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Dieses Thema hat 1 Antworten
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 Konzertberichte
Gardner Offline




Beiträge: 2.321

02.06.2008 16:01
Nine Below Zero am 31.05.2008 im Kulturzentrum in Sinsteden antworten
Ein lauer Maiabend, Regen wird es keinen geben. Und das ist gut für ein Open Air Konzert. Meine Uhr zeigt 21:37h, als die Flagoletttöne zum Intro vom Canned Heat’schen «On The Road Again» erklingen. Auf der Bühne in Sinsteden stehen aber Nine Below Zero, die anscheinend mit einem alten Brauch brechen, denn dieser Song ist normalerweise ihr Abschlusstitel.

Wie auf Knopfdruck wird diese britisch- irische Dampfmaschine in Gang gesetzt. Sie besteht aus Dennis Greaves (Gitarre, Vocals), Gerry McAvoy (Bass, Vocals), Mark Feltham (Harps, Vocals) und Brendan O’Neill (Drums, Vocals). Bis auf Dennis Greaves haben wir es, ich traue es mich kaum zu wiederholen, mit der ehemaligen Begleitband des unvergessenen Rory Gallagher zu tun.

Das letzte Mal habe ich sie vor ziemlich genau 20 Monaten gesehen. Seitdem ist eine Menge passiert und so einiges hat sich geändert, aber der nachhaltige Eindruck von damals findet mit dem ersten Ton seine direkte Fortsetzung. Diese Band spielt die Musik, die ich liebe und dann auch noch so, wie ich sie liebe. Kaum etwas passt besser zu diesem letzten Maitag des Jahres 2008. Musikalisch gesehen ist es der perfekte Ausklang.

Auf alle, die von diesem Konzert wussten, hätten hinfahren können, dies aber grob fahrlässig oder gar vorsätzlich unterlassen haben, wartet die Höchststrafe: Sie verpassen eine mehr als gut aufgelegte Band, die von der ersten Sekunde in den Bann zu ziehen weiß. Die vier Routiniers in Sachen Rock, Rock’ n’ Roll, R & B und natürlich Blues bieten dem angereisten Publikum das Maximum. Lachende Gesichter auf der Bühne, strahlende Gesichter vor der Bühne.

Einer der wenigen, die nach fünfzehn Minuten Konzerts noch sitzen bleiben, ist Brendan O’Neill und das bedingt durch sein Instrument. Auf der Bühne ist Bewegung und im Publikum wird geklatscht, mitgesungen und getanzt. Der Tanz aus dem Mai, quasi.

Etwas Ruhe kehrt bei Mark Feltham’s Harp- Intro zu «Ridin’ On The L&N» ein, doch ist diese Ruhe nur die Bekannte vor dem Sturm und als solche beim ersten Takt des Titels auch schon wieder vorbei. Die Dampfmaschine wird zur Dampflok. Der Zug nimmt jetzt so richtig Fahrt auf.

Dennis und Mark improvisieren einen langsamen Blues, begleitet durch Gerry am Tamburin, Brendan O’Neill ist jetzt komplett hinter seinem Drumset verschwunden, um die lädierte Fußmaschine zu reparieren. Vollprofis lassen sich durch nichts aus der Bahn werfen.

Ein weiteres musikalisches Highlight ist «Sugar Mama». Das Gitarrensolo von Dennis Greaves kann man einfach nur als wunderbar bezeichnen.

Im Programm sind Titel wie «Walking By Myself», «Mama Talk To Your Daughter», «Tore Down» «White Boys», «We Rock The House», «Homework», «Pack Fair & Square», «Can I Get A Witness» oder «Watch Yourself». Es macht Laune, alle diese Titel wieder live zu hören, sie prasseln von der Bühne und verursachen wohl tuende Schauer.

Bei Nine Below Zero aber sollte man genauer hinhören. Es sind eben nicht nur diese Stücke, nein, es sind immer wieder Zitate von anderen Titeln enthalten: Hier bricht für einen Moment der «Laundromat» Riff durch, dort ist es eine Strophe des «Young Man Blues» von Mose Allison, von dem es eine vortreffliche Version von den Who auf ihrem Album «Live At Leeds» gibt. Oder mal eben Free’s «Alright Now».: „There she stood…“ Oder Dennis Grieves animiert das Publikum zum Mitsingen des «Na nana na na»- Teils aus Wilson Picket’s «Land Of A 1000 Dances». Klasse, es macht Spaß mitzumachen, zuzuhören und zuzusehen.



Die technische Seite ist schnell abgehakt: Dennis Greaves spielt seine rote Gibson ES 335, verstärkt über einen Marshall JCM 800 Stack, nichts weiter an Effekten ist zu sehen. Gerry McAvoy spielt seinen schwarzen Music Man Stingray Bass, verstärkt über einen Ampeg Amp. Mark Feltham’s Harps bekommen Verstärkung durch einen Fender Twin und Brendan O’Neill’s Drumset kommt von Gretsch.

Dass alle Vier Könner auf ihren Instrumenten sind, brauche ich nicht extra zu erwähnen, habe es damit aber nun doch getan. Zu Recht.

NBZ sind für zwei Tage zu einem Blitzbesuch in Deutschland. „Um sechs Uhr in der früh geht es weiter Richtung Saarbrücken.“ Das hat mit Dennis in einem kurzen Gespräch vor dem Auftritt berichtet. Als ich ihm von unserem Bluesradio erzählte, wurde er ganz hellhörig und meinte mit einem Grinsen: „Ich hoffe, ihr spielt auch Nine Below Zero!“ – „Natürlich tun wir das..“, antwortete ich ebenfalls grinsend.

Gegen 23:15Uhr, zur Zugabe, holen NBZ noch die Mitglieder von der Kölner Band «Get The Cat» auf die Bühne, Jammen ist angesagt. «Sweet Home Chicago» bietet hierfür die Basis.

Um etwa 23:30 Uhr ist dann (leider) Schluss.

Fazit: Hier kann ich nur wiederholen, was ich damals in meinem ersten Bericht geschrieben habe: Nine Below Zero sind eine Band und die ist aus einem Guss. Da gibt es nicht die eine herausragende Figur, man muss das Ganze als ein Gefüge sehen. Man merkt, dass alle schon lange im Geschäft sind, doch das merkt man nur unterschwellig, denn den Spaß den die Vier auf der Bühne haben, wirkt frisch, unverfälscht und keineswegs aufgesetzt.

Wer sich davon überzeugen möchte, dem kann ich nur raten: Bei nächster Gelegenheit unbedingt nicht verpassen, nicht grob fahrlässig und schon gar nicht vorsätzlich.

© Fotos & Text Tony Mentzel 2008

Tony Joe Gardner
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„Ich möchte Leute hören, die sich für bestimmte Sachen interessieren, die sich die Mühe machen, Sachen zu finden, die ich vielleicht sonst nicht hören würde. Die Stücke spielen, weil sie meinen, daß andere Menschen sie einfach hören müssen.“ - Alan Bangs

"A balance between things that you know people will like and things that you think people will like." - John Peel

behindthelegend Offline




Beiträge: 57

04.06.2008 09:09
#2 RE: Nine Below Zero am 31.05.2008 im Kulturzentrum in Sinsteden antworten
Das ist wieder ein interesanter Konzertbericht der mir gefällt. Und geile Fotos.
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