Ein lauer Aprilabend an der Vesdre, dem beschaulichen Flüsschen, das durch Verviers fließt. Keineswegs zu vergleichen mit der mississippischen Hitze, die noch am selben Abend in derselben Stadt über uns hereinbrechen wird.
Diese Hitzewelle nimmt um 20:30 Uhr ihren Anfang, als Carl Weathersby, Gitarre, Kenny Smith, Drums, und Stephen Howard, Bass, auf die Bühne treten und als Trio den Konzertabend eröffnen. Aber auch jetzt schon in ihrer noch reduzierten Besetzung weiß das verzückte Kennerohr gleich, was es musikalisch erwarten kann an diesem Abend. Und das ist viel und grandios zugleich.
Aus dem Off setzt beim zweiten Titel die Harp ein, die Pierre Lacocque dank Funkübertragung nicht von der Bühne, sondern mitten aus dem Publikum ertönen lässt.
Noch ein, zwei Titel und das Quintett ist komplett: Die stimmgewaltige Sängerin Inetta Visor betritt die Bühne
Aus der Mississippi Heat entwickelt sich ein donnerndes Bluesgewitter, das in dieser Form seinesgleichen sucht.
Chicago Blues vom Allerfeinsten mit Ausflügen Richtung New Orleans und sogar in die Karibik zum Calypso und zu leicht und gut verdaulichen Reggaeklängen.
Die einzelnen Musiker wissen zu überzeugen. Das überragende facettenreiche Spiel von Pierre Lacocque im Begleit- und Solospiel zieht einen in seinen Bann. Pierre Lacocque hat eine Batterie von Effektgeräten dabei, um den Sound des Mississippi Saxofons noch variabler zu gestalten. Hier ein Tupfer mehr Hall, hier ein Hauch von Flanger, so lassen sich interessante Klangfarben auf der Mundharmonika erzeugen. Pierre’s Spieltechnik lässt keine Wünsche übrig, egal ob auf der diatonischen oder auf der chromatischen Harp.
Carl Weathersby ist eine Klasse und Institution für sich. Als Sideman für Leute wie Billy Branch, Nora Jean Bruso, Hubert Sumlin oder Rico McFarland und natürlich bei Mississippi Heat, um nur einige zu nennen, oder als Solist auf seinen eigenen Alben ist Carl Weathersby immer ein Garant für exzellentes Gitarrenspiel. Heute hat er eine Gibson ES 335 dabei, egal ob im begleitenden Rhythmus- oder im Solospiel, Carl weiß, was zu tun ist. Sein Spiel ist geprägt von Ideenreichtum und Feeling, was er spieltechnisch locker umzusetzen weiß. Es bereitet ihm offensichtlichen Spaß, mit den anderen Musikern auf der Bühne zu stehen und den Blues zu spielen.
Inessa Visor ist seit 2001 bei der Band. Ein wahres Powerpaket. Ihre vokale Bandbreite ist enorm, ihre Stimme setzt sie äußerst gefühlvoll ein. „Sie geht in die Songs hinein“, wie man so schön sagt, nein, an der Oberfläche bleibt d nichts. Eine wahrhaft gelungene Performance.
Stephen "The Kid" Howard hat den Beinamen „The Kid“ wohl wegen seines jungenhaften Aussehens, seit dem 12. Lebensjahr spielt er Bass und das in den verschiedensten Stilrichtungen: Blues, Jazz, R&B und Rock. Und was er hier auf der Bühne abliefert, ist saubere Arbeit, immer präsent, immer auf dem Punkt.
Kenny Smith hat das Schlagzeugspielen von seinem Vater gelernt, dem berühmten Willie "Big Eyes" Smith, der über dreißig Jahre die Trommelstöcke für einen gewissen Muddy Waters geschwungen hat. Kenny hat bereits für Pinetop Perkins, Big Bill Morganfield, Homesick James, Honeyboy Edwards oder Rusty Zinn getrommelt. Ideenreiches, präzises Spiel zeichnet auch ihn aus.
Insgesamt gesehen ist diese Band eine gut funktionierende Einheit, dies kommt bei allen Titel zur Geltung. Zu nennen wären da beispielsweise Ihre Präsentationen von «Cool Twist», die dann übergeht in ein relaxtes «Let’s Twist Again» oder «Tigerman», «Footprints On The Ceiling», alles tolle Bluestitel.
Die zirka 80 Zuschauer wissen das zu würdigen, als zurecht geforderte Zugabe spielt Mississippi Heat «Honest I Do», zunächst nur mit Gitarre, Harp und Gesang, Schlagzeug und Bass setzen erst später ein.
Ein toller Abschluss für ein tolles Konzert mit tollen Musikern mit einer tollen Titelauswahl
Fazit: Immer wieder nicht verpassen.
Text und Fotos: 2009 Tony Mentzel
Tony Joe Gardner __________________________________________________ „Ich möchte Leute hören, die sich für bestimmte Sachen interessieren, die sich die Mühe machen, Sachen zu finden, die ich vielleicht sonst nicht hören würde. Die Stücke spielen, weil sie meinen, daß andere Menschen sie einfach hören müssen.“ - Alan Bangs
"A balance between things that you know people will like and things that you think people will like." - John Peel
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