Interview mit Neal Black am 13.01.2009 im Eschweiler Talbahnhof.
Nach dem Konzert dort hatte ich Gelegenheit, mit Neal Black Backstage ein paar Worte zu wechseln. Zeitweise anwesend waren auch Neal's Bandkollegen Vincent Daune und Kim Yarbrough.
JJBR Hi, Neal, wir haben uns ja schon in Luxemburg gesehen…
Neal Black Ja, im Juli..
JJBR Bist du oft in Deutschland?
Neal Black Nun, jetzt für diese beiden Konzerte und im April eine Woche in Süddeutschland und wir wollen versuchen, noch ein paar Termine im Juli und im August zu bekommen.
JJBR Auch in dieser Formation?
Neal Black Ja, im April auf jeden Fall in dieser Formation…
(Vincent Daune, der Drummer, kommt herein.)
Neal Black (stellt uns einander vor) Das ist Vincent - Tony.
Vincent Daune (lacht) Oh, wir kennen uns schon.
Neal Black Ah..
JJBR Ja, wir haben uns in Verviers gesehen, bei dem Konzert von Leadfoot.
Vincent Daune Ja, mit Leadfoot Rivet.
Neal Black Oh ja, Ok, das ist ein guter Freund von mir.
JJBR (lacht) Ja, das weiß ich, ich sage nur «Blues Conspiracy» *)
Neal Black (lacht) Yeah, yeah…
JJBR Wie kommt es, dass du nach Europa übergesiedelt bist?
Neal Black Ein Grund ist, dass ich ja seit 1993 bei Dixie Frog (Plattenlabel in Frankreich) unter Vertrag bin, also nun seit 16 Jahren. Und da ist es einfacher für mich, in Europa ansässig zu sein, um dort die Tourneen zu spielen, als dafür immer extra herüber zu fliegen. Als ich 2003 die erste Tour mit Vincent hier machte, lebte ich noch in Mexico, da bin ich herübergekommen und ich glaube, wir hatten 19 Konzerte in 21 Tagen. Und weißt du, rein ins Flugzeug und dann wieder raus aus dem Flugzeug, da ist es doch viel einfacher, gleich hier zu leben, als drei Mal im Jahr hierher zukommen, um all die Tourpläne zu erfüllen.
JJBR Du lebst in Frankreich?
Neal Black Ja, ich lebe in Frankreich.
JJBR Wo da?
Neal Black In der Nähe von Lyon. In Vienne.
JJBR Ich habe ein Jahr in Aix- en Provence gelebt.
Neal Black Ach was... nette Gegend da unten, eine Menge tolles Wetter.
JJBR Kommen wir zum Songwriting. Was ist bei dir zuerst da: Der Text oder die Musik?
Neal Black Das kommt drauf an. Wenn ich eine musikalische Idee habe, nehme ich sie erst einmal mit einem Recorder auf, bei Texten schreibe ich die zuerst in mein kleines Notizbuch. (Überlegt). Hm, das ist wirklich schwer zu sagen, Tony. Manchmal fange ich mit den Worten an, aber es kann passieren, dass aus dem Song dann ein Instrumental wird. Das ist wie ein Gemälde, weißt du, du weißt nie, was daraus wird, bis du es fertig hast. Dann beginnst du mit einer Textzeile, von der du denkst, das könnte die der Refrain eines Songs sein und am Ende ist sie nur eine kleine Zeile im Song. Es ist immer ein Entwicklungsprozess. Das Einzige, was dem dann Grenzen setzt, ist die die Studiozeit. Als ich noch in Texas lebte, nachdem ich 1998 von New York zurückgekommen war, wohnte ich in einem Aufnahmestudio, dort habe ich nie einen Song zu Ende gebracht, weil ich dieses Zeitlimit für die Songs nicht hatte. So ganz ohne Druck, weißt du? Ich habe damals nichts zu Ende gebracht, hatte aber 15 grandiose Ideen gleichzeitig, nur nicht den Druck, sie fertig zu stellen. Solch ein Druck ist manchmal ein wahres Geschenk.
JJBR Wie wichtig sind dir die Texte?
Neal Black Für mich sind sie außerordentlich wichtig. Wenn ich die Texte schreibe, versuche ich sie außerhalb des normalen Bluesstils zu formulieren. Ich covere zwar auch die alten Songs, so wie heute Abend, da haben wir ja auch Standards mit meinem eigenen Material gemischt. Aber die Songs, die ich schreibe, möchte ich außerhalb dessen stellen, was man „normalen Blues“ nennt.
JJBR Weg von den 12 Takten…
Neal Black Ja, weg von den 12 Takten, ein paar zusätzliche, eigene Wendungen hereinbringen, nicht immer so das Übliche.
JJBR Welches „Open Tuning“ benutzt du für deine Gitarren?
Neal Black Open D.
JJBR Immer?
Neal Black Ja. (zögert) Ja, zumindest heute, wenn ich noch in Open G oder Ähnliches spielen würde, müsste ich noch eine weitere Gitarre mitbringen oder auf der Bühne umstimmen.
JJBR Werfen wir einen Blick auf das Publikum. Gibt es da einen Unterschied zwischen USA und Europa?
Neal Black Einen großen Unterschied, einen riesigen Unterschied. Wir haben in ganz Europa gespielt und da ist es wie heute Abend. Da kommt jeder, um der Musik zuzuhören. Wenn du in den USA in einem ähnlichen Saal spielst wie hier, dann gibt es da einen Fernseher direkt neben der Bühne und einen Poolbilliardtisch auf der anderen Seite der Bühne. Da bist du nur einer von vielen Unterhaltungsmöglichkeiten, es ist wirklich selten, dass du mal fünf Konzerte hintereinander spielen kannst, bei denen die Leute nur zum Zuhören kommen. Die andere Seite in den USA: Da ich kann mich erinnern, dass ich mal jemand wie Roy Buchanan gesehen habe für drei Dollar Eintritt und dass die Leute, die dann herein wollten und bezahlen sollten, sich beschwerten: „Mensch, drei Dollar, das ist ein Bier, das ich weniger trinken kann. Wer ist dieser Typ, Roy B-u-c-h-a-n-a-n?“ So sieht die Mentalität in den Staaten aus. Nein, es ist ein richtiges Vergnügen, in Europa zu spielen.
JJBR Wie seid ihr eigentlich zusammengekommen, du, Fred Chapellier und all die anderen? Über die Plattenfirma?
Neal Black Fred habe ich getroffen, als ich, Kim (Yarbrough), Fred und Lucky Peterson an einem Projekt für Nina van Horn, einer französischen Sängerin gearbeitet haben. Kim kannte ich schon vorher. Und da haben wir uns überlegt, dass man ruhig einmal etwas mehr gemeinsam machen könnte. Vincent habe ich kennen gelernt durch den Bassisten Francis Campello (u.a. Chris Spedding, Billy Cobham, Anmerkung, JJBR) für die Tour zum Album «Dreams Are For Losers».
JJBR Dann habt ihr drei euch jetzt wegen der Tourneen zusammengetan?
Kim Yarbrough Wir haben uns auf einem Festival kennen gelernt, als ich mit Larry Crockett spielte.
Neal Black Larry Crockett war Drummer bei Martha Reeves, Popa Chubby…
Kim Yarbrough Neal war mit seiner eigenen Band auf dem Festival, da haben wir uns eigentlich kennen gelernt. Und dann sind wir in Verbindung geblieben.
JJBR Und Fred (Chapellier)?
Neal Black Letzten Oktober haben wir eine Reihe Konzerte zusammen gespielt. Frankreich, Holland. Er bringt jetzt eine neue CD raus mit Billy Price. Weißt du mit Fred, Kim und Vincent fühle ich mich wohl auf der Bühne, ich fühle mich auch wohl mit ihnen, wenn wir sechs Stunden im Bandbus sitzen, für mich sind das die Leute, mit denen ich arbeiten will. Mit ihnen wird es dir nicht leid, den ganzen Tag herumzufahren, auf die Bühne zu gehen und dort auch noch eine gute Show hinzulegen, es ist immer gut, mit solchen Leuten zusammen zu arbeiten, mit denen man gut auskommt, musikalisch wie persönlich.
JJBR Und Tom Principato?
Neal Black Mit dem habe ich nie gespielt.
JJBR Ach... Ich dachte, ich hätte da so was gelesen…
Neal Black Ja, ich bin auf Fred’s Roy Buchanan Tribute so wie er.
JJBR Aber ihr wart nicht zusammen im Studio?
Neal Black Nicht zur selben Zeit. (Lacht.) Moderne Technik!
JJBR (lacht mit) Tricky!!
Neal Black Fred spielt demnächst mit ihm zusammen.
JJBR Ok, Neal, ich danke dir, es war ein Vergnügen, es war schön, dich zu sehen…
Neal Black Dich auch, Larry, ach nein Tony (lacht), dein Nickname ist doch Gardner? (bei der Aussprache von „Gardner“ übergeht er ganz texanisch das „d“, so dass es wie „Garner“ klingt) Da sag ich immer Larry..
JJBR Zu viel der Ehre…
Neal Black Da kommt noch mehr Ehre: Als ich eben zu Klaus (Schmidt, dem Veranstalter) sagte: „Heute Abend kommt ein Freund von mir Tony Joe…“, da sagte er: „Ah, Tony Joe White.“ Und ich sagte: „Nein, Tony Joe Gardner“.
(Alle lachen…)
JJBR Danke noch mal.
Neal Black Es hat Spaß gemacht, Tony. Wir bleiben in Verbindung.
JJBR Yeah. Das werden wir.
*)«Blues Conspiracy» ist eine Formation, bestehend aus Neal Black, Alain "Leadfoot" Rivet und Nico Wayne Toussaint
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Tony Joe Gardner __________________________________________________ „Ich möchte Leute hören, die sich für bestimmte Sachen interessieren, die sich die Mühe machen, Sachen zu finden, die ich vielleicht sonst nicht hören würde. Die Stücke spielen, weil sie meinen, daß andere Menschen sie einfach hören müssen.“ - Alan Bangs
"A balance between things that you know people will like and things that you think people will like." - John Peel
schmunzelnd habe ich gerade dieses Interview gelesen, denn mich beeindruckt diese humorvolle Art und Weise einzelner Musiker. Man glaubt ja oft diese Herren wären streßgeplagt und hätten daher überhaupt keine Zeit für Fans und Publikum. Nein, so ist es absolut nicht, denn erfreulicherweise sind sie mitten unter uns. Vor dem Konzertbeginn und in der Pause war Neal mit uns an der frischen Luft und ich hatte den Eindruck dass er noch mehr rauchte als ich *lächel*. Für ein gemeinsames Foto stand Neal auch zur Verfügung, solch nette Gesten imponieren mir sehr. Fazit: es ist immer etwas schönes Freunde zu haben, und so gesehen bist Du echt zu beneiden lieber Tony.
Pit
Freedom is just another word For nothing left to loose (Janis Joplin)
Hi Gardner! Eure Interviews sind wirklich alle lesenswert. Nael Black ist mir bis dato nicht bekannt gewesen er scheint allerdings ein sehr symphatischer und lockerer Zeitgenosse zu sein. Aus seinen Worten kann man entnehmen mit wieviel Freude an der Musik die Band in der Welt unterwegs ist. Auch die Fotos sind sehr gelungen.
Gruß von Dorah
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Tony Joe Gardner __________________________________________________ „Ich möchte Leute hören, die sich für bestimmte Sachen interessieren, die sich die Mühe machen, Sachen zu finden, die ich vielleicht sonst nicht hören würde. Die Stücke spielen, weil sie meinen, daß andere Menschen sie einfach hören müssen.“ - Alan Bangs
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