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Dieses Thema hat 2 Antworten
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 Konzertberichte
Gardner Offline




Beiträge: 2.321

04.10.2008 22:02
Barrelhouse am 03..10.2008 im Yard- Club, Köln antworten
Wenn man von alten niederländischen Meistern spricht, denkt man wohl gleich an Breughel oder Rembrandt. Gut und schön. Doch es gibt andere Meister, die sind zwar noch nicht ganz so alt, aber dafür springlebendig, voller Tatendrang und Bühnenpräsenz.

Ich spreche von der 1974 gegründeten Bluesband «Barrelhouse». Allen voran Tineke Schoemaker mit ihrer wahnsinnig einfühlsamen, wunderbaren Bluesstimme, diese Frau hat Ausstrahlung, ja Charisma.

Über die lange Bandgeschichte will ich gar nicht erst schreiben, aber letztendlich ist die heutige Form und das blinde Verständnis der Bandmitglieder untereinander auf deren jahrelange Zusammenarbeit zurückzuführen.

Die Brüder Guus und Johnny Laporte an den beiden Gitarren, der eine an der Strat, der andere an der Les Paul treiben abwechselnd ihre Soli auf die Spitze und wenn ich Spitze sage, dann meine ich Spitze. Äußerst präzise Gitarrenarbeit, die die Beiden da abliefern, da wirkt nichts aufgesetzt oder betont gefrickelt, das ist bestes, Jahrzehnte lang erlebtes Feeling und Verständnis für das Instrument pur.

Hier muss keiner mehr irgendetwas beweisen, was im Übrigen für alle dort auf der Bühne gilt. Jeder hat seinen Platz und Raum, jeder der sechs Agierenden stellt ein Rädchen für das Gesamtgetriebe dar. Und das läuft auch nach über 34 Jahren immer noch wie frisch geölt.



Die weiteren Helden dieses Abends sind: Janwillem Sligting abwechselnd an E-Bass, Kontrabass, Harp und Akkordeon, Han van Dam am Piano sowie Bob Dros an den Drums. Auch bei ihnen ist zu spüren, dass die lange Routine sich absolut nicht lähmend auf die die Spielfreude auswirkt.

Die musikalische Bandbreite geht von Blues über Boogie Woogie bis hin zum irischen Folksong «The Parting Glass», bei dem Janwillem zum Akkordeon greift. Sehr abwechslungsreich ist die Setlist. Titel wie «29 Ways», «I’m In The Mood», « I'm Torn Down», «Sally Go Round The Roses», «Tell Me More», «I Won't Answer» und die Gänsehautversion von Skip James’ «Hard Time Killing Floor» seien als Beispiele genannt.

Über zwei Stunden die volle Bluesboogiewoogieballadenbreitseite von allererster Güte. Wer das verpasst hat, dem ist nur zu wünschen, dass Barrelhouse sich noch lange nicht unterkriegen lassen und hoffentlich mal öfter über die Grenze hüpfen. Aber das wünsche ich mir gleich mit und werde gerne zum Wiederholungstäter bei einer nächsten Runde im Barrelhouse.

Was (mal wieder) betrüblich stimmt, ist die relativ kleine Publikumschar. Mit Schätzungen von Menschenmengen tue ich mich immer etwas schwer, doch ich tippe mal so auf etwa 50- 60 Leute im Zuschauerraum. Doch deren Bereitschaft bei dieser packenden Musikpräsentation mitzugehen, ist ungebremst. Die Zugaben, die herbeigeklatscht und –geschrieen werden, zähle ich nicht. Dafür bin ich zu „benommen“ von dem, was da von der Bühne auf mich einstrahlt.

Fazit: Wer eine voll professionelle Bluesband mit europäischem Charakter erleben möchte, wobei das Wort professionell beileibe und bitte nicht gleichzusetzen ist mit „seelenlos herunterspielend“, ist mit Barrelhouse bestens bedient.

Wenn in der Nähe (und das kann ja auch jenseits der Grenze sein) unbedingt nicht verpassen.

Text und Fotos © Tony Mentzel

Tony Joe Gardner
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„Ich möchte Leute hören, die sich für bestimmte Sachen interessieren, die sich die Mühe machen, Sachen zu finden, die ich vielleicht sonst nicht hören würde. Die Stücke spielen, weil sie meinen, daß andere Menschen sie einfach hören müssen.“ - Alan Bangs

"A balance between things that you know people will like and things that you think people will like." - John Peel

Blue Bayou Offline



Beiträge: 1.115

05.10.2008 18:24
#2 RE: Barrelhouse am 03..10.2008 im Yard- Club, Köln antworten
Und hier kommt jetzt noch mein Senf dazu:

Nein, ich habe noch nicht so oft gesehen, dass ein Musiker auf der Bühne seine Gitarre küsst.
Guus Laporte macht das – er küsst seine abgerockte Fender nach dem großartigen Song „Sally go round the Roses“ und dann später noch einmal nach einem gänsehauterzeugend einfühlsamen Solo.

Aber eigentlich müsste die Vorstellung der 1974 gegründeten Band Barrelhouse mit der wunderbaren Tineke Shoemaker (Gesang) beginnen, oder mit Janwillem Sligting ( Fenderbass, Harp, Kontrabass, Akkordeon), oder mit Johnny Laporte an der Gibson oder mit Han van Dam am Piano oder vielleicht doch mit Bob Dros an den Drums, denn was jeder einzelne der sechs Holländer aus Alkmaar und Amsterdam an diesem Abend im Yard Club in Köln präsentiert, ist von aller erster Güte.
Wie außergewöhnlich doch die Version von „Hard Time Killing Floor“ - zu Beginn nur mit Stimme und Kontrabass dargeboten, und wie unglaublich hypnotisch und schleppend dann durch den Einstieg der beiden fetten Gitarren und des tollen Piano!

Oh ja, das ist wahrlich ein atemloser Abend, musikalisch über zwei Stunden auf den Punkt gebracht, abwechslungsreich in Tempo, Instrumentierung, Soli und Atmosphäre, und dabei fällt nichts auseinander oder verdröselt sich, es ist ein perfektes und stimmiges Konzert von einem kompakten Bandgefüge.

Ja, Konzerte dieser Güte sind körperliche Arbeit, da muss sich Guus Laporte dann später doch das reichlich genutzte Frotteetuch umhängen und Bob Dros, in Ermangelung desselben, sein klatschnasses Shirt benutzen, ja, solche Konzerte sind auch Anstrengung, und dass das Konzerterlebnis der Auftretenden mit dem der Zuschauer ( durchschnittlich ungefähr so alt wie die Bandmitglieder) offensichtlich kongruent ist, zeigt sich dadurch, dass es ordentlich Gehüpfe im Publikum gibt, Gejohle, Mitsingen, Pfeifen, Klatschen, Biergläserheben und dass der ein oder andere, zu Anfang noch in dicker Jacke, diese im Laufe des Abends irgendwo auf einen Stuhl, Hocker, die Ecke der Bühne oder auf den Boden wirft.
Und wer Grundkenntnisse im Headbangen oder Luftgitarrespielen hat, der war hier sowieso genau richtig.

Also ich freu mich drauf, wenn Barrelhouse wieder einmal nach Good Old Germany kommen!

Und hier ein paar Fotos von einigen, die dabei waren:

Foto 1 von links nach rechts: Anatol, Tony und Ralf
Foto 2 von links nach rechts: Micha, Tony, Tineke und Rosie

Copyright: Rosie Geisler

Rosie`s website:
http://www.roswithageisler.de

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Information is not knowledge. - Knowledge is not wisdom. - Wisdom is not truth. - Truth is not beauty. - Beauty is not Love. - Love is not Music. - MUSIC IS THE BEST.
(* Frank Zappa )

Angefügte Bilder:
anatoltonyralf.jpg   Michatonytinekerosiehalb.jpg  
Gardner Offline




Beiträge: 2.321

01.11.2008 19:31
#3 RE: Barrelhouse am 03..10.2008 im Yard- Club, Köln antworten

Tony Joe Gardner
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„Ich möchte Leute hören, die sich für bestimmte Sachen interessieren, die sich die Mühe machen, Sachen zu finden, die ich vielleicht sonst nicht hören würde. Die Stücke spielen, weil sie meinen, daß andere Menschen sie einfach hören müssen.“ - Alan Bangs

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