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Dieses Thema hat 1 Antworten
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 JJBR im Gespräch mit...
Gardner Offline




Beiträge: 2.321

21.05.2009 18:45
Deborah Coleman am 01.04.2009 in Verviers antworten
JJBR
Wie kam es, dass du dir eine Gitarre geschnappt und mit dem Spielen begonnen hast?

Deborah Coleman
Oh, mein Vater spielte klassisches Klavier, als er noch jünger war, dann beschäftigte er sich mit der Gitarre. Als ich so acht Jahre alt war, bekam auch ich Interesse daran, ich dachte, das wäre etwas für mich und ich habe mich erst nicht getraut, ihn zu fragen, weil ich vorher noch nie eine Frau Gitarre spielen gesehen hatte, weder im Fernsehen noch sonst wo. So habe ich ihn eines Tages doch angesprochen, und er sagte: „Ja, in Ordnung.“ Und als ich sie einmal in den Händen hatte, konnte niemand sie mehr fortnehmen. Sie wurde zu einem Teil von mir. So fing alles an.


JJBR
Und war es Blues von Anfang an, oder irgendetwas anderes?

Deborah Coleman
Nein…eigentlich waren es die „Monkees“, weißt du (lacht) und die nächste Stufe dann war „Steppenwolf“ (lacht), angefangen mit Auftritten habe ich so mit 15 in einer Amateurband, wir spielten R&B und etwas Rock 'n’ Roll, Jimi Hendrix kam damals riesig an bei den Gitarristen und alle wollten ihn spielen. Zu dieser Zeit durfte ich gar nicht Gitarre spielen, weil mir die Jungs nur den Bass genehmigten, so habe ich eigentlich als Bassistin angefangen. Nach einem Jahr habe ich dann gesagt: „Ich will nicht mehr Bass spielen, sondern endlich Gitarre.“ So frech wie ich nun mal bin, sagte ich: „Vergesst es, ich will Gitarre spielen.“ Das dauerte dann noch eine Weile, wir spielten so etwas wie Jam- Sessions in Garagen oder Hinterhöfen oder sonst wo. Die Musiker kamen einfach zusammen, um zu spielen, so tauchte ich dann eines Tages mit einer Gitarre auf und sie sagten wieder: „Hey du spielst Bass!“ Ich sagte: „Nein, von jetzt an spiele ich Gitarre!“ und sie sagten „Na ja, ok, dann spiele mal…“ (lacht). So bin ich dann dazu gekommen. Mit 19 war ich mit einigen Schulfreunden auf einem Konzert, ich sah Muddy Waters, John Lee Hooker und Howlin’ Wolf zum ersten Mal. Das hat mich dann vom Rock weg gebracht, ich wollte herausfinden, was diese Jungs da spielten, so habe ich angefangen nachzuforschen und stieß auf Willie Dixon, der ja ein großartiger Bluesschreiber ist, wie jeder weiß. Ich wollte einfach mehr über diese Musik herausfinden. Das war zur selben Zeit wie die „British Blues Invasion“. Ich stand damals schwer auf die Rolling Stones, Led Zeppelin, Jeff Beck, John Mayall usw. Ich habe dann zu Hause weiter in den verschiedensten Bands gespielt, und nachdem meine Tochter alt genug war, habe ich beschlossen, jetzt mache ich richtig Musik und das wird in einer auf Blues basierenden Band sein, Blues, Bluesrock oder was auch immer: Aber die Grundlage wird immer der Blues sein. Seitdem mache ich das jetzt. Professionell bin ich jetzt seit 16 Jahren dabei. Nun, ich musste meine Familie zuerst groß ziehen. Ich denke, ich habe das so richtig gemacht.


JJBR
Dann bist du ja oft unterwegs…

Deborah Coleman
Oh Mann, da sagst du was, ich bin immer unterwegs, ich glaube innerhalb dieser 16 Jahre habe ich nur einmal Urlaub gemacht. Ich toure aber nicht mehr so viel wie früher, im Prinzip hatte ich ja eine kleine Pause, in den letzten paar Jahren habe ich ja beim Blues Caravan von Ruf Records mitgemacht. Das war auf eine bestimmte Art erholsam, weil der Stress den man als Bandleader mit all seinen Aufgaben hat, da nicht auf mich zukam. Ich war dort ja so etwas wie eine Nebenfigur und jemand anders hatte die Verantwortung für die Show. Für eine gewisse Zeit hat das Spaß gemacht, dann fing ich an, mich selbst zu vermissen. Nach zwei Jahren vermisst man sich selbst, das sage ich dir (lacht). So wurde es dieses Jahr allmählich Zeit, wieder mein Ding zu machen. Vor allem werde ich eine Menge in Europa touren. Ich habe dafür eine tolle Band zusammen gestellt: Aus Frankreich ist da an der Gitarre Olivier Freche, am Bass aus Großbritannien Roger Inniss und Denis Palatin aus Frankreich am Schlagzeug.


JJBR
Denis? Ist der hier?

Deborah Coleman
Yeah, Denis ist überall (lacht laut).


JJBR
Ich habe ihn vor ein paar Wochen noch mit dem Blues Caravan gesehen.

Deborah Coleman
Er ist auch erst heute Morgen eingeflogen von den Shows, die er in den letzten Tagen mit Oli Brown, Joanne Shaw Taylor und Erja Lyytinen zusammen gespielt hat. Letzte Woche hatten wir sogar einen Auftritt zusammen auf einem Festival, da haben wir uns alle gesehen, irgendwie komme ich von diesem Bleus Caravan nicht so richtig los. (lacht laut)


JJBR
Eine große Familie…

Deborah Coleman
Ja, Eine große Familie. (lacht laut). Ja, wir hatten eine Menge Spaß und es war toll, sie alle wieder zu sehen. Es war eine schöne Zeit mit dem Blues Caravan, aber jetzt ist es wieder Zeit für die Deborah Coleman Band.


JJBR
Hast du überhaupt noch Zeit, Songs zu schreiben?

Deborah Coleman
Die muss ich mir wohl nehmen (lacht laut). Ich plane ein Studioalbum innerhalb der nächsten 6 Monate. Mit dieser neuen Band habe ich gerade eine Live- CD aufgenommen. Das war am letzten Wochenende. Roger und ich waren noch bis 3 Uhr heute Morgen im Studio, um sie fertig zu stellen. Ich mag sie sehr und sobald ich wieder nach Hause komme, werde ich alles Weitere veranlassen, damit sie dann auch veröffentlicht wird.


JJBR
Wird dies eine einfache oder eine Doppel CD?

Deborah Coleman
Ein Einfache. Wir sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Die wird so richtig gut.


JJBR
Gib Bescheid, wenn sie raus kommt.

Deborah Coleman
Ja, ja klar, ich kann dir ja auch eine schicken….


JJBR
Ja, tu das. Wir spielen doch deine Songs. «Goodbye Misery» in der Live- Fassung ist einer meiner Lieblingstitel. Den habe ich gestern Abend noch in meiner Show gespielt.

Deborah Coleman
Das finde ich toll, dann werde ich den Jungs in der Band den Song auch noch beibringen. Wenn die Leute ihn immer noch hören wollen…
(lacht)

JJBR
Wie gehst du beim Songschreiben vor?

Deborah Coleman
Ich beobachte häufig die Menschen, auch bin ich etwas älter jetzt und kann auf eine Reihe von Erfahrungen zurückblicken. Am besten ist es immer noch für mich, wenn ich so mit meinem Wagen herumfahre und mir dann diese Ideen in den Kopf kommen, von denen ich dann sage: „Da mache ich jetzt einen Song draus.“ Ich habe immer ein kleines Bandaufnahmegerät bei mir, wenn mir etwas einfällt, halte ich es damit fest.


JJBR
Wenn du dir ein paar Songs in einem Radioprogramm wünschen könntest, welche wären dies?

Deborah Coleman
Wow. Diese Frage hat mir noch niemand gestellt. (lacht). Das ist eine verdammt Gute. Nun, ich mag so viele Sachen. Für ein Bluesradio würde ich sagen: Etwas von Etta James, Howlin’ Wolf, den mag ich wirklich sehr, irgendetwas von diesen alten Delta- Sachen, die mag ich auch sehr, Son House, das wäre etwas, was ich mir wünschen würde, «John, The Revelator».


JJBR
Ok, das spiele ich für dich.

Deborah Coleman
Toll, ja, spiele das.


JJBR
Und von deinen eigenen Songs?

Deborah Coleman
Uuuuuhhh… (lacht) ...oooooh, ich weiß nicht, es gibt da zirka 30 Songs, ich bin einfach noch nicht lange genug in der Blueswelt, wie man so schön sagt, vielleicht einiges von meinen Balladen: «The Deserted Highway», «The Dream», «A Soft Place To Fall», ach ja, ich liebe meine Balladen. Die Uptempo- Sachen natürlich auch, aber vor allem die Balladen. Ich bin wohl eher eine Balladenschreiberin.


JJBR
Die letzte Frage: Dein Equipment. Was hast du heute Abend hier?

Deborah Coleman
Eine 1960 Reissue Gibson Les Paul, sie wurde mir vom Vize- Präsident von Gibson in Amerika übergeben. Sie ist eine Spezialanfertigung für mich in Bezug auf die eingebaute Elektronik. Es ist ein Unikat. Die Einzige in der Art in der Welt. Außerdem ist sie die einzige Blaue in der Welt.


JJBR
Ist das die Einzige, die du dabei hast heute Abend?

Deborah Coleman
Das ist die Einzige, die ich mitgebracht habe, das ist mein „Baby“. Als Verstärker benutze ich heute einen Fender Deluxe, zu Hause habe ich noch einen Fender Twin und einen Fender Blues Junior, dazu habe ich noch diverse Gitarren zu Hause: Ene Line 6, eine Martin Akustik, drei Fender Telecaster und eine Stratocaster und was (Effekt-)Pedale angeht, benutze ich sie eigentlich nie, so lange ich eine gute Kombination zwischen Gitarre und Verstärker hinbekomme. Für alle Fälle habe ich noch ein Boss Distortion / Overdrive Pedal dabei, das ist alles und noch ein wenig Hall, dann haben wir’s. Eigentlich ein sehr einfaches Setup. Ich halte es so einfach wie möglich. Und liebe Verstärkerhersteller: „Je weniger Knöpfe, umso besser!“
(lacht laut).

JJBR
Ok, Deborah, machen wir hier Schluss. Ich danke dir für das Gespräch, es hat sehr viel Spaß gemacht.

Deborah Coleman
Danke dir, Tony, wir bleiben in Verbindung, genieße die Show. Bis zum nächsten Mal.



Copyright: 2009 Juke Joint Bluesradio
Weiterverwendung und Kopieren, auch auszugsweise, nicht erlaubt.

Hier geht es zum Konzertbericht...

Tony Joe Gardner
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„Ich möchte Leute hören, die sich für bestimmte Sachen interessieren, die sich die Mühe machen, Sachen zu finden, die ich vielleicht sonst nicht hören würde. Die Stücke spielen, weil sie meinen, daß andere Menschen sie einfach hören müssen.“ - Alan Bangs

"A balance between things that you know people will like and things that you think people will like." - John Peel

Dorah Offline



Beiträge: 76

26.05.2009 11:15
#2 RE: Deborah Coleman am 01.04.2009 in Verviers antworten

Hallo Gardner! Ich habe das schon öfters gesagt aber es ist immer wieder so: eure Interviews finde ich immer interessant. Hier zum Beispiel kann man Deborah Coleman auf eine lockere Art und Weise etwas näher kennen lernen. Sie scheint eine humorvolle und sehr symphatische Frau zu sein, die für ihre Musik und alles was damit zusammenhängt lebt. Selbst wenn die Tourneen usw. stressig sind, wie sie es ja selbst auch sagt, macht sie immer wieder von neum dabei mit und kann damit nicht aufhören. Man merkt an ihren Worten das Musik ihr Leben ist und ihr viel bedeutet. Interessant ist auch jedesmal zu lesen, wie die Künstler an das Songschreiben herangehen, jeder hat da so seine spezielle Art, Deborah Coleman macht es zum Beispiel gerne im Auto das bedeutet ja das ihr auch während des Autofahrens die Musik im Kopf herumgeht. Ich wünsche ihr das sie weiter ihren musikalischen Weg geht und noch viele Konzerte gibt. Vielen Dank für das Interview.

Gruß von Dorah

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