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 Konzertberichte
Gardner Offline




Beiträge: 2.321

12.05.2009 03:23
Boo Boo Davis am 10.05.2009 im Café de Weegbrug, Roermond (NL) antworten
Boo Boo Davis ist eins dieser Relikte aus scheinbar längst vergangenen Mississippi Bluestagen. Er sagt mir über sich, dass man ihn den «Chicken Man» nennt. Dabei presst er aus einem Plastikhuhn ziemlich unerquickende, quiekend- ächzend- krächzende Töne und grinst über beide Backen.

Schaut man dem 1945 in Drew, Mississippi, als James Davis geborenen Sänger und Harmonikaspieler auf der Bühne zu, wird man nach und nach in seinen Bann gezogen. Angst vor einem Voodoo- Zauber braucht man allerdings nicht zu haben. Der Mann ist äußerst friedlich.

Seine Musik ist archaisch und somit fern ab von jeglichen modischen Erscheinungen. Hier gibt es keinerlei Schnickschnack, hier lebt die ehrliche von Hand gemachte Musik. Schließt man die Augen, könnte man sich durchaus in einem nächtlichen Juke Joint am Mississippi wähnen, statt irgendwo zwischen Rur und Maas in einem Café im taghellen niederländischen Roermond.

Gespielt wird die Musik in einer Dreierkombination bestehend aus eben Boo Boo Davis und den beiden Niederländern John Gerritse an den Drums und Jan Mittendorp an den Gitarren. Sie haben gemeinsam mit Boo Boo Davis im vergangenen Jahr die CD «Name Of The Game» aufgenommen. Viele der dortigen Songs sind von den Dreien zusammen geschrieben worden. Klar, dass sie am heutigen Bluesnachmittag im Mittelpunkt der Setliste stehen. «Hot Foot», «I’m So Tired» «Why Do You Wanna Do It» sind einige dieser Songs.



Gitarre, ein minimalistisches Schlagzeug, Harp und Booo Boo’s Stimme, das sind die Zutaten, aus der diese Musik gezaubert wird. Den fehlenden Bass kompensiert Jan Mittendorp durch geschicktes Zupfen der tiefer gestimmten E, A und D Saiten auf seiner Gretsch oder seiner Squier Stratocaster. Er spielt sehr präzise und aufs Nötigste beschränkt, aber das ist auch eine Kunst, die nicht jeder beherrscht. Zum Variieren des Sounds benutzt er ab und an das WahWah- Pedal, das er ebenfalls nicht überstrapaziert. Kompliment für das beinahe unauffällige, aber äußerst gekonnte Gitarrenspiel.

In John Gerritse hat Boo Boo Davis einen Drummer, der genau wie sein die sechs Saiten spielender Kollege mit gutem Gespür für das Essentielle arbeitet. Nichts wirkt übertrieben, alles bleibt verhalten in einem gewissen Rahmen, aber immer versehen mit dem nötigen Drive und ein paar Überraschungslicks, die eben einen guten Schlagwerker auszeichnen.

Manche Titel beruhen auf einem monotonen Aufbau, deren eigentliche Würze dann in der Dynamik liegt. Es macht Spaß zuzuhören, wie diese Dynamik anzieht, und dann wieder abebbt. Das zeichnet eine eingespielte Formation aus.

Boo Boo Davis’ Stil lässt sich mit denen von R. L. Burnside oder Junior Kimbrough vergleichen. Manchmal klingt auch der große John Lee Hooker durch.

Sehr gut gefallen hat mir die Interpretation von «Dust My Broom» gegen Schluss des zweiten Sets. Dieser Song in dieser Version kriecht schleichend in deine Ohren und setzt sich dann im Kopf fest und du brauchst lange, um ihn wieder dort hinaus zu bekommen, wobei dies keinerlei Not und Eile tut, denn so wie er hier gespielt wird, hat er allen Grund länger zu verweilen.

Fazit: Boo Boo Davis und seine beiden Mitmusiker sind allemal ihr Geld und damit eine Eintrittskarte wert, die hier im Café de Weegbrug schlappe 10 Euro gekostet hat.

Text und Fotos © 2009 Tony Mentzel

Tony Joe Gardner
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„Ich möchte Leute hören, die sich für bestimmte Sachen interessieren, die sich die Mühe machen, Sachen zu finden, die ich vielleicht sonst nicht hören würde. Die Stücke spielen, weil sie meinen, daß andere Menschen sie einfach hören müssen.“ - Alan Bangs

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