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Dieses Thema hat 2 Antworten
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 Konzertberichte
Gardner Offline




Beiträge: 2.321

30.11.2008 19:04
Lucky Peterson am 25.11.2008 im Spirit of 66 in Verviers (B) antworten
Schon lange habe ich sie nicht mehr gesehen, die wuchtige Hammond B3, die Rock-, Blues- und Jazzorgel schlechthin. Am rechten Bühnenrand steht auch noch ein veritables Leslie- Kabinett. Und im rechten Winkel zur B3 steht ein Fender Rhodes E- Piano. Allein der Anblick dieser Saurier der Musikgeschichte lässt mein Musikerherz höher schlagen und so richtig auf Touren kommt es, als gegen 20:30 Uhr Lucky Peterson endlich die Finger in die Tasten drückt. Und das zu Johnny ’Guitar’ Watson’s Titel «Real Mother For Ya». Dieser Titel kommt so authentisch rüber als stünde Mr. Watson (R.I.P.) mit auf der Bühne. Die Gitarrensounds steuert allerdings ein anderer bei: Todd Parsnow. Er vollführt hier ein wahrlich grandioses Spiel auf seiner Gibson ES- 335. Wenn das schon beim Beginn der Konzerts so abgeht, wie wird das enden?

William Harris am Bass und Lavell Jones an den Drums tun das Ihrige, um den anfänglichen Eindruck zu untersteichen. Nun, das kann ja was werden.

Was es auch tut. Lucky Peterson - ganz und gar Soulbrother für die ersten Titel - begleitet seinen Gesang an der Hammond. Bis, ja, bis ihm noch während des Orgelspiels eine Stratocaster umgehängt wird. Als er dann die Finger von den Tasten nimmt, um sich von nun an den sechs Saiten zu widmen, fällt mir auf, dass mein Mund seit dem ersten Ton weit aufgerissen ist vor Erstaunen und Bewunderung ob der perlenden Tonsalve, die er seiner Fender entlockt. Jetzt erleben wir Lucky, den Bluesbrother. Aber der hat es wirklich in sich. Er steht am Bühnenrand, verzieht mit den Saiten die Töne und in seiner Mimik zeigt sich Ähnliches. Ein Mensch, der seine Musik (er)lebt. Gefühlte 10 Minuten nimmt er sich Zeit für ausgiebige solistische Variationen über das Thema «Little Red Rooster». Dabei hat er längst die Bühne verlassen und spaziert dank Tonsignalfunkübertragung wie die Bluesbrothers David Gogo und Bernard Allison, an den er mich stilistisch und spielerisch erinnert, durch das erfreute Publikum. Eine kleine Pause macht er an der Theke, dabei setzt er sich auf einen Hocker und spielt unbeirrt weiter. Ich bin auf Blueswolke 7.



Nach einer Dreiviertelstunde ist erstmal Pause. Mr. Peterson setzt sich auf den Bühnenrand und signiert freundlich CDs, die es laut seiner Aussage nie im Handel geben wird. Die CD steckt in einer schlichten Papierhülle mit Sichtfenster. Kein Jewelcase, kein Cover, keine Tracklist, nichts. «Lucky Peterson Live in New York At Lincoln Center with Rico McFarland». Diese CD besitze ich auch jetzt und sie ist signiert und klasse. Quasi unplugged, nur Stimme Gitarre(n) und Piano.

Aber wieder zurück zum Konzertgeschehen. Das erste Stück nach der Pause ist ein Instrumental. Dessen Titel ich leider nicht weiß. Es erinnert stilistisch an Jimmy Smith, Lucky Peterson hat wieder an der B3 Platz genommen. Es entwickelt sich ein schönes Call and Response- Duett zwischen der Hammond und der Gibson ES-335. Mir bleibt nichts als innerlich sämtliche Hüte zu ziehen. (Geht das überhaupt, naja, auch egal.) Nach und nach entwickelt sich dieses Konzert zur Reise durch die Blues-, Soul- und Rockgeschichte. Gitarristisch weiß Lucky Peterson ebenfalls weiter zu überzeugen. Ein fulminantes Hendrix- Medley bestehend aus «Voodoo Chile», «Them Changes» und «In From The Storm», ein Soul-Medley aus «Soul Man» und «Hold On I’m Coming», schließlich «Got My Mojo Working» und dann noch eine richtig schöne Bluesrockfassung von Jimmy Reed’s «Baby, What Do You Want Me To Do» lassen meine wie die Begeisterung im Publikum restlos überschwappen.

So gibt es als Zugabe noch «I’m Ready», hierzu kehrt der Meister wieder zur B3 zurück und überlässt die Gitarrenarbeit allein Todd Parsnow, der hier endlich wieder Gelegenheit hat, seine solistischen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Und der Junge ist mehr als einfach gut.

Nicht unerwähnt bleiben sollte das filigrane Drumsolo von Lavell Jones, das sich dann zu einem formidablen Duett mit Bassmann William Harris ausweitete. Ein wahres und weiteres Highlight eines musikalisch wie stimmungsmäßig hochkarätigen dienstäglichen Konzertabend im Sprit of 66, bei dem sich überraschend viele Zuschauer eingefunden haben. Und alle werden froh sein, diesen nicht verpasst zu haben.

Fazit: Wer einen wahren Könner an der Orgel und an der Gitarre erleben will, ist bei Lucky Peterson richtig aufgehoben. Er bietet für das gleiche Geld beides und kann zudem auf eine gut auf einander eingespielte Band zurückgreifen.

Demnach: Wenn in der Nähe, unbedingt nicht verpassen.

© Text und Fotos: 2008 Tony Mentzel

Tony Joe Gardner
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„Ich möchte Leute hören, die sich für bestimmte Sachen interessieren, die sich die Mühe machen, Sachen zu finden, die ich vielleicht sonst nicht hören würde. Die Stücke spielen, weil sie meinen, daß andere Menschen sie einfach hören müssen.“ - Alan Bangs

"A balance between things that you know people will like and things that you think people will like." - John Peel

Gardner Offline




Beiträge: 2.321

03.12.2008 12:58
#2 RE: Lucky Peterson am 25.11.2008 im Spirit of 66 in Verviers (B) antworten

Tony Joe Gardner
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„Ich möchte Leute hören, die sich für bestimmte Sachen interessieren, die sich die Mühe machen, Sachen zu finden, die ich vielleicht sonst nicht hören würde. Die Stücke spielen, weil sie meinen, daß andere Menschen sie einfach hören müssen.“ - Alan Bangs

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Dorah Offline



Beiträge: 76

06.12.2008 17:16
#3 RE: Lucky Peterson am 25.11.2008 im Spirit of 66 in Verviers (B) antworten

Hallo Gardner, eure Konzertberichte hier lese ich wirklich gern. Jedesmal habe ich dann das Gefühl ich hätte was verpasst.

Gruß von Dorah

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