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 Konzertberichte
Gardner Offline




Beiträge: 2.321

17.09.2008 17:58
Tony Spinner am 15.09.2008 im Spirit of 66 in Verviers (B) antworten
Kennt jemand noch Sandie Shaw? Und was hat sie gemeinsam mit Tony Spinner? Nun, ganz einfach: Beide traten bzw. treten barfuss auf. War dies 1967 für Sandie Shaw beim Eurovisions Song Contest noch ein richtiger Skandal, so ist das heute Abend Ausdruck bequemer Lässigkeit.

Tony Spinner kann Gitarre spielen im Stil von Jimmy Page, Stevie Ray Vaughan, Jimi Hendrix, Ritchie Blackmore, Rory Gallagher, aber vor allem kann Tony Spinner spielen wie Tony Spinner. Die Wurzeln verleugnet er erst gar nicht, weder im Interview, das wir vor der Show führen, noch in der Show selbst.

Der Kerl hat Spielwitz und den Ausdruck kann man wörtlich nehmen. Von der Müdigkeit, die er vor dem Auftritt erwähnt, ist tatsächlich nichts mehr zu spüren. Auf der Bühne des «Spirit of 66» steht dann auch kein „Lazy Trio“, sondern im wahrsten Sinne ein Power Trio. Neben Tony Spinner (Gitarre und Gesang) sind das: Han Neijenhuis an den Drums und Michel Mulder am Bass. Die beiden Niederländer stammen aus der Gegend um Arnhem.

14 neue Songs haben sie gerade für die neue CD eingespielt, davon (er)proben sie heute einige vor Publikum. Eine klasse Sache, die den Dreien sichtlich Spaß macht und dem ca. hundertköpfigen Publikum auch. Der berühmte Funke ist gleich beim ersten Titel übergesprungen. Was will man mehr? Eine spiel- und experimentierfreudige Band und ein mitgehendes Publikum. Hier stimmt die Chemie mal wieder von Anfang an.

Eine Setliste gibt es nicht, dafür kurze Absprachen, den jeweils nächsten Titel betreffend. Kopfnicken, anzählen und ab geht die Bluesrockpost. Titel wie «It’s Blues», «Caledonia», «Turn it up» oder der «Goldfish Bowl Blues» reihen sich aneinander. Klasse auch die Coverversionen von Led Zeppelin’s «Black Dog» (Kommentar von Tony: „There are too many words in it, so I’ve got to cheat with the lyrics.“ oder auch «Ti-Ni-Nee-Ni-Nu» im Sinne und im Stile von Stevie Ray Vaughan.



Tony singt in einer ziemlich hohen Tonlage, die mich manchmal ein wenig an Steve Marriott (Small Faces, Humble Pie) erinnert. Aber vielleicht hängt das auch mit Tony’s Äußerem zusammen. In mancher Pose kommt er Steve sehr nahe. Seine Stimme hat ihn schließlich auch zu Toto geführt, bei denen er seit fast 10 Jahren festes Bandmitglied ist. Doch zwischen Toto und seiner Musik liegen Welten. Das bis ins kleinste ausgefeilte musikalische Konzept dieser Rockinstitution steht dem doch mehr aus Bauch, Lust und Laune entspringenden musikalischen Charakter der Tony Spinner Band gegenüber. „Aber hier bin ich frei, hier kann ich das tun, was mir auf der Seele brennt. Und die Songs klingen keinen Abend gleich, so bleiben sie für auch mich interessant und damit sind sie es auch für das Publikum.“

Ja, und langweilig wird es in keinem Moment. Das Zusammenspiel der Drei ist hervorragend. Der Sound ist wie immer im «Spirit of 66» klasse und die Songauswahl ist vortrefflich.

Ein ganz großes Highlight ist Tony’s Adaption von Jimi Hendrix’ «Spanish Castle Magic». Das ist ein Song, den man von den aktuellen Gitarristen eigentlich nie hört. Hierfür eine glatte 21!!!!

Tony spielt je nach Gegebenheit eine Fender Strat in Fiesta Red, eine Gibson Les Paul Gold- Top und einen Telecaster Nachbau für die Slidearbeit. „Eschenholz, ganz leicht, gebaut von einem Bekannten von mir. Den Body hat er selbst gesägt. Alles Handarbeit. Demnächst baut er mir eine Strat.“ Verstärkt werden die Sechseiter durch einen Fender Deluxe Reverb mit schwarzem Panel aus den 60-gern. „Es muss das schwarze Panel sein. Der Sound aus der Baureihe gefällt mir am besten.“ Als Bottleneck benutzt er auf Publikumszuruf wahlweise ein kleines grünes Ex- Aspirin- Fläschchen oder ein Stück Kupferrohr, das er sich von seinem Klempner hat zuschneiden lassen, als der ihm seine Toilette reparierte. „Warum verlangt man den Leuten so viel Geld ab für ein Bottleneck, ihr seht, es geht auch einfacher…“. Den Gitarrengurt hat er für 99ct bei Ebay gekauft.

Einfach hält er es auch mit den Effekten: Ein paar Bodentreter reichen ihm. „Ich versuche das so einfach wie möglich zu halten. Wenn bei Steve (Lukather von Toto) was nicht funktioniert, sucht man stundenlang nach dem defekten Patchkabel, bei mir sind’s nur vier, das geht dann schneller...“, lacht Tony.

Extra loben möhte ich hier einmal, wie Tony den WahWah- Effekt einsetzt. Immer zur rechten Zeit und an der richtigen Stelle, kurz, da wo’s passt.

Han’s Drumset ist von DW, Michel spielt einen Fender Precision Bass, der über einen SWR Mo' Bass verstärkt über Ampeg—Boxen ausgegeben wird.

Unterbrochen durch eine etwa halbstündige Pause, können wir an diesem Abend im «Spirit of 66» zirka 150 Minuten Musik genießen. Und die ist vom Feinsten.

Das bei 12 Euro Eintritt, die für das begeisterte Publikum gut angelegtes Geld sind.

Als letzte Zugabe spielen die Drei noch Deep Purple’s «Highway Star». Die Gitarrenläufe sitzen auch hier und die Stimme kommt verdammt nah an die Qualität eines Ian Gillan.

Ein schöner Abschluss eines herrlichen Konzertabends.

Fazit: Wenn in der Nähe, unbedingt nicht verpassen.

Text und Fotos © Tony Mentzel

Tony Joe Gardner
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„Ich möchte Leute hören, die sich für bestimmte Sachen interessieren, die sich die Mühe machen, Sachen zu finden, die ich vielleicht sonst nicht hören würde. Die Stücke spielen, weil sie meinen, daß andere Menschen sie einfach hören müssen.“ - Alan Bangs

"A balance between things that you know people will like and things that you think people will like." - John Peel

Gardner Offline




Beiträge: 2.321

28.09.2008 18:09
#2 RE: Tony Spinner am 15.09.2008 im Spirit of 66 in Verviers (B) antworten

Die Fotostrecke ist online Einfach hier klicken...

Tony Joe Gardner
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