Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden Impressum 

zum Radio | JJBR bei MySpace |

Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 0 Antworten
und wurde 685 mal aufgerufen
 Konzertberichte
Gardner Offline




Beiträge: 2.321

25.04.2009 15:01
Watermelon Slim & The Workers am 23.04.2009 im Muzikodroom, Hasselt (B) antworten
Bill Homans, aka Watermelon Slim, hat Studienabschlüsse in Journalismus und Geschichte. Er war als Soldat im Vietnamkrieg, kam als vehementer Kriegsgegner wieder nach Hause und ist seitdem Mitglied bei den «Vietnam Veterans Against the War», deren Button er stolz am Hemd trägt. Außerdem war er 30 Jahre als Trucker unterwegs und hat 3000 Meilen in der Woche auf den Highways zugebracht. Er war tatsächlich eine zeitlang Farmer und hat Melonen gezüchtet. Daher seine Namensgebung.

Seit 1970 macht er Musik und tritt öffentlich auf. Gespielt hat mit Leuten wie Henry “Sunflower” Vestine von Canned Heat, Bonnie Raitt, Robert Cray, John Lee Hooker oder Champion Jack Dupree. Er ist zweifach ausgezeichnet mit dem Blues Music Award, für den er darüber hinaus schon einige Male in verschiedenen Disziplinen nominiert war. Dazu kommen weitere Auszeichnungen und Nominierungen anderer Institute.

Dass dieser Mann, der vor kurzem 60 Jahre alt geworden ist, etwas zu sagen, zu erzählen hat, liegt auf der Hand. Und genau dies tut er mit seinen Songs und in den teils bissig- humorvollen Ansagen zu eben diesen.

Watermelon Slim ist ein Storyteller im Blues, der meint, das nicht jeder Titel mit „I woke up this morning and I found that my woman had gone“ beginnen muss. «George Bush und Dick Cheney hätten schon ausgereicht, einem die tägliche Dosis Blues zu verpassen». Seine eigenen Titel sind gespickt mit persönlichen Erfahrungen und Stellungnahmen zu sozialen und politischen Gegebenheiten. Man sollte sich in der Tat einmal die Muße nehmen und seinen Texten wirkliche Beachtung schenken.

Seine auf Tonträger gebannten Interpretationen finde ich schon grandios. Live ist er absolut ein Erlebnis. Er singt, spielt Harp oder Slidegitarre und das auf äußerst hohem Niveau. Begleitet wird er von seiner Band «The Workers».

Die besteht aus: Ronnie McMullen Jr. an der Gitarre, Cliff Belcher, am Bass und neu in der Band der Drummer Chris Stovall Brown.

Sie bieten den musikalischen Rückhalt für Watermelon Slim’s durch und durch sehr feine Titelauswahl, seien sie Cover anderer Interpreten z. B. «Smokestack Lightning» von Howling Wolf oder «Long Distance Call» von Muddy Waters oder auch Eigenkompositionen wie «Black Water», der durch Katrina zerstörten Stadt New Orleans gewidmet, «Who’s Goanna Pay (My Hospital Bill)», eine Auseinandersetzung mit dem so gut wie nicht vorhandenen sozialen Gesundheitssystem in den USA, «Distant Dad», ein Song für seine Tochter, die er lange nicht wiedersehen konnte, oder «Blues For Howard», den er für Howard Zinn geschrieben hat, dem Verfasser des Buches «A People’s History of the United States», einer Aufarbeitung - etwas abweichend von der offiziellen Darstellung - der amerikanischen Geschichte.



Gebannt schaue ich auf diesen Mann und höre ihm ebenso gebannt zu, er ist ein Mann, der so viel Lebenserfahrung hat und diese beinahe spielerisch umsetzt. Ein Mann der Worte, der Mimik, der Gestik und der Töne. In sich eine wunderbare Kombination.

Er schneidet ernste Themen an, tut dies aber keineswegs ohne Humor. Musikalisch ist Watermelon Slim ein waschechter Bluesman und als solcher eher im Delta Blues zu Hause als in einer anderen Bluesart.

Ich denke mal, dass es über 100 Zuschauer sind an diesem Abend, die in den Genuss dieses wunderbaren Konzerts kommen. Leider spielt Watermelon Slim auf dieser Tour nicht in Deutschland, wer ihn sehen will, muss über die Grenzen nach Belgien, Frankreich oder in die Niederlande.

Der Applaus ist riesig und das ist verdient, es gibt zwei Zugaben, die Zweite spielt Watermelon Slim ganz alleine. Er begleitet sich auf seiner Slidegitarre und singt einen Titel, der erst auf seinem kommenden Album erscheinen wird: «300 Miles».

Ein toller Abschluss für ein lange nachwirkendes Konzert mit lauten und leisen Passagen und einer ganzen Menge aufhorchen lassender Zwischentöne, die man nicht auf jedem Blueskonzert geboten bekommt.

Fazit: Ein Konzert mit diesem Herrn aus Oklahoma und seiner Band ist ein Erlebnis, das man unbedingt nicht verpassen
sollte.

Text und Fotos: © 2009 Tony Mentzel

Tony Joe Gardner
__________________________________________________
„Ich möchte Leute hören, die sich für bestimmte Sachen interessieren, die sich die Mühe machen, Sachen zu finden, die ich vielleicht sonst nicht hören würde. Die Stücke spielen, weil sie meinen, daß andere Menschen sie einfach hören müssen.“ - Alan Bangs

"A balance between things that you know people will like and things that you think people will like." - John Peel

 Sprung  
Xobor Forum Software von Xobor
Einfach ein eigenes Forum erstellen