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Dieses Thema hat 4 Antworten
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 Konzertberichte
Gardner Offline




Beiträge: 2.321

06.04.2009 13:52
Blues’d Up am 04.04.2009 im CC de Borre, Bierbeek (B) antworten
Me faltan las palabras...”, so würde ich wohl diesen Bericht beginnen, wenn ich ihn auf Spanisch schreiben sollte. Ja, mir fehlen die Worte und jetzt ringe ich nach ihnen. Warum mir dieser Satz auf Spanisch und das gleich mehrfach schon gestern während des Konzertabends durch den Kopf schoss, ist mir schleierhaft, ändert aber nichts an seiner Aussage.

Was soll ich sagen, schreiben, wie soll man all das in Worte fassen, was sich auf der Bühne des Kulturzentrums de Borre im belgischen Bierbeek abgespielt hat?

Drei Vertreter, wie sie unterschiedlicher wohl kaum sein können, des ach so vielschichtigen Genre Blues gaben sich die Klinkenstecker in die Hand. Frischer, weißer, britischer Blues, der Güte Joanne Shaw Taylor’s, klassischer, weißer amerikanischer Blues, der Güte Sean Carney’s und klassischer, schwarzer Blues der Güte Larry Garner’s.

Nein, vergleichen kann man die drei Acts und die Agierenden nicht, das sollte man erst gar nicht versuchen. Drei Facetten eines Musikstils, die, wie sie hier sich präsentieren, zusammen genommen ein eigenständiges, einzigartiges Ganzes geben.

Ja, es ist eben diese Kombination, die mich einerseits der Worte beraubt, andererseits mit Glücksmomenten beseelt.

„Keepin’ The Blues Alive“, dieses Motto haben sich alle Akteure auf die Fahnen geschrieben und solange es Leute gibt, die dies so auf der Bühne zelebrieren, so lange es Leute gibt, die sich in der Verantwortung sehen, solche Konzertabende zu veranstalten und so lange es Leute gibt wie die schätzungsweise über 200 Leute, die dann solche Abende mit applaudierendem Leben füllen, so lange wird es auch diese Art der Musik geben, auch wenn mit ihr das ganz große Geld sicherlich nicht zu machen ist. Apropos Geld: Der Eintritt betrug 1ediglich 16 Euro.

Den Veranstaltern möchte ich an dieser Stelle ein großes Kompliment ausrichten. Alles war bestens durchorganisiert, die Umbaupausen waren recht kurz, was sicherlich daran lag, dass man sich vorher auf eine feste Backline aus Schlagzeugset und Bassverstärker geeinigt hatte, lediglich die Gitarrenamps wurden ausgetauscht. Gitarristen sind halt etwas eigen in Bezug auf ihre „Verstärkung des guten Tons“. Ja, das alles lief wie am Schnürchen. Gut fand ich auch, dass direkt vor der Bühne ein etwa ein Meter breiter Steifen für die fotografierende Zunft abgesperrt war.

Der Sound war allererste Sahne in diesem riesigen Konzertsaal. Kein Matsch, alles ausgewogen und transparent, egal, wo man sich im Saal aufhielt. Kompliment also auch an den/die Helden der vielen bunten Knöpfe und Schieberegler.

Zur Musik selbst und den Künstlern möchte ich folgendes sagen (so weit die fehlenden Worte allmählich wieder Eingang in meine Formulierungen finden):

Joanne Shaw Taylor und Band

Die Frau hat es einfach drauf und mir gefällt ihre Präsentation von Mal zu Mal besser. Ihre Stimme ist heute noch etwas rauer und rauchiger, was an ihrer leichten Erkältung liegen mag. Über ihre klasse Gitarrenarbeit brauche ich nichts mehr zu sagen, das steht schon an anderer Stelle beschrieben. Heute spielt sie lediglich ihre Fender Telecaster. Der optimale Sound für ihre ohne Schnörkel gespieltem Titel, beispielsweise: «Bones», «Time Has Come». Sogar einen Hendrix Titel hat sie im aktuellen Gepäck: «Manic Depression». Klar, der Knaller ist wieder einmal «Blackest Day» und klar auch, hier mit einem richtigen Ende und nicht diesem Fade- Out wie auf der CD. Live klingt Joanne sowieso besser als das der Silberling einfangen konnte.



Joanne, mach weiter so, du hast das Zeug zu einer ganz Großen. Begleitet wird sie heute von Andy Taylor am Bass und Nick Gibbs am Schlagzeug. Ein Powertrio in bester britischer Bluestradion mit reichlich frischem (Auf)Wind.

Sean Carney Band

Columbus, Ohio, ist der Heimatort von Sean Carney. Ehrlich gesagt, für mich ist er bis zu diesem Tag ein reichlich unbeschriebenes Blatt. Man kann einfach nicht alles und alle kennen, aber man kann ja täglich dazu lernen. Und heute lerne ich schnell, da steht jemand (zunächst) ganz alleine mit seiner Gibson Semiakustik- Gitarre auf der Bühne und spielt und singt den Blues. Und das in einer gesanglich wie gitarristischen Perfektion. Dann kommt Chris Brezicki mit seinem Kontrabass auf die Bühne und es entspannt sich ein Duett. Schließlich nimmt noch Eric Blume an den Drums Platz und das perfekte Trio ist vollständig.

Wir dürfen Titel hören wie: «29 Ways», «Goodtime Charly» oder «Too Many Cooks». Allesamt Titel und Interpretationen von allererster Güte. Dazu noch die bisweilen witzigen Showeinlagen, sie runden den tollen Gesamteindruck ab. Klasse Performance und wieder was dazu gelernt. Was will man mehr.



Nach dem Konzert kann ich kurz mit Sean Carney sprechen, er erzählt mir, dass er gerade aus Norddeutschland kommt, wo er mit seiner Band an Schulen den Blues, Motto „Blues & School“, vorgestellt hat. Ein lobenswertes Unterfangen.

Larry Garner und Band

Schlichtweg das I- Tüpfelchen an diesem Abend oder etwas martialischer: Der absolute Hammer. Ein brillanter Bluesman und eine brillante Band: Shedrick Nellon am Bass, der Österreicher Raphael Wressing an der Hammond B3 und am Kurzweil Keyboard für die Piano- Sounds und Lester Delmore an den Drums.

Larry Garner versteht es, mit seiner Art zu spielen und zu singen, einen sofort und ohne Umwege in seinen Bann zu ziehen. Das wirkt alles so leicht, so unangestrengt, locker und trifft sofort mitten ins offene Blueserherz. Dazu diese phänomenale Begleitband, allen voran Raphael Wressing, der der Hammond schon einiges abverlangt, was dieses Urgestein der Musikgeschichte aber liebend gern hergibt. In diesem Bandgefüge stimmt einfach alles, es ist so dicht, wie es nur sein kann. Vollblutmusiker, wie auch alle die anderen Künstler an diesem Abend.

Auf dem Programm stehen Titel wie: «Dreaming Again», «If She Tells You No» oder «Keep Singing The Blues». Alles Sahnestückchen allererster Güte.

Zwischen oder auch während der Titel gibt Larry in gekonnter Weise einige Anekdoten zum Besten. Beispielsweise von dem jungen Mann, der in seinem Autoradio die Bässe übertrieben laut gestellt hat und Hip Hop hört und meint, das sei ganz neue Musik und die müsse so wummen. Larry bewegt ihn dazu die Bässe herunterzudrehen, so dass man den Text verstehen kann. „Dafür hast du eh kein Verständnis, alter Mann.“, sagt der junge Mann. Larry lacht und fängt an den Text zu rappen. Dem jungen Mann steht der Mund offen. Larry meint darauf: „Siehst du, so neu ist diese Musik gar nicht, denn sie hat eine Wurzel, nämlich den Blues und wer den Blues versteht, kann man auch diese Musik verstehen.“

Als Zugabetitel gibt es «Raised In The Country» von Larry’s aktuellem Album «Here Today, Gone Tomorrow». In den Refrain stimmt das ganze Publikum ein, Joanne Shaw Taylor und ihre beiden Begleitmusiker haben sich mittlerweile auch in die ersten Reihe vorgearbeitet und singen mit. Eine große Party geht zu Ende und damit auch ein guter Tag für den Blues.



Irgendwann nach ein Uhr morgens erlöschen die Scheinwerfer auf der Bühne und ich sinke ermattet in einen Stuhl, der kurz vor dem Merchandisingstand steht. Sechs Stunden gefüllt mit bester Musik liegen hinter mir. Nach so einem Abend kann ich mich nicht sofort ins Auto setzen und nach Hause driften. Der Bruch wäre zu krass. Also sitze ich da und lasse den Abend ausklingen. Da legt sich eine Hand auf meine linke Schulter und eine Stimme fragt: „Were you raised in the country?“ Verdutzt drehe ich mich um. Hinter mir steht Larry Garner und lacht.

Text und Fotos © 2009 Tony Mentzel

Tony Joe Gardner
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„Ich möchte Leute hören, die sich für bestimmte Sachen interessieren, die sich die Mühe machen, Sachen zu finden, die ich vielleicht sonst nicht hören würde. Die Stücke spielen, weil sie meinen, daß andere Menschen sie einfach hören müssen.“ - Alan Bangs

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Blue Bayou Offline



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07.04.2009 12:54
#2 RE: Blues’d Up am 04.04.2009 im CC de Borre, Bierbeek (B) antworten

Joanne, Sean und Larry....das sind drei Personen, wie sie unterschiedlicher nicht sein können und doch bringen alle drei, jeder auf seine Weise, den Blues in seiner mitreissenden Kraft auf die Bühne.
Ein toller Bericht Tony, begeistert und begeisternd geschrieben und auch sehr gut zum mehrfach lesen geeignet.
Dass die Fotos wieder wunderbar sind, versteht sich von selbst...smile*

Blue Bayou
Rosie

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http://www.roswithageisler.wordpress.com

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(* Frank Zappa )

Gardner Offline




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10.04.2009 11:03
#3 RE: Blues’d Up am 04.04.2009 im CC de Borre, Bierbeek (B) antworten

Mich erreichte folgende Mail aus Belgien vom Veranstalter des Blues'd Up:

Hallo Tony,

Herzlichen Dank für dieses Konzertbericht. Es macht Spass beim Durchlesen und es freut mich das Sie von diesem Abend so genossen haben.

Vielen Dank für deinen Besuch.

Johan




Tony Joe Gardner
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Gardner Offline




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11.04.2009 12:45
#4 RE: Blues’d Up am 04.04.2009 im CC de Borre, Bierbeek (B) antworten
Eine kleine Impression von eben diesem grandiosen Konzertabend in Bierbeek:

Sean Carney & Band mit dem Titel Good Time Charlie...



Übrigens: Um ein besseres Bild zu bekommen, wenn das Video angelaufen ist, einfach unten rechts auf "HQ" klicken...

Tony Joe Gardner
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Gardner Offline




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13.04.2009 12:50
#5 RE: Blues’d Up am 04.04.2009 im CC de Borre, Bierbeek (B) antworten
Eine kleine Impression von eben diesem grandiosen Konzertabend in Bierbeek:

Joanne Shaw Taylor & Band mit dem Titel Blackest Day...(knappe 10 Minuten und ohne Ausblende)



Übrigens: Um ein besseres Bild zu bekommen, wenn das Video angelaufen ist, einfach unten rechts auf "HQ" klicken...

Tony Joe Gardner
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