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 Konzertberichte
Gardner Offline




Beiträge: 2.321

05.02.2009 19:29
Ten Years After am 04.02.2009 im Tatort in Übach antworten
Muss man zum Bluesrocksaurier Ten Years After nach all den Jahren im internationalen Musikgeschäft überhaupt noch etwas sagen? Ich finde ja, vor allem, wenn man einen solchen Abend wie den gestrigen mit ihnen verbracht hat.

Ganz kurzfristig habe ich für 18 Uhr einen Interviewtermin bekommen, was mich im wenn auch kurzen Vorfeld schon ein- bis siebenmal innerlich aufjauchzen lässt. Mir schwirren Bilder von ihrem legendären Auftritt in Woodstock durch den Kopf.
Da sitzen nun Leo Lyons, Chick Churchill und Ric Lee, also zumindest 75% von der Originalbesetzung plus ihr „Neuling“, Joe Gooch backstage an einem langen Tisch im Kellerbereich unter dem Saal. Drei Stunden vor ihrem Auftritt. Drei Stunden, die, so wie es nach und nach ergibt, ich heute mit einer der angesagtesten Bands meiner Jugendzeit verbringen werde. A dream come true. Doch davon mehr hier...

21Uhr – Showtime.
Als wir hoch in den Saal kommen, ist dieser proppenvoll mit Menschen, ich nehme an, dass es so etwa 200 sind. Ich kann gerade noch einen Platz direkt vor Chick Churchill’s Keyboard ergattern.

«Working On The Road» vom Album «Cricklewood Green» ist der Opener. Und gleich der erste Knaller aus der Reihe: „Wie lange habe ich das nicht mehr gehört?“. Zweifel an der Güte der Band habe ich eh nicht. Aber gleich dieser Klassiker ist ein wohltuender Volltreffer auf meine erfreuten Ohren und mein Langzeitgedächtnis. Genau diese LP liegt in meinem Auto und wartet darauf, signiert zu werden! Zwei weitere Titel daraus werden noch folgen: «50,000 Miles Beneath My Brain» und «Love Like A Man». Sweet Memories an das Jahr 1970 und den Summer of Love.

Natürlich bieten Ten Years After nicht nur Reisen zurück in ihre lange Geschichte. Aus den neueren Alben, die nach der Alvin Lee Ära entstanden, also schon mit ihrem seit nunmehr sechs Jahren amtierenden Sänger und Gitarristen Joe Gooch, sind ebenfalls einige Titel dabei. «Angry Words» und «She Keeps Working» von der aktuellen CD «Evolution» zum Beispiel. Diese Songs reihen sich naht- und problemlos in das sonst Dargebotene ein. Joe Gooch ist trotz seines Benjaminstatus längst ein ausgebuffter Gitarrist, der sich nie in Selbstverliebtheit verliert, er ist schnell, ideenreich, voller Feeling, driftet aber nie ab in Gefilde, denen Geist und Ohr nicht mehr folgen können, so wie es leider oft bei jüngeren Gitarristen vorkommt, die meinen, ein hoher Anteil an Technik im Spiel sei das Non plus Ultra.
Um es kurz zu machen: Sein Spiel passt zu den Songs und macht deren Wiedergabe authentisch. Auch die alten Schätzchen klingen, wie sie heute klingen sollen und können. Frisch und nicht „einfach“ nachgespielt, denn die Hörgewohnheiten haben sich mit der verbesserten Aufnahme- und Wiedergabetechnik ja auch verändert und was technisch heute mit relativ wenig Aufwand auf der Bühne möglich ist, das war vor 30, 40 Jahren - wenn überhaupt - nur in gut ausgestatteten Tonstudios realisierbar.

Um einen Gitarristen wie Alvin Lee zu ersetzen, braucht es nicht nur Spieltechnik, sondern auch die Frechheit, den Mut, es mit ihm aufzunehmen. Denn der Vergleich mit ihm wird ihn immer verfolgen. Was aber absolut unnötig ist, denn Joe Gooch ist mit voller Seele bei seinem Spiel und steht dem Altmeister in Nichts nach..



Und die drei anderen, betagteren Herrn? Die sind in bester Spiellaune. Es macht Freude, Leo Lyons an seinem Viersaiter zu beobachten, seine Bassläufe haben mich schon im Woodstock- Film die Kinnlade herunterklappen lassen. Da fliegen die Finger der beiden Hände über die Saiten, ein sehr präsenter Bass, eins der typischen Klangmerkmale von Ten Years After. Damals wie heute. Leo’s ergraute, langen Haare flattern vom am Boden stehenden Ventilatorwind getrieben im Kegel des hinter ihm leuchtenden Scheinwerfers. Er trägt immer ein freundliches Lächeln unter seinem an den Enden gezwirbelten Schnauzbart. Ein Mann, der für seine Musik lebt, wie er mir im Gespräch vorher gesagt hatte.

Ric Lee an den Drums ist ein präzis trommelndes Powerpaket der eigenen Art, das stellt er in einem ausgiebigen Drumsolo im Titel «Hobbit» eindrucksvoll unter Beweis.

Chick Churchill, dem ich aus 50cm Entfernung auf die Finger schauen kann, legt feine Orgelteppiche unter die Titel, brilliert in seinen Solopassagen, ob in Orgel- oder Pianosounds und ist zu dem immer für ein paar lustige Bemerkungen am Rande zu haben.

Was diese Band trotz oder vielleicht gerade wegen ihres hohen Alters auszeichnet ist der Spielwitz, der allen Beteiligten zu Eigen ist. Es ist eine Gute-Laune-Truppe mit sehr viel guten britischen Humor. Das konnte ich schon vorher erfahren, als wir zusammen saßen. Das bringen sie auch mit auf die Bühne. Von Stargehabe keine Spur. Ganz normale Verrückte, denen nur eins wichtig ist: Spielen. Spielen. Spielen.

«I Can’t Keep From Cryin’ Sometimes» in einer weit über zehnminütigen Fassung outet sich als Wundertüte von Zitatriffs aus der Rockgeschichte. (u.a. «Sunshine of Your Love», «Walk This Way», «Smoke On The Water»), Sie entspricht der Version aus dem 2005er Doppellive- Album «Roadworks».

Mit der Zugabe «Choo Choo Mama» endet nach zwei Stunden ein Konzert für Genießer. Eine Pause gab es nicht. Nach dem Konzert bekommt mein «Cricklewood Green»- Cover als Widmung von Leo Lyons: „Good luck with the station.“ Gemeint ist hier JJBR. Und Chick Churchill erklärt mir breit grinsend die Bedeutung von «Cricklewood Green». Sie hat mit dem Foto unten links neben der abgebildeten Statue zu tun. „ [i]Ein Feld bei Cricklewood, einem Stadteil von London, auf dem bestimmtes Grünzeug wächst. Kannst du es riechen? [/i]“

Fazit: Ten Years After ist oft in Deutschland unterwegs. Es gibt also viele Möglichkeiten, sie live zu erleben. Das sollte man gegebenenfalls unbedingt nicht verpassen. Oder sogar wiederholen. Es lohnt sich. Auf jeden Fall. Wie sagte Leo vor dem Auftritt: „You’ll enjoy it, I’m sure.“ Und genau so ist es….

Zum Interview mit Leo Lyons geht es hier...


Text und Fotos © 2009 Tony Mentzel

Tony Joe Gardner
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„Ich möchte Leute hören, die sich für bestimmte Sachen interessieren, die sich die Mühe machen, Sachen zu finden, die ich vielleicht sonst nicht hören würde. Die Stücke spielen, weil sie meinen, daß andere Menschen sie einfach hören müssen.“ - Alan Bangs

"A balance between things that you know people will like and things that you think people will like." - John Peel

Angefügte Bilder:
CG- Cover.jpg  
Gardner Offline




Beiträge: 2.321

11.02.2009 00:22
#2 RE: Ten Years After am 04.02.2009 im Tatort in Übach antworten

Tony Joe Gardner
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