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 Konzertberichte
Gardner Offline




Beiträge: 2.321

31.10.2008 18:34
Big Dave McLean & The Perpetrators am 28.10.2008 im Spirit of 66, Verviers (B) antworten
Der letzte Dienstagabend im Oktober 2008, 20:15 Uhr, Big Dave McLean setzt sich auf den Hocker, der mitten auf der Bühne steht. Er streicht mit dem Daumenpick über die Saiten seiner Silber glänzenden Dobro, stellt einige Unstimmigkeiten fest, behebt diese. «Bonsoir, tout le monde…», und schon sind wir auf einer musikalischen Reise durch den Deltablues.

Der 1951 in Kanada geborene Sänger, Harp- und Gitarrenspieler zieht mich gleich in seinen Bann. Diese kräftige, sonor- raue Stimme sprüht vor Energie und Dynamik, sein Slidespiel ist exzellent, seine Zupftechnik brillant. Diese One- Man- Blues- Show hat eine Bühnenpräsenz, die manche nicht mit einer ganzen Band füllen könnten.

Titel wie «Sometimes», das traumhafte «Atlanta Moan» von seiner aktuellen CD « Acoustic Blues: Got 'Em From The Bottom» dringen an unsere Ohren. Ebenso wie Z.B.: Robert Johnson’s «Me And The Devil» oder Willie Dixon’s «Love Somebody».

Ich bin Zeuge einer Premiere: Dave ist trotz seiner langen Kariere als Bluesman das erste Mal überhaupt in Europa. Und dieses ist sein erster Auftritt auf dem alten Kontinent. Unverständlich, warum sich ein Künstler wie er bisher nicht über den großen Teich gewagt hat. Denn er braucht sich wahrlich nicht zu verstecken, er ist durch und durch authentisch, seine Darbietung ist stilistisch und musikalisch vom Allerfeinsten.

Die knappe Stunde seiner Show vergeht rasend schnell, als kleine Zugabe bietet er eine Version von Sonny Boy Williamson’s «Good Morning, Little Schoolgirl», bei der er auf die Gitarre verzichtet, a capella singt und die Gesangslücken mit der Harp auffüllt. Magie. Gänsehaut.

Ich habe längst beschlossen, mir nach dem Konzert Big Dave McLean’s neue CD zu kaufen. Denn dieser Mann hat mich mit seiner Art, den Blues zu zelebrieren voll und ganz überzeugt.

Es ist ungefähr 21:25 Uhr, die drei Jungs der Perpetrators sind auf der Bühne: Jason Nowicki, Ryan Menard und Scotty Hills. Ihr richtiger Durchbruch kam 2006, nachdem sie in ihrer Heimat Winnipeg, Manitoba in Kanada bereits als Backingband für Hubert Sumlin oder Louisiana Red fungiert hatten.

Aufnahmen haben sie gemacht mit Sue Foley und eben Big Dave McLean. Drei Alben sind bisher auf dem Markt, das Vierte ein Live- Album promoten sie auf der diesjährigen Europatour.



von links nach rehts: Big Dave McLean, Jason Nowicki (Git), Ryan Menard (Bass), Ryan Menard (Git), Jason Nowicki(Bass)

Die Perpetrators besitzen noch einen Resthauch von Geheimtipp, doch dieser könnte schnell verfliegen, wenn sie weiter solche Konzerte abliefern wie an diesem Abend, das sei schon einmal vorweggenommen.

Denn was jetzt über die etwa 80 Zuschauer hereinbricht, ist ein stilistischer Mix aus Blues, Bluesrock und Rock ‚n’ Roll, das Ganze versetzt mit ein paar Tupfern Punk und Country, aber immer gepaart mit einer enormen Spielfreude und Dynamik. Die Jungs machen wirklich Alarm und bald gibt es wohl keinen mehr im Saal, der nicht mindestens mit einem Bein wippt. Diese Musik nimmt mit, steckt an, entzündet ein wahres akustisches Feuerwerk.

Alles tadellos gespielt und oben drein noch mit einer riesigen Portion Spaß, den man den Dreien bei jeder gespielten Note ansieht. Titel von ihren bisher erschienen Alben prasseln gnaden- und beinahe pausenlos auf einander folgend von der Bühne. Ist der eine Song beendet, zählt der Drummer Scotty Hills bereits den Nächsten an. Wie erwartet ist Taj Mahal’s Song «Lovin’ In My Baby’s Eyes», bei dem Scotty vom Drumset aus den Gesangspart übernimmt, ein Highlight, ebenso wie «Are You Ready For The Country?» ihres Landsmanns Neil Young. Weitere Titel sind u.a.: «Toe Stub», «One Year Ago», «Baltimore», «Six Pack» oder der wunderbare Slow- Blues «The Woman I Love».

Für einige Songs dreht sich das Instrumentenkarussell: Jason übernimmt für Scotty die Drums, Scotty die Les Paul und den Gesang, oder Ryan übernimmt Gesang und Les Paul und Jason den Bass.

Das Interessante ist, dann klingt alles zwar ein wenig anders, aber um keinen Deut schlechter. Im Handumdrehen sind so zwei Stunden gefüllt mit einem abwechslungsreichen Konzert verrauscht. Eine Pause haben die drei nicht eingelegt.

Klar, dass die Zuschauer eine Zugabe fordern und ebenso klar ist es, dass diese auch gegeben wird. Big Dave McLean kommt mit auf die Bühne. Schon bei der Aufnahme des Titels «Sent Me Down The Road» zum 2005er Album «The Gas and the Clutch» der Perpetrators spielte Dave die Harp, dies tut er nun wieder. Klasse auch die Interpretation von «Howling For My Darling» in der Viererformation.

Die Perpetrators spielen noch einige Titel alleine, bis dann wirklich der Vorhang fällt.

Am Merchandising Stand habe ich einen netten Plausch mit Heather Shaw, der Managerin der Band. Dann kommen die Jungs dazu, ich unterhalte mich mit Ryan, mit dem ich schon über MySpace gemailt hatte und mit Jason, der mir etwas zu seiner "Saturn"- Gitarre (billiges Kaufhausmodell, made in Japan) und über die weiteren Tourpläne erzählt. Ein paar Worte Deutsch hat er auch schon gelernt: „Bitteschön” und „Dankeschön” gehen schon fast akzentfrei über seine Lippen.

Fazit: Im August nächsten Jahres werden sie wieder in Europa sein. Da sollte man sich schon einmal Termine frei halten. Denn diese Band sollte man unbedingt nicht verpassen, und sollte Big Dave McLean erneut mit von der Partie sein, dann erst recht und sowieso nicht.


Text und Fotos © Tony Mentzel

Tony Joe Gardner
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„Ich möchte Leute hören, die sich für bestimmte Sachen interessieren, die sich die Mühe machen, Sachen zu finden, die ich vielleicht sonst nicht hören würde. Die Stücke spielen, weil sie meinen, daß andere Menschen sie einfach hören müssen.“ - Alan Bangs

"A balance between things that you know people will like and things that you think people will like." - John Peel

Gardner Offline




Beiträge: 2.321

05.11.2008 09:28
#2 RE: Big Dave McLean & The Perpetrators am 28.10.2008 im Spirit of 66, Verviers (B) antworten

Tony Joe Gardner
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„Ich möchte Leute hören, die sich für bestimmte Sachen interessieren, die sich die Mühe machen, Sachen zu finden, die ich vielleicht sonst nicht hören würde. Die Stücke spielen, weil sie meinen, daß andere Menschen sie einfach hören müssen.“ - Alan Bangs

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