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 Konzertberichte
Gardner Offline




Beiträge: 2.321

30.05.2008 15:09
Mem Shannon & The Membership am 29.05.2008 auf Burg Satzvey antworten
Mem Shannon & The Membership am 29.05.2008 auf Burg Satzvey

«Let’s play a slow blues in C» - «How slow?» - «Slow enough»*)

Gleich vorweg: Mem Shannon ist eine Klasse für sich. Als Gitarrist und als Sänger. Alles um ihn herum muss sich erst finden, und genau das ist das Dilemma mit „Leihgruppen“. Bands, die Musikern aus Übersee aus Kostengründen für Europatouren zur Seite gestellt werden. So auch hier: Die vier relativ jungen Leute aus Großbritannien sind bestimmt keine schlechten Musiker, nein, sicher sogar Leute, die ihr Handwerk verstehen, ihren Sound und ein Feeling für ihre Musik haben, aber bis die Chemie mit dem «Star» stimmt, braucht es halt ein paar Gigs.

Auf dem Boden verteilt liegen neben den Setlisten, Chordsheets, Blätter, auf denen die Harmonien der einzelnen Titel handschriftlich notiert sind. Der Bassist „verschwindet“ fast hinter einem Ordner, den er auf einem Notenständer ausgebreitet hat. Aber wie gesagt, wir sind halt am Tourneestart und das wird sich alles noch schütteln.

Wenn man diese Umstände berücksichtigt, war es ein tolles Konzert, bei dem mir neben Mem Shannon vor allem der Drummer und der Saxofonist sehr gut gefallen haben.

«Payin’ My Dues», «No Such Thing», «Memphis in The Morning» und der Beatles Titel «Eleanor Rigby» sind einige der Titel der über zweistündigen Show. Besonders die beiden Letztgenannten verdienen den Ausdruck „wahre Highlights“.

Es macht Spaß zuzusehen, wie Mem Shannon seine Epiphone ES 335«Dot Studio» bedient. Optisch ist das Instrument schon eine Augenweide: Die rotbraune Lasur lässt die natürliche Holzmaserung durchscheinen.

Akustisch ist sie dann eine wahre Ohrenfreude: Feine Licks, die Mem Shannon aus den Akkordgriffen heraus zaubert, seltener sind ausgesprochene Sololäufe. Allerdings der am Ende von «Elenor Rigby» hatte es in sich. Alles aber immer äußerst locker und präzise. Beinahe aus dem Nichts. Stilistisch liegt sein Repertoire in den Bereichen Funk, Rhythm & Blues und natürlich Blues.

Die Titelfolge scheint nicht festgelegt, man verständigt sich durch Zuruf oder durch kurzes Ansingen der Grundmelodie. Mem Shannon ist stets Herr der Lage, er ist bestimmend, aber immer freundlich und gut gelaunt. Er wundert sich, dass es in Deutschland auf einmal so warm sei, beim letzten Besuch war es wohl kälter. Das liege vermutlich an der globalen Erwärmung.

In der Pause heb ich kurz Gelegenheit, mit Mem Shannon zu sprechen. Auch die mittlerweile zu meiner Sammelleidenschaft gewordnenen akustischen Grüße an die Hörer vonn JJBR kann ich einheimsen.

Zur Technik gibt es nicht viel zu sagen, denn sie ist auf das Nötigste beschränkt: Mem’s Epiphone wird verstärkt über einen Fender Frontman, lediglich ein Tretschalter, um die Kanäle am Anp zu wechseln. Sein Sound ist durchweg clean, allenfalls ein wenig angeraut. Die zweite Gitarre, eine Strat kommt über einen Fender Blues DeLuxe, plus zwei Bodentreter als Effekt. Der Music Man Stingray Bass wird verstärkt durch einen Line 6 Amp. Das Drumset ist von Pearl.




Die Drums werden absolut druckvoll und präzise bedient, ein wirkliches und wiederholtes Lob für den Mann hinter der Schießbude, der es versteht, gerade bei den funkigen Titeln, den richtigen Drive zu entwickeln. Auch bei den etwas jazzig angehauchten Stücken weiß er zu überzeugen.

Hervorragend sind auch die Saxsoli und auch die Fill- Ins während der Titel haben es in sich.

Ein wenig blass kommt der zweite Gitarrist daher, der seinen Platz neben dem wahrlich großen Mem Shannon noch nicht gefunden zu haben scheint. Ich frage mich, ob ein zweiter Gitarrist überhaupt konzeptionell nötig ist, da der Meister hier im Prinzip alles selbst abdeckt. Technisch ist da nichts zu meckern, das Rhythmusspiel ist völlig ok, die wenigen Soloeinlagen sind’s auch, aber irgendwie fehlt da der Pep.

Der Bassmann verschwindet nicht nur optisch hinter seinem Pult, auch akustisch ist von ihm nichts Markantes zu bemerken. Man hört, dass ein Bass im Soundspektrum vorhanden ist, mehr aber nicht.

Vielleicht ist es nur schüchterne Unsicherheit, denn die hilfesuchenden Blicke auf die Notizblätter sind bei letzteren beiden Protagonisten oft zu erkennen.

Sei’s drum, man hat jetzt ca. drei Wochen, um sich an einander zu gewöhnen. Am Ende der Tour wird das sicher alles lockerer vonstatten gehen.

Fazit: Trotz oben angesprochener Problematik ein tolles Konzert mit einem exzellenten, gut aufgelegten Frontman.

Deutschland steht, glaube ich, noch zweimal auf dem Tourplan, ansonsten Belgien, Luxemburg und vor allem Frankreich.

Wer die Chance hat, Mem Shannon & The Membership zu sehen, sollte sie unbedingt nicht verpassen.
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*) Dialog während des Konzerts zwischen Mem Shannon und seinem zweiten Gitarristen

© Fotos & Text Tony Mentzel 2008

Tony Joe Gardner
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„Ich möchte Leute hören, die sich für bestimmte Sachen interessieren, die sich die Mühe machen, Sachen zu finden, die ich vielleicht sonst nicht hören würde. Die Stücke spielen, weil sie meinen, daß andere Menschen sie einfach hören müssen.“ - Alan Bangs

"A balance between things that you know people will like and things that you think people will like." - John Peel

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