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Dieses Thema hat 6 Antworten
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 Konzertberichte
Gardner Offline




Beiträge: 2.321

17.05.2009 15:13
Henrik Freischlader & Johnny Winter am 15.05.2009 in der Börse, Wuppertal antworten
Johnny Winter ist auf Europatour. Für sein Konzert in Wuppertal wurde Henrik Freischlader mit seiner Band als Opener erkoren.

Eine gute Wahl, wie sich gleich nach den ersten Takten herausstellt. Henrik ist in bester Spiellaune, genau wie seine neue Band.

Im Gepäck hat er für sein etwa einstündiges Heimspiel heute Titel wie «Too Cool For Me», «She Ain’t Got The Blues», «Oh, Pretty Woman» von Albert King, «I Loved Another Woman» von Peter Green, diese Interpretation gefällt mir äußerst gut, feinfühliges Gitarrenspiel, klasse Gesang, sehr dicht am Original, aber immer noch Henrik.

Hier deutet sich an, dass er sich wieder mehr dem Blues zuneigt. Und das passt zu ihm und seiner Spielweise und zu seiner Band. Sehr schöne Hammondflächen wie –soli von Moritz Fuhrhop, der auch beim Projekt «5 Live» mit dabei war/ist und u. a. mit Larry Garner gespielt hat, bereichern das Gesamtsoundbild. Platz für Ausflüge ins Reich der Improvisationen ist reichlich vorhanden und wird dankbar genutzt. Getragen wird all dies von Theofilos Fotiadis mit seinem Music Man Bass und Hardy Fischötter am Yamaha Drumset.

Das Ganze klingt frisch und frech und es macht richtig gute Laune. Der passende Einstieg für einen denkwürdigen Bluesabend.

Mit Jimi Hendrix’ «Foxy Lady» beschließt Henrik Freischlader sein Set. Der lautstarke Applaus ist mehr als verdient.

«Vielleicht ziehe ich demnächst ja wieder nach Wuppertal…», mit diesen Worten verabschiedet er sich vom Publikum.



Es folgt eine Umbaupause, die dank vieler helfender Hände ziemlich zügig und professionell von statten geht.

Dann ist es endlich soweit. Paul Nelson, Scott Spray (Bass) und Vito Liuzzi (Drums) betreten die Bühne. In einem Instrumental zeigt Paul Nelson seine Fingerfertigkeit an der Gitarre. Er ist ein exzellenter Techniker. Der Titel sagt mir persönlich nichts und bringt mir auch nichts. Stilistisch liegt er im Bereich Gitarrengewitter mit allen Licks und Tricks, die ein moderner Gitarrero wohl drauf haben muss, um ein Publikum zu beeindrucken. Ich bin allerdings weniger beeindruckt, aber froh, als dieses Gewitter wieder vorbei ist und der eigentliche Hero des Abends leicht nach vorne gebeugt die Bühne betritt und sich in kleinen Schritten seinem Stuhl nähert, der bereits auf ihn wartet. Paul Nelson bleibt auf der Bühne, was er bei früheren Konzerten nicht getan hat, von nun an begnügt er sich mit der Rolle des Rhythmusgitarristen.

Johnny Winter greift seine bereitliegende weiße Erlewine Lazer Gitarre, sein erster Titel ist wie gewohnt Freddy King’s «Hideaway».

«Sugar Coated Love» und «Boogie Real Low» folgen. Auf mich macht Johnny einen weitaus fitteren Eindruck als vor zwei Jahren, als ich ihn das letzte Mal sah. Klar, er wird nie mehr die Power vergangener Tage erreichen, wer dies erwartet, erwartet Wunder. Doch trotz allem freut es mich, ihn wieder zu sehen und auch zu wieder live zu hören. Die paar kleinen Patzer in seinem Spiel sind verzeihlich.

Johnny Winter bleibt für mich eine unantastbare Institution und als solche werde ich ihn auch in Erinnerung behalten.

Was mir so gar nicht gefallen will, ist der Sound bei diesem Konzert. Teilweise matscht er enorm, der Bass dröhnt alles zu. Zunächst schiebe ich dies auf meinen Platz direkt an der Bühne. Aber Leute, mit denen ich nachher spreche und die ganz wo anders im Saal standen, haben denselben Eindruck.

Schade eigentlich, denn bei Henrik Freischlader konnte man sich über den Sound nicht beklagen.

Wie dem auch sei: Johnny spielt sein Set gespickt mit Titeln, die wir von ihm erwarten, es gibt nichts Neues unter der Sonne, äh, den Bühnenscheinwerfern. Besonders gefallen hat mir seine Version des Hendrix- Klassikers «Red House».

Als Johnny seine berühmte Gibson Firebird gereicht bekommt, weiß der geneigte Fan, dass es Zeit wird für die Slide Titel. Und so ist es dann auch J.B. Lenoir’s «Mojo Boogie» und Bob Dylan’s «Highway 61» sind an der Reihe und bieten damit die Schlusspunkte eines Konzertes eines der besten musikalischen Vertreters einer Zeit, die ihren festen Platz in der Musikgeschichte hat. Diese Zeit ist nun einmal vorbei, was bleibt, sind Erinnerungen, die immer wieder aufblitzen, wenn man Konzerte der Heroen von damals erleben kann, ohne dass das Ganze zu einem Nostalgietrip wird.



Dafür danken kann man Künstlern wie Johnny Winter nicht genug, dass sie sich immer noch den Strapazen einer ausgiebigen Tour aussetzen, um uns, den Fans, weiterhin ihre Musik zu schenken.

So bin ich froh, dieses Konzert miterlebt zu haben und einer der zirka 800 Zuschauer in der der ausverkauften Wuppertaler Börse gewesen zu sein. Der Beifall ist laut und die Zugabe- wie „Johnny. Johnny“- Rufe ebenfalls, aber Johnny kommt nicht mehr zurück auf die Bühne. Die Stagehands beginnen mit dem Abbau der Mikrofone, das Saallicht geht an. Die meisten Zuschauer verlassen den Saal.

Ich bleibe noch etwas, hier und da ein Gespräch mit Bekannten und Unbekannten. Paul Nelson durchquert die Halle. Ich spreche ihn kurzerhand an, ob es möglich ist, Johnny für einen Gruß ans Mikrofon zu bekommen. Es ist möglich! Johnny signiert in seinem Nightliner fleißig CDs und LP- Cover, gruppenweise werden Fans bis vor die Tür des Busses vorgelassen.

Als Letzter darf ich sogar den Bus betreten. Die Band sitzt auf bequemen Sesseln, Johnny sitzt an einem Tisch und unterschreibt noch einige Autogrammkarten.

Ich stelle das Radio und mich kurz vor. Dann spricht er mir „Hi, this is Johnny Winter, you’re listening to Juke Joint Bluesradio.“ in den Recorder. Und da ich seit ein paar Minuten Geburtstag habe, bedanke ich mich für das schöne Geburtstagsgeschenk, einmal mit Johnny Winter gesprochen zu haben. Spontan greift er meine Hand, drückt sie kräftig: „Happy birthday, Tony.“ Die Band schließt sich den Wünschen an.

Ein schöner und wohl unvergesslicher Einstieg in das neue Lebensjahr.

Danke an Johnny Winter für diesen Moment und für seine Musik, die mich schon lange in meinem Leben begleitet. Und so wird es auch weiter sein…

Text und Fotos © 2009 Tony Mentzel

Tony Joe Gardner
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„Ich möchte Leute hören, die sich für bestimmte Sachen interessieren, die sich die Mühe machen, Sachen zu finden, die ich vielleicht sonst nicht hören würde. Die Stücke spielen, weil sie meinen, daß andere Menschen sie einfach hören müssen.“ - Alan Bangs

"A balance between things that you know people will like and things that you think people will like." - John Peel

HRVolker Offline




Beiträge: 727

17.05.2009 16:09
#2 RE: Henrik Freischlader & Johnny Winter am 15.05.2009 in der Börse, Wuppertal antworten

Tach zusammen,
und ich war einer von den Adabeis, auch dabei!
Henrik und seine Band, wie von Tony geschrieben, fast saubererer Sound, die Gitarre übertönte an meinem Standplatz ein bißchen die Hammond, von Bass und Schlagzeug eine Klasseleistung und Henrik heißt jetzt fast wieder Freischlader, bei den letzten Konzerten mit seiner Band, die ich von ihm hörte, taufte ich ich schon um zu Frickelschlader.
Und dann einer der Heroen des weißen Blues für mich, neben Rory Gallagher und Peter Green, einer derjenigen welcher, Johnny ist in guter Form, ein paar Vergreifer, was solls, uninteressant bei seiner Geschichte.
Die Band unterstützt ihn sauber und gekonnt, der Sound ist leider nicht sehr ausgewogen, an meinem Standplatz übertönt der Bass etliches, aber trotzdem, ein nettes Konzert.
Mir gefällt seine Interpretation des Ray Charles Klassikers Black Jack besonders gut und beim Lone Wolf, einer Komposition seines letzten Albums I`m A Bluesman, geht es ganz schön ab.
Alles in allem ein netter Abend in meiner alten Heimatstadt Wuppertal!

Gruß

HRVolker

http://volkerseinezeilen.blogspot.com/

http://volkerfroehmer.wordpress.com/

JazzCopy Offline




Beiträge: 225

17.05.2009 18:44
#3 RE: Henrik Freischlader & Johnny Winter am 15.05.2009 in der Börse, Wuppertal antworten

Hallo Liebe Bluesfan`s ,

zunächst einmal vielen Dank Tony für den klasse Bericht ,ich kann Dir nur in allen Punkten zustimmen .
Nachdem ich ja in vergangenen Jahren viele Topmusiker innerhalb der Blues-Rock Scene nicht mehr Live erleben konnte ,bin ich wirklich sehr froh das ich diesen Johnny Winter in guter Erinnerung behalten werde .
Ich bin Stolz darauf das ich ihn gesehen und gehört habe !
Hätte ich gewußt das er noch Autogramme unterschreibt ,tja, dann wäre ich noch etwas geblieben ,aber so
freut es mich halt das Tony seinen Spass hatte und in Diensten des Blues erfolgreich war und ihm ein
echtes bleibendes Geschenk zum Geburtstag machen konnte .

Liebe Grüße
*JC*

BlueVoice Offline




Beiträge: 12

18.05.2009 15:28
#4 RE: Henrik Freischlader & Johnny Winter am 15.05.2009 in der Börse, Wuppertal antworten

moin zusammen:-)

nachdem ich mir jetzt drei - bis fünfmal tony s sehr umfassenden konzertbericht durchgelesen habe, bekomme ich langsam zweifel an mir selbst...: waren wir wirklich auf dem gleichen konzert?

henriks gig war ohne zweifel sehr professionell und gut gemacht,wenn auch der sound erst während des konzerts langsam stimmiger wurde. emotional kam es mir allerdings doch ein bisschen "too cool" rüber...eher wie ein pflichtjob, den man eben erledigt. irgendwie sprang zumindest bei mir der funke nicht recht über, wenn auch musikalsich und technisch nichts an dem gig auszusetzen war. aber das mag meine persönliche empfindung sein. ich hab ihn x-mal in allen möglichen locations hier im umfeld gesehen, und bin der meinung, dass ich schon ergreifendere konzerte von ihm gehört habe. fakt ist, dass er die halle auch alleine voll bekommen hätte, und dann wär die post sicher anders abgegangen.

dann die johnny winter band: ein sehr dynamisches intro der drei herren. wirklich schade, dass der mir bis dato unbekannte gitarrist sich hinterher so zurücknehmen musste...aber so ist das leider oft, wenn "altstars" auf tour gehen.

der sound war jedenfalls schonmal, von meinem standort aus, brei und blieb es leider auch. johnny winter war nicht zu sehen, weil keiner daran gedacht hatte, ihn vielleicht etwas erhöht zu positionieren. sowas ist einfach sch...organisation und absolut unprofessionell. wie weit JW darauf einfluss hat, ist mir allerdings nicht bekannt.

ein "paar verspieler" ist allerdings geschmeichelt. teilweise differierte die komplette tonart...ich weiss nicht, ob er sich einen gefallen damit tut, in dieser form aufzutreten. meiner meinung nach ist das pure selbstdemontage und schade drum.
und ob er uns seine musik freiwillig "schenkt" oder eben einfach, um zu überleben , noch auftritt, wird er uns bestimmt nicht verraten.

wie auch immer, ich hatte meinem sohn die karte zum 17. geburtstag geschenkt, und es war doch leider eher ein reinfall. wir sind um 23:10 gefrustet abgehauen...

alles eine frage der sichtweise?

sorry..

herzliche grüsse, ulli

keep it simple

Gardner Offline




Beiträge: 2.321

26.05.2009 14:45
#5 RE: Henrik Freischlader & Johnny Winter am 15.05.2009 in der Börse, Wuppertal antworten

Die Fotostrecken sind online... Henrik Freischlader und Johnny Winter

Tony Joe Gardner
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„Ich möchte Leute hören, die sich für bestimmte Sachen interessieren, die sich die Mühe machen, Sachen zu finden, die ich vielleicht sonst nicht hören würde. Die Stücke spielen, weil sie meinen, daß andere Menschen sie einfach hören müssen.“ - Alan Bangs

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Blues-Minchen Offline



Beiträge: 4

09.06.2009 10:17
#6 RE: Henrik Freischlader & Johnny Winter am 15.05.2009 in der Börse, Wuppertal antworten

Hallo,
ja es ist jetzt schon fast 4 Wochen her, das Konzert in der Börse. Hatte mich auch sehr gefreut endlich mal Johnny Winter wiederzusehen. Man hätte wahrscheinlich mehr davon gehabt, wenn Henrik Freischlader zum Schluß gespielt hätte. Da hätte er sich richtig austoben können. So hat er nur ein kleines Repertoire gespielt und mußte fertig sein. Dann der lang ersehnte Johnny Winter. Ich denke, die Band hat einiges überspielt. Ich konnte kein Gitarrenspiel von Johnny hören!? Bin dann auch gegen 23 Uhr nach Haus. Behalte ihn lieber in alter Erinnerung.
Gruß mit Blues

Dorah Offline



Beiträge: 76

16.07.2009 16:00
#7 RE: Henrik Freischlader & Johnny Winter am 15.05.2009 in der Börse, Wuppertal antworten

Hallo Gardner! Eine Geburtstagsgratulation von Johnny Winter bekommt ja nicht jeder, das ist ja wirklich was ganz besonders und einmaliges. Das wirst du bestimmt niemals vergessen. Dein Bericht ist wieder sehr schön und realistisch und auch optimistisch geschrieben, es ist schön zu lesen das Johnny Winter ziemlich fit ist, so das er wieder auf Tournee gehen kann. Ich habe ihn mal in den achtziger Jahren zusammen mit seinem Bruder Edgar live gesehen, das rockte! Interessant ist an deinem Bericht auch, das beide, also johnny Winter und Hendrik Freischlader was von Jimmy Hendrix gespielt haben. Interessant wäre nun wer dabei wohl das bessere Feeling gehabt hat, ich denke mal Johnny Winter. In deiner Fotostrecke sind auch wieder supertolle Aufnahmen, sehr schön für Leute, die nicht dabei waren.
Gruss von Dorah

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