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 Konzertberichte
Gardner Offline




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01.09.2008 18:03
Abi Wallenstein & Blues Culture am 30.08.2008 im Kulturzentrum Sinsteden antworten
Der letzte Samstagabend im wetterdurchwachsenen August 2008 zeigt sich wunderbar mild gestimmt, durchgehend blauer Himmel, die Sonne im Westen winkt versöhnlich: Ich befinde mich auf dem Weg nach Sinsteden. Und das in Erwartung auf einen tollen Bluesabend mit Abi Wallenstein, Steve Baker und Martin Röttger aka Blues Culture.

Und der Name ist Programm. Die Drei zelebrieren diese Kultur in ihrer reinsten Form. Abi’s unverkennbare, markante Stimme und sein facettenreiches Spiel auf der abgewetzten Johnson Resonatorgitarre , Steve’s exzellentes Harpspiel und Martin’s gekonnter Umgang mit dem Cajon, das er mit einem Mini Hihat ergänzt. Ein Powertrio der mal ganz anderen Art. Es ist im Grunde Akustikblues, auch wenn einige Amps ihr unterstützendes Werk tun. Titel wie «Hip Shake», «Mojo Boogie», «Grinning in your face» oder John Hiatt’s «Thing called love» finden sich im Repertoire.

Die Stimmung im Publikum ist bestens, der Funke ist schnell übergesprungen. Es wird mitgesungen, auch wenn der Refrain bei «Silver City» „I’m on my way, babe, I’m on my way…“ noch etwas schwächelt und unentschlossen und brüchig klingt, was dann Abi zu der Aufmunterung veranlasst: „Blues ist Extase…“.

Für einen Song werden die Verstärker völlig abgestellt und ignoriert. Diesen kündigt Abi Wallenstein als Heavy Metal- Titel an. „Heavy Metal muss sein..“, gesteht er dem leicht irritierten Publikum. „Und wir spielen es unplugged…“. Dabei deutet er auf das gewellte Blech, das Martin Röttger sich umgehängt hat. Dieses traktiert er ganz in Skiffle- Manier mit auf Handschuhen aufgenähten Fingerhüten. «Keep Your Hands Of Her» ist der „Heavy Metal“- Song. Und siehe da: Es geht tatsächlich auch ohne die elektrische Verstärkung.

Eine „winzige“ Pause von etwa einer halben Stunde folgt. Zeit für Gespräche, ein paar Getränke, etwas zu essen. Das Kulturzentrum in Sinsteden zeigt sich wieder einmal als passender Ort für einen Event wie diesen. Die Atmosphäre an diesem lauen Augustabend ist wunderschön, mittlerweile ist es dunkel und die Sterne glitzern am immer noch wolkenlosen Himmel. Ich tue mich mit Mengemessungen des Publikums immer schwer, ich schätze die Zahl der Anwesenden auf etwa 150. Und es ist gut so, dass so viele hergekommen sind.



Abi versteht es, das Publikum zu begeistern. Seine ruhige Art, sein immer wieder durchblitzendes Lächeln, seine humorvollen Kommentare, seine Art zu spielen und zu singen allein schon würden reichen, den Zuhörern einen schönen und unvergesslichen Abend zu bereiten. Aber auch seine Mitstreiter auf der Bühne tun das Ihrige, um das Ganze noch zu vollkommenen. Martin Röttgers Demonstrationen zu dem, was man mit einem Cajon so alles anstellen kann, sein perfektes Rhythmusgefühl, sein technisches Geschick, klasse. So wie er spielt, hat man den Eindruck, dass er nicht nur ein ganzes Schlagzeug, sondern zusätzlich eine ganze Percussioneinheit bedient. Er hat ein Lehrbuch über das Cajon- Spiel verfasst und bietet Workshops zu diesem Instrument an.

Ebenfalls Buchautor und Workshopleiter ist Steve Baker. Hier gibt er weiter, was er in jahrelanger Praxis im Harpspiel selbst gelernt hat. Er gehört zweifellos zu den besten Mundharmonikaspielern Europas. Dies zeigt er auch an diesem Samstagabend. Es ist ein wahrer Hörgenuss, seinen Soloeinlagen zu lauschen. Denn die haben es in sich. Nuancenreich und technisch versiert bedient er das Mississippi Saxofon. Ob „clean“ nur über das Gesangsmikrofon oder mit Zerre über die Shure Fahrradlampe.

Das erste Mal habe ich Steve gesehen und gehört mit seiner Truppe «Have Mercy» Mitte der siebziger Jahre. Nach dem Konzert in Sinsteden schwelgen wir in Erinnerungen an schöne Aachener Zeiten, Kneipenmusik und Konzerten im Audimax an der RWTH. Ich trage jetzt den inoffiziellen Titel «Fan der ersten Stunde», was mich freut und stolz macht.

Das Konzert von «Blues Culture» endet zunächst mit dem Titel «Bye, bye Baby», die drei Musiker verlassen während des Songs weiter spielend die Bühne und drehen eine Runde durchs Publikum, um schließlich den Ort des Geschehens zu verlassen.

Die Rufe nach Zugabe sind gleich von Anfang an laut, begeistert und zahlreich, so betreten die Drei nach wenigen Minuten nochmals die Bühne. Abi stimmt «Kiss» vom Künstler, der einmal als Prince bekannt war, an. Der Song gleitet hinüber in «Satisfaction», bekanntermaßen von den Rolling Stones. Ob das Riffzitat von «Smoke On The Water» jetzt in diesem Medley war oder während eines anderen Titels, vermag ich nicht mehr zu sagen. Aber das ist auch egal. Es hat es gegeben. Und der Wiedererkennungswert war hoch, enorm hoch.

Das Konzert von Blues Culture zeigt, dass Blues beileibe nicht eine, wie viele immer noch denken, nur traurige Angelegenheit ist, sondern auch eine mit Herz und Humor dem Leben zugewandte Musikrichtung. Und wenn ich eine meiner Definitionen von Blues hier noch einmal zitieren darf: „Blues ist, wenn es dennoch weiter geht, irgendwie.“, kann man sagen, wenn dieser von Abi Wallenstein und seinen Leuten gespielt wird, geht es leicht und unbeschwert weiter.

So mache ich mich später beschwingt auf den Heimweg. Und da das Autoradio wieder einmal streikt, trällere ich vor mich hin: „I’m on my way, babe, I’m on my way…“...

Fazit: Wenn Blues Culture in der Nähe sind, unbedingt nicht verpassen. Und genau das werde ich tun am 18.09.2008 in Aachen. Im Hof. Um 20:00 Uhr. Open Air. Back to the roots…

Text und Fotos © Tony Mentzel

Tony Joe Gardner
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„Ich möchte Leute hören, die sich für bestimmte Sachen interessieren, die sich die Mühe machen, Sachen zu finden, die ich vielleicht sonst nicht hören würde. Die Stücke spielen, weil sie meinen, daß andere Menschen sie einfach hören müssen.“ - Alan Bangs

"A balance between things that you know people will like and things that you think people will like." - John Peel

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