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Lena Offline




Beiträge: 87

12.06.2008 12:56
"Orange" von John Fahey antworten

John Fahey: Orange

(edition suhrkamp 2008, 272 S.)

Nun gibts nach "Blaugrasmusik" endlich den zweiten Teil der übersetzten Erzählungen aus John Faheys Bänden "How Bluegrass Music Destroyed My Life" und "Vampre Vultures". Um es gleich zu sagen: sie sind zum allergrößten Teil extrem unterhaltend, den Kulturbetrieb der 1960er beleuchtend (und das auf die trefflichste Art) und liefern zudem wunderbare Anekdoten über Blues Legenden wie Booker T. Washington (Bukka White), Skip James, Mississippi John Hurt oder Roosevelt Sykes.

John Fahey war selbst schon zu Lebzeiten eine Legende. Er war einer der größten Fingerstyle Gitarristen überhaupt, er war Komponist, Musikwissenschaftler, gründete unabhängie Plattenlabel (lange vor Indie), war Herausgeber, noch vieles mehr ...und eben auch Autor von Kurzgeschichten.

Dei beiden ersten Geschichten, die nicht zu meinen liebsten gehören, sind sehr wütend (vor allem verarbeitet er hier seine desaströse Kindheit) und abgedreht geschrieben. Ich würde raten, diese am Schluß zu lesen, weil sie sich dann besser erschließen.

In "Orange" schreibt er über seine erste große Liebe, eine wunderschöne und witzige Erzählung. "Henry Vestine" handelt von dem legendären Canned Heat Gitarristen. "Fisch" ist gleichzeitig ein Abrechnen mit seiner Familie und eine Liebeserklärung an seinen Freund, dem legendären Booker T. Washington, besser bekannt als Bukka White. Dann "Skip James" und "Volk-Festival" in denen er mit dem Kulturbetrieb und der verlogenen Suche der weißen Mittelschicht nach Tiefe im alten Country Blues abrechnet.. "Honig" ist neben "Volk-Festival" mein Favorit. Ein Bericht über einen Gig, bei dem John Fahey auf Roosevelt Sykes traf. Ergreifend und zum Schieflachen, auf welche Art und Weise Sykes dem jungen Tschonn etwas übers das Leben erzählt.

Zum Schluß erzählt Fahey über seine Zusammenarbeit mit Antonioni, dem großen italienischen Regisseur. Und als ich das Buch dann weg legte, dachte ich: Ich will mehr, mehr, mehr davon.


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Wer die Musik nicht hört, hält die Tanzenden für wahnsinnig.

The blues is a low down shakin' chill.
You ain't never had 'em, I hope you never will.

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