahren Harpsspieler hält, zumindest für den Einzigen, der zu ihm passt. „Wir verstehen uns blind, er weiß genau, was er zu tun hat. Er ist der Beste.

Mauros Einflüsse sind beispielsweise Chris Whitley, Tampa Red, Bukka White, John Hammond, und vor allem Sister Rosetta Thorpe.

Plötzlich steht die gesamte Maurizio Pugno Band auf der Bühne. Maurizio habe ich seinerzeit mit der Rico Blues Combo erleben dürfen. Dass er ein gnadenlos guter, vielseitiger Gitarrist ist, weiß ich seitdem. Das zeigt sich auch heute Abend wieder. Maurizio ist ganz in schwarz gekleidet, den farblichen Kontrapunkt setzt seine weiße Fender Telecaster, die Maurizio durch bluesige wie jazzige Spielweisen treibt. Marco Pandolfi übernimmt den Gesangs- wie den Harppart. Man spürt, dass diese Musiker häufig zusammenspielen. Es ist eine wahre Freude, sie mit einander agieren zu sehen und zu hören. Eine geschlossene Bandleistung. «Kill The Coffie», ist einer der Titel, die Sugar Ray Norcia geschrieben hat, mit dem Maurizio bisweilen durch die Lande tourt. Der Abschlusstitel ist dann «The Midnight Special» und das schon geraume Zeit nach Mitternacht.

Dieser Abend klingt aus mit einigen Bierchen und einem langen Gespräch mit Mauro über die italienische Bluesszene und Musik und Leben im Allgemeinen und ganz Besonderen. Es ist ein fröhlicher Abend, es wird viel gelacht, ja, und ich, ich fühle mich immer noch sauwohl.

Samstag, 22.08.2009

Nachmittags spielen Mauro und Marco ein zweites Set open air und dann folgt Doug MacLeod, auf den ich sehr gespannt bin. Diese Spannung wird nicht enttäuscht. Doug ist ein begnadeter Storyteller, das beweist er mit seinen Songs und mit seinen Anmoderationen zu eben diesen. Ein Mann, der mit Humor auch an ernste Dinge heran geht. Ein Mann, der mit seinem Gitarrenspiel und seiner Stimme in der Lage ist, einen unwillkürlich in seinen Bann zu ziehen. Das zeigt sich allein darin, dass während seines Vortrags kaum ein Wort im weiten Zuschauerrund zu vernehmen ist. Doug erklärt die Hintergründe zu seinen Songs, es geht um alle Themen des Blues und da vor allem um Frauen und seine entsprechenden Beziehungen zu ihnen. Doug scheint einen unerschöpflichen Vorrat an Frauenbekanntschaften zu haben, denn so viele Lieder weiß er zu diesem Thema zu präsentieren. Alles mit einem Augenzwinkern, versteht sich. Ob es die «Mystery Woman», die «Zuzu Woman» (“A woman that allows you to eat crackers in her bed”), die «Turkey Leg Woman» (Doug’s Protestsong gegen zu dünne Frauen, von denen es einfach zu viele gibt…) oder «My Black Pony» (die Geschichte einer gesellschaftlich nicht geduldeten Beziehung zu einer Schwarzen), Doug MacLeod weiß alle diese Stories musikalisch bestens umzusetzen. Er ist halt ein Bluesman durch und durch. Mann, was für eine Bühnenpräsenz! Und das als Solokünstler. Hats off to Mr. MacLeod! Da sind wir uns schnell einig: Mauro Ferrarese, Marco Pandolfi, Maurizio Pugno und ich haben diesen Auftritt auf dem Rasen sitzend zusammen verfolgt. „Besser geht’s nicht…“, grinst Mauro mich an, steht auf und holt noch vier Bier.



Bild 1: Mauro Ferrarese - Bild 2: Doug MacLeod - Bild 3: vlnr. Marco, Mauro, Maurizio während des Konzerts von Doug MacLeod

Little Louis spielt ein zweites Set.

Danach folgt J. Sintoni solo und akustisch. Was der Junge draufhat, weiß ich aus unseren Sessions, die wir in konzertfreien Momenten in Ronans Haus hatten. Er bringt einige Deltablues- Klassiker wie Blind Boy Fuller’s «What’s That Smells Like Fish, Mama» zu Gehör. Jay ist ein feiner Picker und seine Stimme tut das Ihrige. Ihn begleitet Remy, der Gitarrist von Texaroma, auf einer weiteren Gitarre. Für einige Titel kommt noch Jay’s Freund Mr. Banana dazu, ein Flitzefinger sondergleichen. Auch dieses Konzert kann uns begeistern, obwohl der Sound anfänglich nicht ganz ausgewogen scheint.

Und dann steht noch der Abend im Saal an: „Wieder so laute Musik, den ganzen Abend, lieber wären mir jetzt ein paar gregorianische Gesänge oder einfach nur Ruhe…“, nörgelt Mauro mit einem breiten Grinsen. Und leert seinen Bierbecher. „Un'altra birra, Tony?"

Ja, und so wird es: Laut.

Mike Sponza mit seiner Band macht den Anfang. Und da knallt es von Anfang an. Ein eingespieltes Powertrio. «Fire», «5 Long Years» oder «Can’t Hold Out», zu dem dann Tonky de la Peña noch mit einsteigt, seien als einige der Titel aus seinem Set genannt. Auch hier kann man eine kompakte Bandleistung bescheinigen mit einem Frontmann, der sein Handwerk versteht. Klasse.

1600 km sind sie gereist, sie kommen direkt aus Innsbruck, wo sie am Abend vorhergespielt haben: Enrico Crivellaro (Gitarre) , Raphael Wressing (Hammond B3) und Lukas Knöfler (Drums), den ich Lucki nennen darf. Herrn Wressing habe ich zuletzt mit Larry Garner gesehen. Da fungierte er mit seiner Hammond eher als Begleiter, aber hier…. Meine Güte, dieses so genannte «Organ Trio» würde mich schier vom Hocker hauen, wenn ich denn auf einem sitzen würde. Blues, Funk, Jazz, oder was weiß ich, egal, welche musikalische Schublade geöffnet wird, da donnert etwas ungeahnten Ausmaßes von der Bühne, ein Klang- Tsunami, der alles mitreißt. Eine Show, die sich gewaschen hat. Raphael Wressing traktiert, die B3, als gäbe es kein Morgen. Manches erinnert mich an die Performance von Keith Emerson damals 1972 in der Essener Gruga. Da steht der Mann plötzlich hinter der Orgel und spielt seitenverkehrt und im nächsten Moment auf dem Instrument, um es mit den Füßen zu traktieren... Was für eine Energie!



Bild 1: Mike Sponza, Roby Maffioli & Tonky de la Peña - Bild 2: Lukas Knöfler, Enrico Crivellaro & Raphael Wressing - Bild 3: Enrico Crivellaro & Raphael Wressing

Und was für ein Gitarrist. Einer der Sorte „far beyond“, ja jenseits allem Bösen und Guten zugleich. Was Enrico Crivellaro hier abliefert, nötigt so manchen Mund zur Maulsperre. Der hat einfach alles drauf. Da gibt es nichts dran zu rütteln, nichts, aber auch gar nichts. Der Mann spielt in einer Liga für sich.

Das Ganze wird rhythmisch getrieben von Lucki, einem 1A Schlagwerker, der in der Qualität nahtlos zu den beiden übrigen Agierenden passt.

Euch täte ein Bassist gut, das würde eure Möglichkeiten doch enorm erweitern.“, sage ich zu Lucki nach dem phänomenalen Gig. Der lacht und antwortet mit ebenso breiten Grinsen wie breiten österreichischem Akzent: „Das meine ich auch, aber das will der nicht so gerne.“ Und deutet dabei auf Raphael, der die Basslinien mit den Füßen spielt. Wir stehen noch mit der Band auf der Straße etwa eine Viertelstunde, dann geht es für sie wieder in den Van und zurück auf die Straße, zurück nach Österreich, wieder 1600km. Verpflegungspakete werden noch gereicht. Keine Atempause, der nächste Gig wartet.

Mike Deway aus Kanada spielt an diesem Abend auch ein zweites Set auf diesem Festival. Der Konzertabend wird lang, sehr lang. Für meine Kondition schon fast zu lang.

Maurizio Pugno bringt es später auf den Punkt: „Ein toller Abend, aber eindeutig zu viele Bands, drei elektrische Bands, das ist einfach zu viel, so was sollte man mit etwas Akustischem auflockern.“ Recht hat er. Nach keinem Tag war ich so k.o. wie ich es jetzt bin. Einige gregorianische Gesänge wären jetzt auch nicht schlecht oder einfach nur Ruhe. Die finde ich dann gegen vier Uhr endlich in meinem kleinen Zelt.

Sonntag, 23.08.2009

Der letzte Tag des Festivals. Ich mach’s kurz: Mauro Ferrarese und der gesamte „Italian Bus“, Matheiu Pesqué und Roll, Doug MacLeod und J. Sintoni mit Unterstützung der französischen Band Texaroma spielen jeweils ein weiteres Set. Der Nachmittag geht zu Ende und in den Abend hinein gibt es noch eine Jam Session, geleitet von Mike Sponza, der nach und nach alle Musiker zu einem nicht abgesprochenen Titel auf die Bühne holt. Hier sprühen dann noch einmal die Funken, sehr gut in Erinnerung wird mird mir Maurizio Pugnos Gitarreneinsatz in Johnny Cash's «I Walk The Line» bleiben. Die Tele twangt wie nur eine Tele es kann, wenn sie in guten Händen ist. Und bei Maurizio ist sie das gewiss.



Bild 1: Mr. Banana & J. Sintoni - Bild 2: Maurizio Pugno - Bild 3: das Abschiedsbild mit einigen der Akteure

Ein grandioser Abschluss eines grandiosen Festivals mit grandiosen Musikern.

Bereits, als der letzte Ton verklungen ist, macht sich etwas wie Melancholie breit, nicht nur bei mir, sondern bei allen Beteiligten, den Tonleuten, den Musikern, den Zuschauern, den Veranstaltern. Es war ein Mammutprogramm. Ja, in der Tat. Es war eine Riesendosis Blues. Für mich ist klar, dass ich von all dem Erlebten erst einmal Abstand gewinnen muss. Es war viel, sehr viel. Eindrücke, Gespräche, Begegnungen mit Menschen, die einem schnell ans Herz wachsen. Alle werden zu einem Abschlussfoto in den Saal gebeten. Für alle Beteiligten gibt es noch eine Paket mit bretonischen Spezialitäten. Abschiedsstimmung macht sich breit. Einige bleiben noch den Montag. Ich werde weiter ziehen. Noch ein paar Tage Urlaub in der Bretagne, diesem schönen Fleckchen Erde. Eins wird sicher bleiben: Die Erinnerung an ein tolles Bluesfest. Lob und Danke an die Organisatoren und Musiker, alle haben einen super Job gemacht.

À l’année prochaine, si le ciel me ne tombe pas sur la tête...bis zum nächsten Jahr, wenn mir der Himmel nicht auf den Kopf fällt...Vive le blues…

Text & Fotos 2009 Tony Mentzel

Tony Joe Gardner

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Blue Bayou Offline



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16.09.2009 18:08
#4 RE: Blues au Château vom 19. -23.08.2009 in La Chèze (F) antworten

Wie schön!
Eine ganze Woche lang auf einem Schloß in einem kleinen französischen Städtchen eingeladen zu sein, ist sicherlich schon eine feine Sache!
Und dazu dann noch, sozusagen "oben drauf", jeden Tag tolle Konzerte, spannende Sessions und Jams anschauen und anhören zu dürfen, ist ja noch viel besser!
Das Schönste sind aber sicherlich die vielen Gespräche mit den großartigen Musikern gewesen, die interessanten Begegnungen und die Freundschaften, die während dieser Woche Gemeinsamkeit zwischen euch entstanden sind.
Lieber Tony, ich wünsch dir schon jetzt für das nächste Jahr, dass es klappt und du wieder nach La Chèze fahren kannst!

Blue Bayou
Rosie


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(* Frank Zappa )

Gardner Offline




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21.09.2009 09:41
#5 RE: Blues au Château vom 19. -23.08.2009 in La Chèze (F) antworten

Die gesammelten Fotos zum Festival sind auf MySpace online: Einfach hier klicken...

Tony Joe Gardner

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Gardner Offline




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15.11.2009 14:09
#6 RE: Blues au Château vom 19. -23.08.2009 in La Chèze (F) antworten

Wer möchte und mag: Die Eindrücke meiner Bretagnereise und einige persönliche Anmerkungen zum Festival wie auch einige Fotos von hinter den Kulissen finden sich in meinem Blog: Einfach hier klicken...

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Tony Joe Gardner
...zu meinem Blog...
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Gardner Offline




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03.01.2010 20:06
#7 RE: Blues au Château vom 19. -23.08.2009 in La Chèze (F) antworten

Ich habe da ein paar kleine Videoschnipsel gefunden, der Esrte zeigt Marco Pandolfi, Tonky de la Peña , Maurizio Pugno, Guiliano Bei und Mirco Capecci...und einen unbekannten Fotografen, der mal wieder durchs Bild läuft...

http://vids.myspace.com/index.cfm?fuseaction=vids.individual&videoid=63756940

und hier noch was von Mike DeWay und Mike Sponza...

http://vids.myspace.com/index.cfm?fuseaction=vids.individual&videoid=64347795

und

http://vids.myspace.com/index.cfm?fuseaction=vids.individual&videoid=64317845

Tony

... zu meiner Homepage...
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Volker (SR) ( gelöscht )
Beiträge:

04.01.2010 07:00
#8 RE: Blues au Château vom 19. -23.08.2009 in La Chèze (F) antworten

... ich kenn den Fotografen, aber ich verrate nicht wer's ist .

Dankeschön für die Videos Tony. Mike DeWay war bisher ein Unbekannter für mich, nun steht er aber oben in der Liste meines Merkzettels. Leider find ich nichts vom ihm, weder beim JJBR Stammversender Amazon noch bei den anderen Anbietern. Suche ich nicht gründlich genug?

LG
Volker

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