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 Konzertberichte
Gardner Offline




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19.10.2008 17:20
Richie Arndt & The Bluenatics fest. Kellie Rucker am 17.10.2008 im Topos in Leverkusen antworten
Nach dem Interview mit Richie Arndt und dem wirklich tollen Konzert der Rorymania im FZW in Dortmund bin ich nun gespannt auf das Gemeinschaftskonzert mit Kellie Rucker.

Bisher kenne ich ihre beiden Alben «Ain’t Hit Bottom» und «Church Of Texas», habe sie auf BB Chung King & The Buddaheads- Alben gehört, weiß, dass sie lange Zeit mit Debbie Davies unterwegs war.

Sie tourt um die ganze Welt, und ist sehr häufig in Europa auf der Bühne zu sehen. Und wenn sie eben in Good Old Germany ist, stehen ihr Richie Arndt & The Bluenatics zur Seite.

Dass dies eine durchaus gute Wahl ist, da sich hier musikalisch enge Verwandte gefunden haben, wird gleich beim ersten Titel, nämlich Jimmy Reed’s «Big Boss Man», deutlich. Die Band ist eingespielt auf ihren Gast, der Gast harmoniert mit der Band und, wenn man es nicht anders wüsste, könnte man denken, eine seit Ewigkeiten praktizierende vierköpfige Bluescombo vor sich zu haben.

Es spielt hierbei keine Rolle, ob die Titel von Richie Arndt stammen oder von Kellie Rucker. Es macht vom ersten Ton an Spaß zuzusehen und zuzuhören. Und das wird bis zum Schluss so bleiben.

«The Bad Thang», «Ain’t Hit Bottom», «Too Hot To Handle», «Tied Up, Tied Down And Twisted»: Ein stetiger Wechsel zwischen Richie’s und Kellie’s Titeln.

Richies gesangliche und gitarristische Qualitäten sind bekannt, er zeigt wieder einmal, das er zu der deutschen Oberliga der Sechssaitenspieler gehört. Aus seiner Fender Stratocaster holt er herrliche Soli heraus, die über einen Fender Super Reverb an unsere Ohren bringt. Dazwischen geschaltet ist eine Batterie von Bodeneffekten.

Kellie Rucker spielt Lee Oscar Harps über einem Harmonica Amp aus deutschen Landen. Wie sie sie spielt ist schon meisterlich. Ich bin beeindruckt von ihrem Harmonika- Spiel, aber auch von ihren rauen und rauchigen Gesang. Manchmal erinnert mich ihre Stimme im Timbre etwas an die von Gianna Nanini in ihren besten Tagen.

So richtig gut passen ihre und Richies Stimme auch im Harmoniegesang zueinander, egal, wer gerade die erste Stimme singt, oder wer die Zweite.



Richie Arndt’s neue CD ist sozusagen ein Konzeptalbum und wird nur Titel beinhalten, die von Zügen handeln. So ist auch der Beatles Song «One After 909» im Programm. Ebenfalls quasi als Neuvorstellung «Mystery Train», das Kellie auch auf eben diesem Album singt. Im Interview hatte Richie es ja schon angedeutet, dass mancher Song ziemlich weit vom Original entfernt sein wird. Das trifft auf diesen alten Elvis Presley Titel voll und ganz zu, denn er hat eine gründliche Generalüberholung bekommen.

Den Abschluss des ersten Sets bestreiten Kellie und Richie ganz alleine, hier wird den Besuchern des Leverkusener «Topos» Richies wunderschöne Ballade «Mississippi» an die entzückten Ohren gebracht. Zwei aussagekräftige Stimmen, eine Harp und eine Telecaster in open tuning. Das ist alles, was es braucht um Wunderkerzenstimmung zu erzeugen.

Im Laufe des zweiten Sets gibt es dann noch Raum und Zeit für ein ausgedehntes Drumsolo von Frank Boestfleisch und ein Basssolo von Jens-Ulrlch Handreka mit rhythmischer Unterstützung seines trommelnden Kollegen. Dass die beiden ihr Handwerk souverän verstehen, brauche ich nicht erneut zu erwähnen.

«Cook For You», einer meiner Lieblingssongs von Kellie Rucker, fehlt natürlich auch nicht. Es ist ein feiner Boogie und hier zeigt Kellie mehr als deutlich, was sie auf der Harp so alles kann.

Die Zeit vergeht (leider) wie im Fluge und schon sind wir bei den Zugaben, es werden derer drei sein: Jimmy Rogers’ «Walking By Myself», Jimmy Cliff’s «I Can See Clearly Now» in einer verbluesrockten Version. Klasse. «Somehow, Somewhere, Somewhen» ist der ultimative Abschlusssong. Trost und Versprechen zugleich. Irgendwie, irgendwo, irgendwann werden wir uns wieder sehen. Dies zu bejahen, fällt nach einem derartigen Konzertabend nicht schwer.

Die Musiker packen Anlage und Instrumente ein, hier und da ergibt sich noch die Gelegenheit zu einem kleinen Gespräch. Das Ergebnis meines Gesprächs mit Kellie Rucker könnt ihr hier nachlesen.

Kellie Rucker mag mit ihren 152 Zentimetern zwar eine kleine Person sein, aber sie besitzt eine Riesen- Persönlichkeit. Das zeigt sie auf der Bühne als Musikerin und auch im Gespräch einfach so als Mensch. Wieder ein Konzert und eine Begegnung, die sich tief eingraben werden in mein Gedächtnis mit wunderschönen Erinnerungen an einen ebenso wunderschönen und gelungenen Konzertabend.

Wish you were here…“, murmele ich und denke an ein paar liebe Menschen, denen ich das heutige Konzert auch gegönnt hätte, aber vielleicht klappt das ja «Somehow, Somewhere, Somewhen…»

Fazit: Unbedingt nicht verpassen.

Text und Fotos: © 2008 Tony Mentzel

Tony Joe Gardner
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„Ich möchte Leute hören, die sich für bestimmte Sachen interessieren, die sich die Mühe machen, Sachen zu finden, die ich vielleicht sonst nicht hören würde. Die Stücke spielen, weil sie meinen, daß andere Menschen sie einfach hören müssen.“ - Alan Bangs

"A balance between things that you know people will like and things that you think people will like." - John Peel

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