Hi, angeregt von dem Zitat, das Tony immer anhängt, wollte ich mal wissen, was Alan Bangs eigentlich zur Zeit so macht. Da fiel mir ein Artikel in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung ein, den ich vor einigen Tagen erst gelesen hatte. Für diejenigen, die auch damals von seinen Sendungen - sei es Rockpalast oder Radio - beeinflusst wurden, hier der Artikel zum nachlesen.
Spiel’s noch einmal, Alan
Ein Hotelfoyer in Hannover. In der Mitte des hellen Ledersofas sitzt ein jugendlich wirkender Typ, blaue Jeans, weißes Hemd mit offener Knopfleiste, in der Hand ein Glas Latte Macchiato. Alan Bangs sieht sehr müde aus. Er hat in den letzten Nächten einige Stunden damit zugebracht, Kurzfilme für das Nachwuchsfestival „Up and Coming“ anzusehen. Er habe sowieso viel zu wenig geschlafen in der letzten Zeit, sagt der 55-Jährige. Und das hinterlässt auch bei denen Spuren, die sonst deutlich jünger wirken. Alan Bangs Gesicht ist Millionen Zuschauern in Deutschland bekannt, seit er den „Rockpalast“ moderierte. Das war zu Beginn der achtziger Jahre, jugendliches Publikum versammelte sich bei Freunden vor dem Fernseher, um ein paar Stunden lang Rockkonzerte zu sehen und Bier zu trinken. Bangs moderierte zahlreiche Musiksendungen mit seiner wunderbar präsenten Stimme, sein englischer Akzent gibt dem mitunter schroffen Deutschen eine milde Note. Wer seine Sendungen hörte, erfuhr von Bands, manchmal etwas arg ausführlich angekündigt, die in Hitparaden nicht auftauchten. Unbedarfte Zuhörer fragten sich, warum diese Schönheiten kaum Platz im Programm haben. Die Antwort: Bangs will Musik spielen, von der er meint, sie sei es wert, bekannt zu werden. Sender dagegen spielen lieber Musik, die schon jeder kennt. Die Geschichte von Alan Bangs ist auch eine vom oft unglücklichen Zusammentreffen eines leidenschaftlichen Musikfans mit dem öffentlich-rechtlichen Verwaltungsradio, das kaum eine Note sendet, ohne sich zuvor ängstlich mit Zielgruppenforschung zu vergewissern. So hat das Formatradio begonnen, das die immergleichen Songs spielt, angesagt von unmenschlich gut gelaunten Moderatoren, und es nimmt denjenigen die Zeit, die ihren Hörern nicht vorsetzen wollen, was ohnehin im ganzen Land gespielt wird. Bangs Arbeiten passen kaum ins Schema. Er produzierte eine fast einstündige Sendung, die sich nur mit dem Thema „Loser“, Verlierer, befasste. 43 Musiktitel wurden angespielt, verbunden mit Texten aus Philosophie und Literatur. Ein ähnliches Konzept setzte sich mit „Flüssen“ auseinander. Die Vorbereitung für solch ein Projekt, sagt Bangs, dauert Monate und dann kommen netto 300 Euro raus. Darüber hat er sich so aufgeregt, dass er das Geld den Tontechnikern schenkte. Der Engländer hat kein Image, das Aufträgen förderlich ist. „Die denken alle, dass ich schwierig bin. Bin ich auch, aber nur, weil ich mir nicht gerne reinreden lasse.“ Dass er in seiner Popsendung Chopin und Jacques Brel spielte, gefolgt allerdings von Jimi Hendrix, genügte dem Sender, die Reihe einzustellen. Als Bangs den Auftrag hatte, einen Film mit Musik zu hinterlegen, monierte eine Redakteurin ein Trompetenmotiv. Es wurde gestrichen, Bangs ließ es geschehen, „ich muss auch meine Miete zahlen“. Seine letzte Sendereihe auf Bayern 2 hat wohl keine Zukunft, weil der verantwortliche Mitarbeiter in den Ruhestand geht. Eine Freundin bekam auf die Frage, warum es im WDR nichts mehr von Alan Bangs zu hören gebe, die Antwort, es liege keine Bewerbung von ihm vor. Klar, dass es kein Schriftstück von dem Engländer gibt. „Ich habe 25 Jahre für die gearbeitet, die kennen mich, die wissen, was ich mache, was soll ich mich da bewerben?“ Es folgt eine kleine Tirade gegen Leute, die glaubten, etwas von Musik zu verstehen, nur weil sie ein paar Lieblingsplatten haben. Wissen, sagt Bangs, spiele eine immer kleinere Rolle in den Medien. Eine neue Radiosendung ist nicht in Sicht. Er sei selbst wohl ein wenig lethargisch geworden, glaubt er. Geschichten hätte er genug zu erzählen. Im Foyer macht er vor, wie sich der große Trompeter Miles Davis bei einem Interview im Sofa flezte und im Raum die Stimmung verbreitete, außer ihm seien alle anderen im Raum nur Würstchen – Bangs fragte, warum sich sein letztes Konzert so nach deutscher Marschmusik anhörte. Mittlerweile moderiert Bangs Veranstaltungen und spricht für Hörspielproduktionen. Das Angebot eines Internetradios lehnte er ab – die zahlen gar nichts mehr.
Quelle: HAZ vom 23.11.07
Zufall ? Auch Alan Bangs hat also so seine Probleme mit den öffentlich rechtlichen bzw. privaten Radios.
schön hier "Gleichgesinnte/Gleichverrückte" zu treffen: auch ich bin ein "Kind" von Alan Bangs "Nightflight", habe neulich noch einige Mitschnitte auf Cassette gefunden (ja, lange her......) und im Auto gehört: ich war immer noch begeistert über seine Songauswahl und Art der Moderation!
Wer sich näher für Alan Bangs interessiert: hier habe ich ein sehr ausführliches Interview mit ihm aus dem Jahre 2000 gefunden:
Hallo Joachim, klar, zu dem Interview habe ich jetzt natürlich sofort neugierig hingeklickt...sehr interessant! Besonders fiel mir diese Aussage auf - ich zitiere jetzt einmal: ...."Es gibt da einen amerikanischen Gitarristen mit Namen 'Rainer Ptacek' , der aus dem Umkreis von Giant Sand kommt, der eigentlich einen Laden hatte, in Arizona , in dem er Gitarren gebaut und repariert hat und der leider vor zwei Jahren an einem Gehirntumor gestorben ist. Der ist einfach genial - es gibt eine neue Platte, die gerade vor kurzem erschienen ist, die 1996 aufgenommen wurde und wo nur sein Gesang und seine Gitarre zu hören ist. Fast alles Sachen, die er geschrieben hat und die sehr blues-mäßig klingen. Es ist einfach toll zuzuhören - du merkst, da stimmt einfach alles.... ( Alan Bangs)" Ja, das hat mich jetzt wirklich gefreut, dieses Zitat, denn Rainer Ptacek habe ich in einer meiner Sendungen, in denen es um einige früh verstorbene Musiker ging, auch vorgestellt. Denn leider geraten viele hervorragende und außergewöhnliche Musiker viel zu schnell in Vergessenheit.....
Nochmals DANKE für den Klick!
Rosie
_________________________________________________ * Information is not knowledge. - Knowledge is not wisdom. Wisdom is not truth. - Truth is not beauty. Beauty is not Love. - Love is not Music. MUSIC IS THE BEST. ( Frank Zappa
Ja, Alan Bangs war für mich in vieler Hinsicht richtungsweisend, ich habe vieler seiner Nightflight Sendungen gehört. Wenn ich mal Zeit habe (Ich weiß, es gibt bessere Witze.) werde ich mal mein altes Tonbandarchiv durchforsten, einige Sendungen müssten da noch verewigt sein.
„Ich möchte Leute hören, die sich für bestimmte Sachen interessieren, die sich die Mühe machen, Sachen zu finden, die ich vielleicht sonst nicht hören würde. Die Stücke spielen, weil sie meinen, daß andere Menschen sie einfach hören müssen.“ - Allan Bangs
"A balance between things that you know people will like and things that you think people will like." - John Peel __________________________________________________
Zitat: Mr. Nice alias Howard Marks war der berühmteste Hasch-Dealer der Welt. In den 70er Jahren vernebelte er das Bermuda-Dreieck zwischen Irland, Großbritannien und Spanien mit Stoff aus Pakistan und nicht ohne – irrwitzige – Hilfe der IRA. Die amerikanische Drug Enforcement Association DEA schätzte, daß Marks damals für 10% des Welt-Drogenhandels – i.e. des Haschisch- und Marihuana-Handels – verantwortlich war. Seine Biographie liefert ein dröhnendes - und zugedröhntes - Bild von den Rändern der Gegenkultur.
Blue Bayou Rosie
__________________________________________________ * Information is not knowledge. - Knowledge is not wisdom. Wisdom is not truth. - Truth is not beauty. Beauty is not Love. - Love is not Music. MUSIC IS THE BEST. (* Frank Zappa )
Wer Alan Bangs gerne wieder einmal sehen und hören möchte:
In der Mediathek von 3SAT gibt es einige ca. 6 - 8 Minuten lange Videos mit Interviews zu sehen und zu hören, die Alan Bangs mit diversen Künstlern führte, so z.B.
Gespräch: Alan Bangs im Gespräch mit Bobby Hutcherson Jazz Baltica 2007 Gespräch: Alan Bangs im Gespräch mit Steven Bernstein Gespräch: Alan Bangs im Gespräch mit Mare Nostrum Gespräch: Alan Bangs im Gespräch mit Renee Rosnes & Stefon Harris ("SF Jazz Collective") Gespräch: Alan Bangs im Gespräch mit Bunky Green
Blue Bayou - Rosie ______________________________________________________________ * Information is not knowledge. - Knowledge is not wisdom. - Wisdom is not truth. - Truth is not beauty. - Beauty is not Love. - Love is not Music. - MUSIC IS THE BEST. (* Frank Zappa )
hallo, alan bangs sendet immer noch!", dh. seine nachtsessions auf bayern2 gibt es bis heute. seine vermutung, das mit dem weggang von walter meier auch seine gastrolle gestorben ist, hat sich nicht bewahrheitet. zum glück. die nächste nachtsession ist in der nacht vom 31.10. zum 1.11. auf bayern2. im übrigen wird es auch 2009 noch bei der nachtsession mitmachen! radiohoerer
Zitat von Blue BayouWer Alan Bangs gerne wieder einmal sehen und hören möchte: In der Mediathek von 3SAT gibt es einige ca. 6 - 8 Minuten lange Videos mit Interviews zu sehen und zu hören, die Alan Bangs mit diversen Künstlern führte. Wer mag, der kann dann bitte hier klicken: http://www.3sat.de/mediathek/mediathek/7161
Genau, vorgestern habe ich auf dem digitalen ZDF-Theaterkanal eine Wiederholung der 3SAT-Sendung mit Manu Katché gesehen, den Alan Bangs auch interviewt hat.
Übrigens kann man mit der kostenlosen Zattoo-Software bzw. -Webseite u.a. auch den ARD-Digitalsender EinsFestival auf dem Computer angucken, wo ja bekanntlich ab und zu auch Rockpalast-Sendungen wiederholt werden. Überhaupt ist Zattoo eine ideale Ergänzung zu DVB-T, weil alle - und zwar wirklich alle - deutschen öffentlich-rechtlichen Digital- und Regionalsender in ihren diversen lokalen Varianten zu empfangen sind plus ihre Rundfunkkanäle, die ja bei DVB-T auch nicht dabei sind. Für Sportfans ist sicherlich auch noch der Sender DSF interessant.
Die Systemvoraussetzungen für die Software sind erfreulich niedrig, sogar meine alte Kiste (Pentium III 500 MHz mit Windows 2000) packt das halbwegs, obwohl 1,5 GHz als Mindestvoraussetzung angegeben sind. Aufzeichnen kann man die Streams allerdings nicht, sondern nur ansehen - also gilt wie auf der offiziellen WDR-Seite für Rockpalast-Streams "nur gucken, nicht anfassen..." Und eine DSL- oder Kabel-Flatrate mit mindestens 1 MBit/s sollte man auch schon haben (€ 12,90 im Monat für 6 MBit/s bei Kabel Deutschland inkl. Telefonanschluss, also keine Telekom-Grundgebühr mehr).
Die angehängten ersten drei Screenshots zeigen den Player in Standardgröße (zattoo1a.jpg), die man aber auf doppelte Größe (zattoo1b.jpg) oder Vollbild (zattoo1c.jpg) zoomen kann, wobei dann natürlich auch die Bildfehler vergrößert werden. Der nächste Screenshot (zattoo2.jpg) zeigt meine Senderauswahl, die sich jeder auch selber zusammenstellen und abspeichern kann. Und im letzten (zattoo3.jpg) ist die Programmübersicht für diese Sender zur aktuellen Uhrzeit zu sehen, die sich durch Scrollen nach links oder rechts auch verschieben lässt.
Noch ein Hinweis zum Rockpalast: Inzwischen hat die private Fan-Seite wieder aufgemacht und präsentiert sich in komplett neuem Design mit erweiterten Möglichkeiten (eigene Blogs usw.) und nach wie vor einem Suche/Tausche-Forum. Man muss sich allerdings neu anmelden, auch wenn man bei der alten Seite schon Mitglied war, und die alten Beiträge sind nicht mehr vorhanden.
hallo zusammen! die nächste nachtsession von und mit alan bangs gibt es im radio in der nacht vom 29.5. zum 30.5. auf bayern2 ! also das anhören nicht vergessen......
Hi @all, das hat mich doch überrascht, dass es hier soviel Resonanz auf meinen thread über Alan Bangs gibt. Zeigt es doch, dass viele die Duddelfunksender nicht mehr hören (können/wollen). Man gut, dass es JJBR gibt.
Gruß Hans
________________________________ Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum. Nietzsche