Zu einer Zeit als es das Juke Joint Bluesradio (leider) noch nicht gab, gehörte ich wie wahrscheinlich viele von Euch zu den TV Konsumenten. Schaltete ich dann einmal vorzugsweise am Wochenende die ARD ein, bekam ich auch Musik. So weit..so schlecht! Das TV Programm hatte sich diesbezüglich in den letzten 30 oder mehr Jahren leider nicht geändert und irgendwann, genauer gesagt am 26.11.2005 ging mir die Hutschnur endgültig hoch, und da sich die ARD über Zuschauer Reaktionen freut und in Ihrer Homepage extra zu diesem Zweck eine Rubrik eingerichtet hatte, bekamen sie dann auch von mir eine Anmerkung zu diesem Thema. Daraufhin bekam ich auch eine Antwort in der von einem Programmauftrag, von vielseitigen Interessen der Konsumenten und u.a. von schlechten Erfahrungen mit der Übertragung von Rock- und Blues Konzerten die Rede war. Beim heutigen entstauben meines email Briefkastens, fiel mir zufällig das damalige Schreiben in die Hände, welches ich Euch gerne zur Kenntnis gebe.
Sehr geehrte Damen und Herren !
Es ist schon ein konstantes Ärgernis, daß Sie Woche für Woche zu den Prime-Time Sendezeiten 2-3 mal diesen dümmlichen Volksmusikmüll servieren, in der wohl irrigen Annahme das würde die Mehrzahl der Deutschen Fernseh Zuschauer interessieren. Vielleicht gefällt das Ihren Intendanten, aber ich kenne keinen, aber auch wirlich niemanden meines sehr großen Bekannten und Freundeskreises, den das in irgend einer Weise interessieren könnte, im Gegenteil das ist absolute Verdummung und Bevormundung des mündigen Fernseh Konsumenten. Falls Sie die Jahre seit 1960 verschlafen haben sollten, hier vielleicht eine kleine Aufzählung anderer Musikstile die in Ihrem Programm so gut wie keine Beachtung finden:
Rock, Rock Roll, Jazz, Swing, Cool-Jazz, Acid Jazz, Blues, (Country Blues, Delta Blues, Jump Blues, Chicago Blues, West-Coast-Blues, Slow-Blues, Minor-Blues, Jazz-Blues & Rock, Modern Blues, Swing Blues etc.), Country-Music, Modern Country, Rhythm & Blues, Beat, Soul, Psychodelic, Underground, Salsa, Rumba, Mambo, Flamenco, Bossa-Nova, Samba, Blue Beat, Reaggae, Ska, Punk, Rap, Scat etc. etc.
Diese Liste ließe sich noch beliebig weiteführen, und wann findet man mal etwas in dieser Art?
Vielleicht ein mal vierteljährlich ab 0130h nachts, oder nie.
Natürlich bin ich nicht so "blauäugig" um anzunehmen, daß sich in absehbarer Zukunft etwas bei Ihnen in dieser Hinsicht ändern würde, aber ´mal im Ernst "Wo habt ihr den alle 1968 gelebt ? Auf der Alm in St.-Nirgendwo im tiefsten Bayern" Werdet ihr alle von der Volks-Musik Mafia korrumpiert?
Ich denke einmal die Programm-Verantwortlichen bei Ihnen dürften in etwa mein Jahrgang (1951) sein.
Back to the Roots man - long live Rock ´n Roll !
Peter Simmert 58119 H a g e n
´cause I´m a Bluesman - but a good man - understand ?
volle Zustimmung zu deinem Schreiben. Hast du die Antwort auch noch da??? ........ oder war die so niederschmetternd, das du die uns lieber vorenthalten möchtest?
Hi erstmal natürlich volle Zustimmung. Eigentlich hat die ARD ja nur zwei Sachen zustande bekommen:
- Rockpalast (ich erinnere mich da an mehrere Nächte vorm Fernseher zusammen mit Freunden) - die Sendung "Ohne Filter", leider viel zu kurz, aber immerhin live gespielte Mucke....
und heutzutage ? Tote Hose.
Gruß Hans
________________________________ Blues .... more than a feeling.
Die Antwort habe ich leider nicht mehr, aber sie war nichtssagend, mit der Anmerkung "es wäre schade, daß ich mich so kritisch zu dem Programm der ARD geäußert hätte"..sie wären bemüht Allen ! gerecht zu werden, Programmauftrag, Vielfalt, schlechte Erfahrungen mit Rock-Konzerten bla bla .. etc.
Gruß & Blues,
P e t e r
´cause I´m a Bluesman - but a good man - understand ?
Lieber Peter, ja, wenn man darüber nachdenkt, ist es kaum verständlich, dass unsere öffentlich-rechtlichen Anstalten, die für sich ja in Anspruch nehmen, mit einem ideellen Auftrag ausgestattet zu sein, nämlich dem, den Zuschauer zu bilden, nicht ein breitgefächerteres Spektrum im Bereich der Musik anbieten.
Ich habe den Eindruck, dass die Programmverantwortlichen nicht unbedingt das Ziel haben, ein vielfältiges musikalisches Kultur-Programm zu zeigen, sondern eher dazu geneigt sind, zum Beispiel nach Quotenvorgaben oder sogenannten "Screenings" ( was immer damit auch gemeint ist) zu handeln.
Möglicherweise gilt auch die volkstümliche Musik im Fernsehen als eine Kultursendung, aber trotzdem verstärkt sich in den letzten Jahren bei mir immer mehr der Eindruck, dass hochwertige Kulturprogramme und Musiksendungen immer mehr abgebaut werden, im Gegenzug werden sogenannte austauschbare Musikshows optimiert und vorangetrieben.
Es scheint wichtiger zu sein, "im Trend" zu liegen, "populär" zu sein und auf Produktionsverhältnisse, Zielpublikum, Marktverknüpfungen, Quoten, Zuhörerverhalten usw. Rücksicht zu nehmen, als den Bildungsauftrag, den sich die "Öffentlich-Rechtlichen" ja auf ihre Fahnen geschrieben haben, wahrzunehmen. Denn dazu würde z.B. auch gehören, der Vielfalt der musikalischen Ausdrucksweisen ( so wie du sie oben aufgeführt hast, lieber Peter) eine qualitätsvolle Plattform zu bieten. Oder gelten mittlerweile die Rundfunkstaatsverträge nicht mehr?
Was bleibt, ist die bittere Erkenntnis, daß eben die volkstümliche Musik massenwirksam ist und das bei Heimatabenden der Fernsehzuschauer vor demselbem gemütlich mit seinem Bier bis zum Schluß sitzen bleibt. Daraus ergibt sich für mich persönlich die Schlußfolgerung, dass ich nur noch sehr, sehr selten Fernsehen schaue (obwohl ich noch weiterhin brav meine Gebühren zahle), und meine Lieblingsmusik im JUKEJOINT-BLUESRADIO höre oder sie mir auf DVD ansehe.
Dass aber teilweise auch noch ein ganz anderes Interesse hinter der Menge der diversen volkstümlichen Sendungen steckt, kann man hier in einem vorzüglichen Artikel in der ZEIT nachlesen:
Zitat aus der "ZEIT":
"Volkstümliche Musiksendungen im Fernsehen sind Quotenrenner. Damit eignen sie sich bestens als Werbeplattform für den Fremdenverkehr. Die Touristiker beteiligen sich an den Produktionskosten und überlassen nichts dem Zufall. Zum Beispiel in Südtirol."
...»Kundenpflegemaßnahmen« sind das für Christoph Engl. So nennt der Direktor der Südtiroler Marketing Gesellschaft die volkstümlichen Musiksendungen, an deren Kosten sich seine Gesellschaft beteiligt." Zitatende
______________________________________________________________ Information is not knowledge. - Knowledge is not wisdom. - Wisdom is not truth. - Truth is not beauty. - Beauty is not Love. - Love is not Music. - MUSIC IS THE BEST. (* Frank Zappa )
Liebe Rosie, ich bin mit fast allem, was Du schreibst einverstanden. Zu dem Bericht in der "Die Zeit", den Du zitierst, folgendes:
1)Ich gratuliere der "Südtiroler Marketing Gesellschaft" die es geschafft hat die Fernsehanstalten für die Werbung Ihrer Region, so intensiv, einzuspannen. Dies schreibe ich aus ganz profanen marktspezifischen Gründen.
2) Ich sehe jede Sendung mit Michael Harles, weil ich ein Fan der Region Südtirol bin und etliche Urlaube dort verbracht habe. Die sogen. "Volksmusik" die ja keine ist, sondern "volkstümelnde Ergüsse" einiger, zugegeben, mit einem Riecher fürs Geschäft ausgestattete Produzenten, sind, die lass ich über mich ergehen. Thats it!
Zurück zum Wesentlichen, zum Blues. Der Blues wird in der großen Öffentlichkeit immer eine Randerscheinung bleiben. (sch.. Wort, hab kein anderes) Und das ist gut so! Denn die Vermarktungsindustrie würde den Blues schnell deformiert haben. Dazu wäre noch einiges zu schreiben. Anyway.
Solange es keine Lobby gibt, die Interesse am Blues selbst hat, sei es Verbände, Redakteure oder wer weiß für welche Institutionen oder Personen, wird es so bleiben wie es ist.
Ich tröste mich gerne mit meinem Hobby bei Juke Joint Bluesradio!
Gruß Uli
Music is a language of the emotions *Charles Mingus*