Wir waren zu sechst, Tina, Sabine, Erika, Eckhard, Grizzly ( der damals bei der Düsseldorfer Southern Rockband G`Loyd schlagzeugte ) und ich, unsere Autos erklommen von St. Goarshausen aus den Berg Loreley, es war gegen Mittag, angenehmes Wetter und eine geniale Konzertstätte!
Am 23.06.1996.
Der Rockpalast hatte geladen und die Besetzung des Open Airs entsprach unseren musikalischen Vorlieben.
Dedicated to the memory of Rory Gallagher steht auf der Eintrittskarte, so ganz genau erschloß sich mir nicht, was Molly Hatchet und Lynyrd mit Rory zu schaffen hatten, die erste Band des Tages, Nine Below Zero mit ihrem Bassisten Gerry McAvoy, der lange Jahre in der Band Rorys spielte und den Gästen Lou Martin, Mark Feltham und Brian Robertson passte gut dazu, die Muddy Waters Band natürlich auch, Jackson Brown war gestrichen und Molly Hatchet rockten wie die Sau! War noch eine Band dabei? Keine Erinnerung, also uninteressant.
Aber der Hauptgrund unseres Hierseins workte for MCA am Anfang ihres mir heute noch Freudentränen in die Augen treibenden Auftritts, was für ein Knallerkonzert!
Die grandiose Zusammenarbeit auf der Bühne, der Spaß übertrug sich in Null Komma Nix in die Zuschauerreihen, wir saßen ganz kurz, ganz oben links von der Bühne aus gesehen, standen auf und feierten einen jeden Song.
Die Qualität des damaligen Sounds erreicht die Konserve nicht ganz, ist aber über jeden Zweifel erhaben und die Bildführung hat nix mit den heutzutage üblichen Wackeldackelübertragungen zu tun, immer das Wesentliche lange im Bild, ohne Hektik und wilde Schnitte, bei denen mir schwindlig wird.
Aber nun auch noch die Gute Laune verbreitenden:
Johnny van Zant – Gesang Gary Rossington – Gitarre Rickey Medlocke – Gitarre, Mitsingen Hughie Thomasson ( R.I.P. ) – Gitarre Billy Powell – Keyboards Leon Wilkeson ( R.I.P. ) – Bass, Mitsingen Dale Krantz – Rossington – Background Gesang Carol Chase - Background Gesang
Die sechs Herren und zwei Damen waren in Topform, bei der Setlist konnte nicht viel schief gehen, Lynyrd sind wohl neben AC /DC die einzige Band, die nur " olle Kamellen " zu spielen braucht und schon ist Stimmung in der Hütte bzw. draußen.
Ich hätte mir einzweidrei Songs ihrer damaligen letzten Alben 1991 oder The Last Rebel gewünscht, aber was soll`s, die Party fand auch so statt.
I Ain`t The One, Down South Jukin` und Double Trouble perlten von der Bühne, bei letzterem Stück " beschossen " sich Hughie und Gary, Fender gegen Gibson und Hughie und Rickey solierten kurz und schmerzlos und die beiden Damen sorgten für die Verfeinerung des Songs.
I Know A Little folgte und anschließend der Song über eine preiswerte Handfeuerwaffe, Saturday Night Special, Gary Rossington dirigiert durch diesen Song und grinst sogar einmal, kommt selten vor.
It`s so good to back here in Germany sagt Johnny vor der Swamp Music, während des Songs sieht man einige Male, welchen Spaß auch Dale und Carol bei diesem Auftritt haben.
What`s Your Name kriegt den richtigen Drive durch das Pianospiel von Billy, Owen und Leon grundieren das Ganze, die drei machen das klasse.
That Smell haut rein und sorgt für vermehrte Schweißbildung und heulende Gitarren und endet mit hochtönenden Saitengeräuschen.
Es folgt " mein " Leib – und Magensong, Simple Man, der verursacht bei mir immer und heute noch Orangenhautanfälle: Forget your lust for the rich man's gold, all that you need is in your soul, so isses!
Owen sorgt am Anfang von Gimme Three Steps fürs Mitklatschen des Publikums und die Gitarrenarmee schreitet voran.
Call Me The Breeze sorgt als nächster Song dafür, das mal alle Saitenspieler vor`s Auditorium treten und sich feiern lassen, am Schluß wird von jedem Gitarristen ein bisschen was improvisiert, Hochtonorgie von Gary, Hughie zügig mit einem kurzen Ausflug zu den Ghostridern und Rickey macht einen Ausflug in alte Blackfootzeiten.
Hughie leitet das Intro zu Sweet Home Alabama ein, ich überlege mal wieder, welchen Song habe ich öfter in meinem Leben gehört, diesen oder Highway To Hell, hält sich wohl die Waage.
Freebird als grandioser Attackerocker beendet dieses Rockmusikalische Schmankerl.
Am Schluß fielen wir sechse uns um den Hals, begeistert und trunken!
Mit Sabine gab`s noch die übliche spaßige Diskussion, welcher Song ist southernhymnischer, Free Bird oder Highway Song von Blackfoot, sie für Free Bird, ich für den Highway, war wohl fast unentschieden.
Als Bonus gibt’s noch Workin`, Sweet und Free von einem Auftritt in Hamburg im Jahre 1974 in der Besetzung:
Ronnie van Zant – Gesang Gary Rossington – Gitarre Allen Collins – Gitarre Ed King – Gitarre Billy Powell – Keyboards Leon Wilkeson – Bass Bob Burns – Schlagzeug
Peter Rüchel schreibt ein bißchen was über den Rockpalast und die Band im Beiblatt.
Ich kann und muß euch diese DVD empfehlen, so funktioniert ein grandioses Konzert und am Schluß noch ein großes Lob an die Macher und Bearbeiter dieser DVD.
Tony Joe Gardner __________________________________________________ „Ich möchte Leute hören, die sich für bestimmte Sachen interessieren, die sich die Mühe machen, Sachen zu finden, die ich vielleicht sonst nicht hören würde. Die Stücke spielen, weil sie meinen, daß andere Menschen sie einfach hören müssen.“ - Alan Bangs
"A balance between things that you know people will like and things that you think people will like." - John Peel
Der Ton ist gut und über das Bild kann man auch nicht meckern, der Schnitt ist, wie meist beim Rockpalast üblich, nicht zu hektisch, sondern immer schön auf das Geschehen auf der Bühne konzentriert. Als Bonus gibt es drei Songs aus der Hamburger Musikhalle von 1974. Dabei ist die Qualität natürlich etwas schlechter, aber immer noch gut. Ansonsten ist die Ausstattung der DVD gewohnt spartanisch, ein paar Worte von Peter Rüchel im Inlet und das wars dann. Alles in allem: Eine sehr gute DVD die man im Regal stehen haben sollte, um auch mal die Band nach der Flugzeugkatastrophe sehen zu können. Selbstverständlich sind Ronnie und Steve Gaines nicht zu ersetzen, aber Johnny , Rickey, Hughie und auch Owen Hale machen ihre Sache recht gut. Greetz aus Kölle von Pavel K.