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Dieses Thema hat 1 Antworten
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 Konzertberichte
Gardner Offline




Beiträge: 2.321

03.10.2008 11:15
Leadfoot Rivet feat. Fred Chapellier, 30.09.2008 im Spirit of 66, Verviers (B) antworten
Leadfoot Rivet ? Wer ist denn das? Nun, in deutschen Landen ist er wahrscheinlich nicht allzu bekannt. Anders ist das in Frankreich, seinem Heimatland. Seit den frühen 60-gern ist Alain „Leadfoot“ Rivet in der Musikbranche aktiv. Er hat sogar ein eigenes Plattenlabel gegründet: „Dixiefrog“. Und wenn man liest, mit wem er schon alles on tour war, ist das Erstaunen über seine Unbekanntheit hierzulande schon groß: Junior Wells, Johnny Copeland, Bo Diddley, Bobby Blue Bland, Joanna Connor, Sue Foley, Debbie Davies, Neal Black, Jimmy Thackery, Roy Rogers, Tom Principato um nur einige zu nennen. Seinen Beinamen „Leadfoot“ bekam er vom Gitarristen Larry Garner.

Leadfoot ist also nicht gerade jemand, der international unbekannt sein dürfte, sein sollte…

Gegen 20:30 Uhr betreten Leadfoot (Gesang, Harp), Patrice Boudot- Lamot (Gitarre), Chris Mellies (Bass), Vincent Daune (Drums) und Stan Noubard- Pacha (Gitarre) die Bühne. Der erste Aha- Effekt an dem Abend: Stan Noubard- Pacha habe ich vor einigen Wochen in Gouvy zusammen mit Benoît Blue Boy gesehen. So richtig Klick macht es, als er sich die Telecaster, die sichtlich einige „Umbauarbeiten“ durchlaufen hat, umhängt. Sie war mir auf dem Jazz & Blues Festival in Gouvy bereits aufgefallen. Ich erinnere mich an ihn als einen ausgezeichnet gut spielenden Gitarristen.

Leadfoot blickt von der Bühne und bedankt sich für den netten wund warmen Applaus in der kleinen Zuschauerrunde. Noch nicht einmal 20, in Worten zwanzig, Leute haben den Weg an diesem Dienstagabend ins Spirit of 66 gefunden.

Das stimmt mich traurig, denn gleich beim ersten Titel zeigen die fünf Musiker, was sie drauf haben. Und dies ist keineswegs irgendetwas aus der zweiten Liga. Das sind gestandene Musiker, die auf Tourneen und in den Studios erprobt sind. Sie haben schon mit Leuten wie Popa Chubby, Norma Jean Bruso, Tom Principato oder Luther Allison gespielt.

Leadfoot hat eine angenehme, raue, kräftige Bluesstimme, er bringt den Blues authentisch rüber. Und das ist zunächst einmal Chicago Blues vom Feinsten.

Dann wähnt man sich hin und wieder in New Orleans, an den Ufern des Mississippi oder irgendwo in den Swamps bei den Cajuns.

Die Bandbreite und diese Spielfreude der Musiker macht einfach Spaß und gute Laune.



Gespielt werden hauptsächlich Songs aus Leadfoots aktuellem Album „Greyboy Blues“. “She Heales Me“, "Gravity And Gravy“, “Leadfootin’” oder Eric Bibb’s Song „Between A Woman And A Man”. Ebenfalls äußerst gelungen ist der A- Capella Worksong “Swing Dat Hammer”

Nach etwa einer halben Stunde tritt der „Stargast“ des Abends auf die Bühne: Fred Chapellier . Ihn habe ich zusammen mit Billy Price und Neal Black auf der Luxemburger Blues & Jazz Rallye für mich entdeckt. Dort fand ich ihn einfach grandios. Und grandios ist er an diesem Abend auch.

Um ehrlich zu sein, er ist der eigentliche Grund, dass ich heute hier bin. Und dass dies seine Berechtigung hat, zeigt sich gleich bei den Rhythmus- Licks und der ersten Soloeinlage, die er spielt. Von nun an stehen also drei Gitarristen auf dieser einen Bühne. Patrice Boudot- Lamot übernimmt mit seiner Stratocaster die Silde- Parts. Klasse. Stan Noubard- Pacha hat sich mittlerweile von seiner Telecaster getrennt und spielt nun eine Solid Body Gitarre von Taylor, die äußerlich etwas an eine Les Paul erinnert. Spielerisch zieht er sich auf das Rhythmusspiel zurück, nicht ohne sein solistisches Können nicht immer wieder einmal durchscheinen zu lassen. Aber es ist Teamarbeit, die die drei Gitarristen hier leisten. Man kommt ich nicht in die Quere. Jeder kennt seinen Part. Das Soundbild ist ausgewogen. Kein Matsch, keine Phasenauslöschungen.

Meine Begeisterung kennt keine Grenze, als «Road To Cairo» gespielt wird. Ich kannte den Titel von David Ackles bisher nur in der Version von Julie Driscoll & Brian Auger. Die Präsentation dieses Songs steht stellvertretend für die aller anderen: Von der Stimme über Bass und Schlagzeug bis hin zu den drei Gitarren stimmt hier alles. Und jagt einem zudem noch eine Gänsehaut über den Rücken.

Ohne Pause zu machen, spielen Leadfoot Rivet und seine Band etwa zwei Stunden. Das, wenn auch kleine, Publikum ist völlig begeistert. Als letzte Zugabe kommt „Further Up On The Road“, hier übernimmt Fred Chapellier zunächst auch den Leadgesang, später wird er von Leadfoot abgelöst.

Ein schöner Abschluss zu einem tollen Konzert, das ich mehr Leuten gegönnt hätte.

Fazit: Französische Blueser müssen sich absolut nicht verstecken. Dem Manko, dass sie hierzulande derart unbekannt sind, sollte man entgegen arbeiten.

Fred Chapellier kommt im Oktober 2008 zusammen mit Neal Black für einige Konzerte nach Holland und Deutschland. Wer in der Nähe ist (und auch sonst): Unbedingt nicht verpassen.

Hier geht es zum Interview mit Fred
Chapellier


Text und Fotos © Tony Mentzel

Tony Joe Gardner
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„Ich möchte Leute hören, die sich für bestimmte Sachen interessieren, die sich die Mühe machen, Sachen zu finden, die ich vielleicht sonst nicht hören würde. Die Stücke spielen, weil sie meinen, daß andere Menschen sie einfach hören müssen.“ - Alan Bangs

"A balance between things that you know people will like and things that you think people will like." - John Peel

Gardner Offline




Beiträge: 2.321

01.11.2008 19:29
#2 RE: Leadfoot Rivet feat. Fred Chapellier, 30.09.2008 im Spirit of 66, Verviers (B) antworten

Tony Joe Gardner
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