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Dieses Thema hat 6 Antworten
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 Konzertberichte
HRVolker Offline




Beiträge: 727

05.11.2008 20:38
Johnny Winter Band und als Support Eric Sardinas & Big Motor in der Grugahalle in Essen am 04.11.08 antworten


Eric Sardinas spielt leise!

Geht also auch.

Als ich ihn mit seinen damaligen Mitstreitern in den Jahren 2002 und 2003 live in Bochum erlebte und vor allen Dingen " hörte " war ich eher skeptisch vor seinem heutigen Supportgig mit seiner Band Big Motor, damals war`s so laut, das ich mir mein Gehör nicht noch mehr verpfeifen wollte und machte selbiges nach dreiviertel des Konzerts.

Der Sound war heute Abend kräftig und glasklar, kein Lärm, kein Dezibelfestival, mein großer Dank geht an den Soundmann, der wohl noch nicht taub ist und keinen Brei zubereitete, Eric und seine Mitmotoren Levell Price am Bass und Bernie Pershey am Schlagzeug spielten erste Liga Dobroslidegitarrenbluesrock, hatten an diesem Dienstag auch den zu ihrem Bedauern letzten Auftritt dieser Tour vor Johnny Winter.

Eric, Levell und Bernie knallten uns eine Stunde kurz was vor die Baumwollhemden und Jeansjacken, Stücke ihrer gleichbandnamigen CD und Klassiker des Blues wie Can`t Be Satisfied von Herrn Dixon und Come On In My Kitchen von Robert Johnson, bei diesem Stück trampelte Sardinas den Rhythmus mit seinen Beinen, das Tony Joe White Lied As The Crow Flies auf einer Dobro machte auch ganz schön was her und zum Schluß verneigten sich die drei vor Jeff Healey und spielten den Roadhouse Blues!

Am 22.04.79 war eines " der " Rockpalast Konzerte für mich überhaupt, an gleicher Stelle und mit dem gleichen Gitarristen, in der Grugahalle in Essen praudlie priesentete Tschörmän Telewischen Johnny Winter und seine damalige Band mit Jon Paris an Bass, Gitarre und Harp und Bobby Torello am Schlagzeug, dieser Auftritt war ein bleibendes Erlebnis für mich und viele andere.

29 ½ Jahre und viele, heftige Krankheiten später nun wieder Texasblues – und Bluesrock in dieser Halle, dabei waren diesmal Bassist Scott Spray und Schlagzeuger und Sänger Wayne June, mittlerweile seine Stammband.

Vorher noch dieses. In einem Text einer meiner Lieblingsbands, Knorkator, das Lied nennt sich Für meine Fans, gibt es eine Textzeile, die von mir etwas " angepasst " lautet: doch alles was ich seh bei unseren Konzerten, sind viele ältere Männer mit Bärten.

Passte hier und heute abend.

Los ging`s aber erstmal mit Paul Nelson an der Fender, der ist seit einiger Zeit sein Manager und Freund und führt ihn an den Untiefen des Business vorbei, der spielt auch nicht schlecht und wir hörten ein Bluesrockinstrumental.

Nach ein paar Minuten erschien dann der 64 jährige Johnny Winter am Bühnenrand, ging alleine zu seiner Sitzgelegenheit, ( vor zwei Jahren in Tegelen beim Bluesrockfestival musste er noch dahin geführt werden ), griff sich seine Lazer Gitarre und die Vier beendeten das Instrumental. Klassebeginn.

Respektvoller Applaus erschallte für Johnny, da sitzt nun mal einer derjenigen weißen Bluesmänner überhaupt, er krähte ein paar Worte vor dem ersten Stück, die ca. 700 Zuhörer warteten nun gespannt wie die Saiten seiner Lazergitarre und der Freddie King Knaller Hideaway ertönte wie eh und je, nach einigen Tönen wussten wir alle hier Versammelten, Johnny ist in Form, hier und heute Abend, immer noch.

Wieder gab`s respektvollen Applaus für Johnny und nach einem Schluck aus der Wasserpulle gab`s anschließend einen Boogie, Sugar Coated Love, groovte wie die sprichwörtliche Sau.

Boogie Real Now folgte auffällig, Johnnys Begleitmusiker Scott und Wayne waren wie der Meister gut drauf auf den Saiten und Fellen, das passte perfekt, großes Kompliment.

Black Jack, eine Komposition von Ray Charles, war das nächste Highlight, Johnny slowblueste zum Niederknien, seine brüchige Stimme passte genau hinein in die Geschichte über das Spiel mit den Karten und sein Gitarrenspiel ist immer noch respekteinflößend flüssig, ohne Schnörkel und wildes Getue, der kann das wie nur eine Handvoll anderer Bluesmänner, er hat viel Spaß, das merkt man hier im Saal überdeutlich.

Wieder ein Schluck für Johnny und mich und weiter geht`s mit Tore Down, das von Johnny geprägt und von Schlagzeuger Wayne gesungen wird.

Mojo Boogie als nächstes lässt die Füße der Anwesenden tanzen, was auch beim nachfolgenden Lone Wolf geschieht, einem Bluesrocker seiner letzten CD I`m A Bluesman.

There`s A Red House, Over Yonder, die erste Zeile des Hendrixklassikers kräht Johnny heraus und der Abend bleibt musikalisch auf Feierniveau, ich bin begeistert.

Lang anhaltender, tiefverneigender, respektvoller Applaus vom Auditorium für dieses Gitarrenspektakel, für den für mich neben Rory Gallagher und Peter Green " größten " weißen Bluesgitarristen, Punkt!

Danach bringt Eric Sardinas Johnnys berühmte Gibson Firebird auf die Bühne, Johnny spannt sich den Gibson Gurt um, Paul Nelson gesellt sich dazu, er mit seiner Fender und Eric Sardinas greift sich seine Dobro und die Dreigitarrenarmee haut den Klassiker It`s All Over Now aus den Saiten, jeder soliert mal während des Stückes, was für ein Abschluß!

Aber doch noch nicht ganz, Johnny und Scott und Wayne fuhren dann ganz zum Schluß noch wie erwartet und erhofft über den Dylanschen Highway 61, Johnny slidete den Song famos bis zum Ende eines Konzerts, das mir auch ein paar Freudentränen aus den Augen trieb, dafür, das die Bluesrockikone John Dawson Winter III noch einiges bewegt, ich wünsche ihm überdies ein langes Leben und für uns Konzertisten noch etliche Auftritte dieser Formation.

Weil ich mich an diesem Abend mal ganz dem Musikgenuß widmen wollte gibt es keine Fotos, jeder weiß doch, wie Johnny aussieht :-)

Gruß

Volker, der Johnny Fan und manchmal hartrockige

http://volkerseinezeilen.blogspot.com/

Blue Bayou Offline



Beiträge: 1.115

11.11.2008 15:41
#2 RE: Johnny Winter Band und als Support Eric Sardinas & Big Motor in der Grugahalle in Essen am 04.11.08 antworten
Oh ja....
ich hatte das große Vergnügen, Johnny Winter in den 80zigern und 90zigern, 2006 und 2007 live sehen zu können.
Es ist überhaupt keine Frage, dass er trotz nachlassender Kräfte immer noch unglaublich präzise und fingerfertig Gitarre spielt und dass sein Feeling voller Leidenschaft und durchtränkt mit schwermütigem, rauen Blues ist.
Sein Sliden ist so herzerweichend und gänsehauterzeugend, dass man gar nicht anders kann, als ihm Ehre und Bewunderung zu zollen.
Manch einer fragt sich zwar, warum Johnny Winter immer noch die Strapazen einer Tournee auf sich nimmt und es riskiert, womöglich an seinem eigenen Ruhm zu kratzen oder sein Können in Frage zu stellen.
Aber ich denke, Johnny Winter gehört zu den Menschen, die gar nicht anders können, als auf einer Bühne zu stehen, bzw. auf einem Stuhl auf derselben zu sitzen und das, ohne seine Handicaps zu leugnen.
Ja, dazu gehört wohl Besessenheit, Hingabe, Eigenwilligkeit und Charakter.
Schade, dass ich auf diesem Konzert nicht dabei sein konnte...aber Volker, du hast das ganz wunderbar und plastisch beschrieben.
Vielen Dank!

Blue Bayou
Rosie

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(* Frank Zappa )

Blue Bayou Offline



Beiträge: 1.115

13.11.2008 11:01
#3 RE: Johnny Winter Band und als Support Eric Sardinas & Big Motor in der Grugahalle in Essen am 04.11.08 antworten

Hallo,

ich habe einen Clip von eben diesem, von Volker besuchten Konzert gefunden...

Wer nicht dabei sein konnte, aber Johnny Winter am 04.11.2008 in Essen anschauen möchte, kann dann mal hier klicken:

http://de.youtube.com/watch?v=mJs905L4uQg

Blue Bayou
Rosie

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(* Frank Zappa )

HRVolker Offline




Beiträge: 727

13.11.2008 17:01
#4 RE: Johnny Winter Band und als Support Eric Sardinas & Big Motor in der Grugahalle in Essen am 04.11.08 antworten

Danke Rosie!

Gruß

Volker Bartrock

http://volkerseinezeilen.blogspot.com/

Dorah Offline



Beiträge: 76

18.11.2008 10:30
#5 RE: Johnny Winter Band und als Support Eric Sardinas & Big Motor in der Grugahalle in Essen am 04.11.08 antworten
Komisch, über Johnny Winter wird meistens immer berichtet, wie schlecht es ihm geht und das er auf Konzerten im Sitzen Gitarre spielt, wird meistens negativ bewertet. Ich habe gerade Gardners Konzertbericht über Tony Joe White gelesen der auf dem Konzert, auch im Sitzen gespielt hat und sogar eine Sonnenbrille aufhatte. Volkers Konzertbericht über Johnny Winter finde ich sehr gut, weil er das Konzert positiv beschreibt, was es auch bestimmt gewesen ist. Es ist doch wirklich völlig egal ob jemand im Sitzen oder Stehen spielt denn es kommt einzig und alleine auf den Blues an. Johnny Winter ist früher über die Bühne gefegt und jetzt spielt er im Sitzen, na und? Das darf kein Kritereum sein.

Dorah
Gardner Offline




Beiträge: 2.321

18.11.2008 16:47
#6 RE: Johnny Winter Band und als Support Eric Sardinas & Big Motor in der Grugahalle in Essen am 04.11.08 antworten
Schmunzel...

Diese Im-Sitzen-Spielen- Diskussion hat mich schon immer amüsiert. Was ist so schlimm daran? Wir haben gelernt, im Sitzen zu pinkeln, die meisten Schlagzeuger spielen im Sitzen (zwei Ausnahmen fallen mir spontan ein: Slim Jim Phantom von den Stray Cats und Mighty Mike von den Juke Joint Pimps, die spielen im Stehen). Die meisten Orchestermitglieder sitzen, ob Jazz Bigband oder in der Klassik. Sind wir bzw. die meisten Drummer oder Orchestermusiker denn deswegen alle schon alt, senil und gebrechlich?

Ist der Hocker gleich die Vorhölle zum Rock 'n' Rollstuhl?

Übrigens man kann auch im Liegen noch wunderbar Gitarre spielen...habs eben noch mal ausprobiert, scheintot fühl ich mich dennoch nicht...

In dem Sinne: Rock'n'Roll 4 ever ...

Tony Joe Gardner
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„Ich möchte Leute hören, die sich für bestimmte Sachen interessieren, die sich die Mühe machen, Sachen zu finden, die ich vielleicht sonst nicht hören würde. Die Stücke spielen, weil sie meinen, daß andere Menschen sie einfach hören müssen.“ - Alan Bangs

"A balance between things that you know people will like and things that you think people will like." - John Peel

behindthelegend Offline




Beiträge: 57

19.11.2008 08:59
#7 RE: Johnny Winter Band und als Support Eric Sardinas & Big Motor in der Grugahalle in Essen am 04.11.08 antworten

Ddas ist interesant aber mir egal ob einr im sitzen gitarre spieltoder ob im stehen. Jeff Heley hat auch im sitzen gespielt und das ist egal es war geil.

Christoph

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